Altstadtquartier zeigt Kontur und Uni-Arkaden gehen an den Start in Magdeburg

Während im Lockdown der Corona-Pandemie vieles stillstand, ging an anderen Stellen das Leben weiter. Zum Beispiel auf den zahlreichen Baustellen der Landeshauptstadt. Ohne mögliche Eröffnungsfeier nahm beispielsweise Anfang Mai das Hotel „ibis Styles Magdeburg“ mit seinen 144 Betten im neuen „Altstadtquartier“ seinen Betrieb auf. Die letzten Arbeiten finden derzeit an der barrierefreien Wohnanlage an der Max-Otten-Straße statt. Am 31. Juli ist das Gebäude fertig und die ersten Mieter können einziehen. Nur wenige Wohnungen suchen noch neue Mieter.

Im Oktober werden dann die Räume des künftigen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) an der Erzberger Straße übergeben und ab Mitte November eröffnen die ersten Praxen. Im Frühjahr nächsten Jahres werden alle Einrichtungen ihre Arbeit aufgenommen haben. Insgesamt sollen hier 22 verschiedene medizinische Fachrichtungen vertreten sein. Das MVZ beherbergt ein ambulantes OP-Zentrum mit einem Bettenhaus, das eher die Atmosphäre eines Hotels als die eines Krankenhauses bietet. Fachärzte der Richtungen Chirurgie, Augenheilkunde, Innere Medizin, Onkologie, Gastroenterologie, Venerologie, Radiologie und Allgemeinmedizin arbeiten unter dem Dach des MVZ. In dem Gesundheitszentrum sollen Terminvermittlungen zwischen einzelnen Fachärzten ohne lange Wartefristen und mit kurzen Wegen möglich werden. „Hier wird der einstige Poliklinikgedanke auf einem völlig neuen Niveau organisiert“, sagt Rollandy Horvath, Geschäftsführer der Getec PM Magdeburg GmbH. Die Firma ist der Eigentümer und Bauherr des Projektes. Eine Rettungswache des Malteser Hilfsdienstes und eine Apotheke werden sich ebenfalls ansiedeln. Für den vierten Bauabschnitt ist das Unternehmen derzeit in der Planung. Denkbar wäre an der Stelle, eine sogenannte „Junge Pflege“ einzurichten. „Für Menschen, die vom Lebensalter her nicht in eine Seniorenpflegeeinrichtung gehören, gibt es derzeit weit und breit keine speziellen pflegerischen Angebote“, erklärt Rollandy Horvath. Inzwischen führt das Team der Immobilienfirma Gespräche mit Gesundheitsanbietern, die ein solches Konzept umsetzen können. Seit 2007 standen die Gebäude des ehemaligen Altstadt-Krankenhauses leer. Nach 13 Jahren kehrt das Quartier nun wieder ins Magdeburger Leben zurück.

Während das „Altstadtquartier“ Kontur annimmt, laufen bei der Getec PM Magdeburg die Vorplanungen für ein weiteres Großbauvorhaben. Für die Neubebauung der Ostseite des Universitätsplatzes laufen die Gespräche mit den Städtischen Werken zur Versorgung des Areals. Ende 2020 / Anfang 2021 könnten die ersten baulichen Aktivitäten starten, verspricht der Geschäftsführer. Der Norden der Magdeburger Innenstadt wird mit Abschluss des Vorhabens in gut zwei Jahren an Attraktivität gewinnen. Arbeiten, Wohnen sowie Angebote für Freizeit bringen neues Leben an den Uniplatz. Einzelhandelsflächen und Gastronomie können das Areal im Norden der City neu beleben. Auch die unmittelbare Anbindung zur Universität wird der Wissenschaft und Forschung Raum und Impulse geben.

Weil das Projekt ein wichtiger Meilenstein der Stadtentwicklung ist, wollen die Mitarbeiter der Getec PM Magdeburg GmbH die Details und Fortschritte des Vorhabens transparent gestalten und voraussichtlich am Ende des Jahres öffentlich vorstellen. Einer der prämierten Entwürfe aus dem Architekten-Wettbewerb (s. Foto und Zeichnung rechte Seite) schlägt entlang der Walter-Rathenau-Straße eine rund 26 Meter tiefe Gebäudestruktur vor. Flächen für Labore oder Institutsgebäude können neben Bürogebäuden Platz finden. Wohnblöcke sollen sich zum Innenhof hin öffnen. Sie bilden dadurch ein lärmgeschütztes und großzügig mit Grün versorgtes Wohnquartier, das sowohl in Nord/Süd- als auch in Ost/West-Richtung durchwegbar ist.

Im Wissenschaftshafen sind Rollandy Horvath und sein Team ebenfalls schon lange aktiv. Nachdem 2019 der „Speicher A“ fertiggestellt wurde, wird im kommenden September „Speicher B“ komplett in Betrieb genommen. Die ehemaligen Speicherhallen bieten vor allem innovativen Unternehmen und jungen Start-ups gute Bedingungen, zusammen zu wirken und sich mit der Forschungs- und Wissenskraft der Universität zu verbinden. Die 2017 gegründete Neoscan Solutions GmbH, eine Ausgründung der Uni, setzt hier beispielsweise die Entwicklung eines MRT speziell für Frühchen, Neugeborene und Kleinkinder um und ist dabei, die Marktreife zu erreichen. Neoscan Solutions gehört zum Forschungscampus STIMULATE der Otto-von-Guericke-Universität. Einige Aktivitäten aus dem Campus sind heute schon reale Firmen mit Sitz in den modernen „Speicher-Gebäuden“.

Rollandy Horvath setzt weiter auf die Kraft der Wissenschaft. „Erstmals verbinden sich hier Ingenieurkunst mit medizinischer Expertise. In dieser Zusammenarbeit schlummern sicher ganz viele Chancen. Wenn da eines Tages eine bahnbrechende Idee herauskommt, könnte sich Magdeburg damit weltweit einen Namen machen“, sagt Horvath. In der Zeit des Lockdown musste viel Stillstand hingenommen werden, um so wichtiger sind die nun nach und nach fertig werdenden innerstädtischen Bauprojekte. Sie werden mit Sicherheit für mehr Lebendigkeit in Magdeburgs Herzen sorgen. (tw)

Foto: Das neue Altstadt-Quartier. Ein Hotel ist bereits eröffnet. Die Wohnanlage zur Max-Otten-Straße wird Ende Juli übergeben. Im Herbst folgt die Übergabe des 3. Bauabschnittes – ein Medizinisches Versorgungszentrum mit 22 Fachpraxen, OP-Zentrum, Apotheke und Rettungswache. Der 4. Bauabschnitt befindet sich in der Projektplanung. Foto unten: Einer der Gewinner-Entwürfe aus dem Architekten-Wettbewerb zur Neubebauung der Ostseite des Universitätsplatzes. Die Zeichnung rechts zeigt das gesamte Bauvorhaben zwischen Uniplatz und Jakobstraße. Ende 2020/Anfang 2021 könnten die ersten Erdarbeiten zum Anschluss des Gebietes an die Versorgungsnetze erfolgen.

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