Donnerstag, Januar 20, 2022
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Abenteuer im Land der Träume und Fantasie

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Viele Eltern kennen das: Der Tag ist zu Ende, Schlafenszeit für die Kinder beginnt – doch die lieben Kleinen wollen davon nichts wissen. Ein Thema, um das sich auch die Geschichte „Der kleine Häwelmann“ dreht. Das Puppentheater Magdeburg hat daraus eine zauberhafte Inszenierung gemacht, die in dieser Spielzeit als Weihnachtsmärchen das Programm bereichert.

Schwungvoll geht es los und erzeugt die erste Begeisterung: Innerhalb weniger Minuten rast ein Tag vorbei. Herrlich, wie die Darsteller im wahrsten Sinne über die Bühne hinwegfegen – nicht nur mit Figuren, sondern zunächst mit Kreide und Wischer. Auf einer riesigen Maltafel, die die Bühne dominiert, illustrieren sie den Tagesablauf, und kaum ist etwas zu sehen, ist es wieder verschwunden. Kaum ging die Sonne auf, geht sie schon wieder unter. Das stört den Kleinen Häwelmann. Er will von seinen Eltern im Rollenbett umhergefahren werden. Immer und immer wieder, bis die Eltern erschöpft in den Schlaf sinken.

Was der kleine Bursche dann erlebt, wurde bereits 1849 von Theodor Storm für seinen Sohn Hans geschrieben. Aus dem historischen Stoff entwickelt sich am Puppentheater ein modernes Spiel mit moderner Sprache, es wird viel gereimt und es ist allerhand zu erleben. Nachdem die Eltern müde eingeschlafen sind, setzt der kleine Häwelmann die Segel, im wahrsten Sinne, und macht aus seinem Rollbett ein Schiff, das ihn überallhin bringen kann. Eine spannende Reise beginnt. Kreuz und quer durch die Nacht. Auf seinem Weg begegnet er fantastischen Wesen, die nur im Dunkeln zu entdecken sind. Der Wetterhahn erwacht zum Leben, ein Brunnen beginnt zu reimen, eine Katze schleicht durch den Wald und fordert Geschenke – bis die Fahrt schließlich hinauf zu den Sternen führt. Dies alles in einer minimalistisch-variablen Kulisse. Auf der Maltafel entstehen immer wieder neue Ansichten, Häuser, Figuren, Wald wechseln sich ab. Bravo für Idee und Umsetzung! Die Szenen wechseln einfach und kunstvoll zugleich. Mal mit schnellen Zügen, mal rhythmisch wischend. Dazu gesellen sich wenige, aber äußerst effektiv eingesetzte Figuren, die bravourös vorgeführt werden. Der kleine Häwelmann hat im Hauptpart als Figurenpuppe Präsenz zu allen Seiten und wird abwechselnd gespielt. Andere Charaktere wie Eltern, Mond und Katze bekommen Ausdruck durch flache Masken, deren Handhabung perfekt beherrscht, immer zum Publikum gerichtet ist, egal wohin sich die Spieler bewegen. Das fasziniert und fesselt den Zuschauerblick. Auf besonderen Zuspruch stoßen die gereimten Passagen mit Sprüchen wie „Fliegt der Bauer um den Turm, ist es wohl ein Wirbelsturm“, der die Zuschauerkinder zum Lachen bringt. Und Lachen, so sagt der Häwelmann, ist das beste Mittel gegen Angst. Die könnte man vielleicht bekommen, wenn der Lupus-Wolf überdimensional die Bühne zu übernehmen scheint – oder der Häwelmann vom Himmel ins Meer stürzt. Doch keine Sorge: Der Junge kommt wieder heil zurück nach Hause. Müde und glücklich, weil er so viel erlebt hat.
Zum Schluss fragt sich der erwachsene Betrachter vielleicht, ob man Kinder wirklich anregen sollte, allein nachts durch die Stadt oder gar in den Wald zu gehen. Und ob ein „Irgendwer kommt und hilft dir“ weniger gut oder doch vertrauensvermittelnd ist. Dass man über solche Fragen mit den Kindern sprechen sollte. Die Zuschauerkinder jedoch sprechen über anderes: über die Sabine in der Praline, die freche Katze und tanzende Sterne. Und welche Welten mit Kreide auf einer Tafel entstehen können!
Die Inszenierung ist wunderbar geeignet für das gemeinsame Familienerleben. Und sie zeigt: Fantasie kennt keine Grenzen. Diese wird übrigens fortgesetzt im liebevoll gestalteten Programmheft. Es birgt in seinem Inneren außerdem die Vorlage für ein Spiel zum Stück. So kann die Geschichte vom kleinen Häwelmann in seiner Schönheit durch die Adventszeit – und vielleicht auch da-rüber hinaus – in den Familien weiterleben. Inspirierend für weitere Reisen durch das Land der Träume und der Fantasie. (ab)

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