Dienstag, November 29, 2022

Ab in die Champions League…

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Goldene Aussichten für Automobil-Rennfahrer Dominique Schaak. Die GTC-Saison beendete er zwar nur mit einem zweiten Platz in der Trophy-Wertung, trotzdem winkt ihm 2023 ein großer Sprung nach oben.

Trotz goldener Herbsttage und zuweilen noch immer sonnig glänzender Pisten, die Motorsportsaison neigt sich – wie spätestens nach den Finals der Formel 1 und der DTM unschwer abzulesen ist – unweigerlich ihrem Ende. Das gilt natürlich genauso für jene Klassen, die ihre Wettbewerbe ein wenig im Schatten dieser beiden dominierenden Serien bestreiten. Wenn Dominique Schaak, Magdeburgs einziger professioneller Automobil-Rennfahrer und zuletzt im Gran Tourismo Cup (GTC) unterwegs, also ein Saisonfazit ziehen soll, hört sich das in einem Satz so an: „Ich bin rundum glücklich und zufrieden.“ Holla, mag sich jetzt der geneigte Leser denken, dann hat er wohl alles abgeräumt, was es abzuräumen gab. Alles in Grund und Boden gefahren.

Beileibe nicht. Schaaks Bilanz macht sich jedoch nicht ausschließlich an Resultaten fest. Für ihn zählt mehr. So begann er die erste einigermaßen reguläre Saison nach zwei Jahren Pandemie und Lockdown gleich in einem neuen Rennstall (Eastside Motorsport aus Crimmitschau) – und dazu noch in einem neuen Auto. Statt eines Audi pilotierte er 2022 erstmals einen Mercedes AMG. Ein doppelter Neustart also. „Mit dem Wagen bin ich“ sagt er rückblickend, „ganz im Gegensatz zum Audi, den ich zuvor gefahren bin und der in unserer Serie doch einige Probleme hatte, von Rennen zu Rennen immer besser klargekommen. Hinzu kommt: Das Team war top.“ Zur Zufriedenheitsbilanz des 31-Jährigen zählt ebenso, dass endlich wieder echtes Renn-Feeling zu spüren war, also mit Publikum auf den Traversen. „Außerdem wurde in diesem Jahr meine Tochter Mia geboren. Die Kleine ist jetzt sechs Monate alt und an den Rennstrecken sogar schon dabei.“ Schaaks Augen strahlen: „Wenn die Wagen an ihr vorbeisausen, geht ihr kleines Köpfchen schon richtig mit.“

Natürlich, das weiß auch Schaak, ganz ohne Resultate, schwarzweiß auf dem Papier oder im Rechner, geht es im Sport freilich nicht. Aber die sind in einer Serie, bei der in einem Lauf unterschiedliche Klassen mit unterschiedlichen technischen Parametern direkt aufeinandertreffen und bei der unterschiedlich gezählt wird, einem Außenstehenden kaum vermittelbar. Und genau da liegt die Crux von Rennen wie denen um den GTC-Pokal, nämlich in der Unübersichtlichkeit des Wertungssystems. Es scheint mitverantwortlich dafür zu sein, warum sich das Interesse einer breiten Sportöffentlichkeit – ausgesprochene Hardcore-Motorsportfans sowie Freundes- und Familienkreis einmal ausgenommen – trotz teilweiser TV-Übertragung in einem ziemlich überschaubaren Rahmen bewegt. Schaak hält mit seiner Kritik nicht zurück: „Das Wertungssystem war für alle Fahrer und Teams eine Katastrophe. Wir schauen da selbst nicht richtig durch. Das macht es für Publikum und Sponsoren fast unmöglich, da durchzusteigen.“

Er nennt ein Beispiel: „In der GT-4-Trophywertung, in der alle Fahrer über 30 Jahre erfasst werden, bin ich Vizemeister geworden. Aber eigentlich, das wissen alle im Tross, hätte ich Meister werden müssen. Denn ich habe vier von fünf Rennen gewonnen. Da aber pro Wochenende zwei Läufe ausgetragen werden, ich aber jeweils nur einen bestritten habe, mein direkter Konkurrent aber zwei, von denen der schlechtere gestrichen wurde, lag er am Ende knapp vor mir.“

Zu tun hatte das alles auch etwas mit dem Saisonfinale Anfang Oktober auf dem Hockenheimring. Es waren Renntage, an denen man den sprichwörtlichen Hund nicht vor die Tür schicken wollte. „Es hat geschüttet wie aus Eimern“, berichtet der 31-Jährige. „Die Sicht betrug teils nicht einmal fünf Meter. Die blinkenden roten Positionslichter der vorausfahrenden Wagen waren nicht zu sehen. Im Fahrerlager waren wir uns einig, ein Start ist unter solchen Umständen nicht möglich.“ Die Rennleitung sah es anders. Schaak: „Mein Team hatte es mir angesichts der Umstände freigestellt zu fahren. Aber da ich noch Aussichten auf den Gesamtsieg in der Trophy-Wertung besaß, wollte ich diese Chance nicht auslassen.“ Es kam, wie die Fahrer es befürchtet hatten: Bereits in der dritten Kurve hob ein Audi ab und krachte mit Tempo 230 in die Begrenzungsmauer. „Gottseidank ist dem Piloten nichts passiert. Die Rennleitung brach ab. Das Dumme für mich war nur, dass zu diesem Zeitpunkt mein Konkurrent vor mir fuhr und dies dann in das Resultat einging. Das entschied letztlich über das Gesamtergebnis.“

Bei allem Wenn und Hätte, für Schaak heißt es jetzt: abhaken, Strich drunter, Vergangenheit. Zudem sich am Fahrer-Horizont für ihn nicht nur ein einzelner Lichtstreif abzeichnet, sondern gleich ein ganzes Bündel. „Noch ist es ein wenig früh darüber zu reden, weil noch nichts unterschrieben ist“, bittet er um Verständnis. Ende November soll das Geheimnis gelüftet werden. So viel sagt er aber schon einmal: „Wenn man, um ein Beispiel aus dem Fußball zu nehmen, den bisherigen GTC-Cup einmal mit der dritten Liga gleichsetzen würde, wäre das Neue für mich im Vergleich dazu so etwas wie die Champions League.“ 

Fazit: Selbst, wenn 2022 die absoluten Top-Resultate des Magdeburgers ausblieben, sein Talent, einen Boliden über die Betonpisten der großen europäischen Rennstrecken zu steuern, ist in der Szene in den zurückliegenden Jahren offenbar nicht unbemerkt geblieben. Das neue Angebot könnte so etwas wie die Krönung seiner Laufbahn werden. Zumal er – falls alles in trockene Tücher kommt – im nächsten Jahr weder das Auto, also den Wagen mit dem Stern, noch den Rennstall wechseln müsste. Und vielleicht fast genauso wichtig: Das Hickhack und der Kuddelmuddel der alten (GTC-) Wertung bliebe ihm in der neuen Serie auf jeden Fall erspart.

Text: Rudi Bartlitz, Seite 26, Kompakt Zeitung Nr. 220

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