500 Jahre Magdeburger Dom Gedanken zu einem „stillen” Gedenktag – von Domprediger Jörg Uhle-Wettler

Im Nordturm ist der letzte Stein über dem Ausgang zur Plattform mit einem Datum versehen: 1520. Dombaumeister Bastian Binder wurde in diesem Jahr nach Halle abberufen, damit war Bauende am Dom.

Das Jubiläum wäre fast übersehen worden, weil meist die ältesten Jubiläen begangen werden. Im Fall des Magdeburger Domes war es die Grundsteinlegung für den gotischen Bau im September 1207, nachdem sein romanischer Vorgänger abgebrannt war.


Tragisch war: Kaum war der Dom 1520 vollendet, war er für eine gewisse Zeit als Gottesdienstraum verloren. Als Magdeburg 1524 zur Reformation übertrat, hielt das Domkapitel am alten Glauben fest. Nach dem Tod des letzten Domherren verfügte die Stadt ab 1548 die Schließung der Kathedrale. Große Teile ihrer Ausstattung gingen durch Plünderungen verloren. Ab dem 1. Advent 1567, mit dem ersten Abendmahlsgottesdienst von Domprediger Siegfried Sack, gilt der Dom als evangelisch. Wir haben also noch viele Jubiläen.

Der Dom prägt die Menschen mehr, als die Menschen den Dom prägen. Kleine Dorfkirchen scheinen Menschen zu brauchen, die sich um sie kümmern. Der Dom ist anders. Der Dom hat eine Partnerin, die Elbe. Und sie stehen und fließen gemeinsam durch die Jahrhunderte. Alle Magdeburger lieben den Dom, auch wenn sie nicht zu seiner Gemeinde gehören. Der Dom findet sich überall – im Stadtbild, das Geläut seiner Glocken im Fußballstadion, selbst auf Waden von Joggern hab ich ihn schon im Stadtpark gesehen.

In diesen Zeiten ist der Dom von 10 bis 17 Uhr zum Stillen Gebet geöffnet. Alles Weitere, das wir geplant, steht dahin. Auch die Domfestspiele Anfang Juni unter anderem mit Ute Lemper, Nils Landgren und Albert Camus’ Theaterstück „Die Pest”. Markant übrigens, dass die Kartennachfrage hierfür sehr groß ist. Kantor Barry Jordan komponiert zudem ein großes Werk über Franziskus mit Domchor und Orchester.

Was mir auch am Herzen liegt, ist ein Projekt im September mit unseren 50 Konfirmandinnen und Konfirmanden und mit Handwerkern. Hierfür konnten wir als Partner die Handwerkskammer gewinnen. Denn klar ist doch: Der Dom wurde nicht von Theologen erbaut, sondern von Steinmetzen, Maurern, Zimmerleuten und Glasern.
Mit Blick auf das große Gesamtwerk denke ich manchmal: Heute würde der Dom wohl nicht mehr gebaut werden können, denn es gibt zu viel Bürokratie, zu viele Bauvorschriften, zu viele Bedenken.
Der Gottesdienst ist das Zentrum unserer Gemeinde. Dazu kommt der Spagat zwischen Kirchengemeinde und Touristengemeinde, der gemeistert werden will. Denn am Dom lassen sich auch Paare trauen, die nicht zur Gemeinde gehören, und Eltern ihre Kinder taufen, die nicht in Magdeburg leben. Wer an den Dom geht, muss damit leben, dass andere das auch wollen. Hier kann man nicht sagen: Ich möchte es gemütlich haben in einem kleinen Kreis wie in einer Dorfkirche.
Die Domgemeinde hat einen Ausschuss für Gemeindeentwicklung neu gegründet, der sich auch mit Fragen wie dem Tourismus befassen wird.
Wir haben eine hohe Wertschätzung für unsere vielen ehrenamtlichen DomführerInnen. Sie bringen zigtausenden Touristen den Dom jährlich nahe.

Der Dom wird in diesem Jahr auch in die Lichterwelt mit einbezogen. Ich habe nichts gegen eine dezente Beleuchtung. Aber wichtiger ist für mich: Jesus als maßgebender Mensch ist das Licht der Welt – und das ist etwas anderes als die Lichterwelt. Ohne ihn: Kein Dom. Nirgends.

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