Montag, November 28, 2022

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Geschäftsführer Marc Schmedt im Kompakt-Interview über die Kräfteverhältnisse in der Handball-Bundesliga, die Geheimnisse des SCM-Höhenflugs und mögliche neue Konstellationen auf dem TV-Markt.

KOMPAKT: Stellen wir zu Beginn eine These in den Raum: Im deutschen Spitzenhandball hat in dieser Saison, einmal ganz unabhängig vom endgültigen Ausgang der Meisterschaft, eine unübersehbare Verschiebung im Kräfteverhältnis stattgefunden. Statt der bisherigen großen Zwei, dem THW Kiel und der SG Flensburg, dominiert nun ein Quartett. Der SC Magdeburg und die Füchse Berlin haben die Lücke zu den beiden Top-Teams wettgemacht oder sind dabei, dies zu tun. Stimmen Sie zu?
Marc Schmedt: Der THW Kiel ist aufgrund seiner Struktur, der Hallengröße, der langjährigen Erfahrung nach wie vor wirtschaftlich und organisatorisch am besten aufgestellt. Dahinter sehe ich Berlin, Magdeburg und Flensburg auf Augenhöhe. Und wer dann von denen in der Champions League spielt, hat automatisch die besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen, der hat dann einen Vorsprung. Ferner gibt es Vereine, die von der Struktur her nicht vergessen werden dürfen. Zumindest von den Voraussetzungen her gehört Melsungen da hinein. Perspektivisch muss man sicher auch Göppingen dieser Gruppe zurechnen.

Der größte Sprung nach vorn ist dennoch zweifellos dem SCM gelungen. Verraten Sie uns, wie der Verein das gemacht hat.
In den schweren Corona-Zeiten sind wir bewusst Risiken eingegangen. Wir haben, trotz extrem schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen, versucht, Spieler zu halten – und haben uns da auch gegen andere Vereine durchgesetzt. Um einfach den Kern für eine zukunftsfähige Mannschaft zu haben.

Können Sie Namen nennen?
Natürlich. Magnus Saugstrup, Gisli Kristjansson, Christian O`Sullivan. Omar Ingi Magnusson, Michael Damgaard – alle haben langfristige Verträge unterzeichnet. Bis 2024, zum Teil sogar bis 2026.

Das heißt, Sie basteln bereits am Kader für 2024/25?
Eindeutig ja. Wenn du im Handball in der Spitze mitspielen willst, musst du jetzt schon so weit denken. Wir müssen auch so früh sein, weil wir auch zukünftig nicht mit dem Scheckbuch in der Hand unterwegs sein können. Natürlich sind unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten gewachsen, aber wir können dennoch nicht irgendwann einfach losgehen und uns auf dem Markt am Wettbieten beteiligen.

Worin besteht dann der Weg des SCM?
Was uns so stark gemacht hat ist, dass in erster Linie Bennet Wiegert diese Spieler rechtzeitig erkannt hat, und sie dann bereits bei ihren Vereinen und nach ihrem Wechsel zu uns den Schritt von der nationalen zur internationalen Klasse vollzogen haben. Als wir vor zehn Jahren angefangen haben, hatten wir mit Bartosz Jurecki und Robert Weber zwei Nationalspieler, die an großen Turnieren teilgenommen haben. Bei der letzten EM hatten wir elf Nationalspieler dabei, und die sind mittlerweile in ihren Teams Leistungsträger. Auch daran sieht man die Entwicklung, die wir genommen haben.

Da es sich bei den einzigen beiden Zugängen für die neue Saison um Schweizer Nationalspieler (Torhüter Nikola Portner und Kreisspieler Lucas Meister) handelt, bedeutet das einen Sinneswandel bei der Spielersuche, weg von Skandinavien, hin zum Alpenraum?
Das ist wirklich reiner Zufall. (lacht) Und Toblerone wird auch nicht Hauptsponsor bei uns …

Trotzdem noch einmal gefragt: Wie macht man das, diese Art von Handballern zu entde-cken, die zudem genau in das Magdeburger Sys-tem des Tempohandballs passen? Ist es einfach die Genialität des Trainers?
Es ist tatsächlich zu einem großen Teil auf dessen Genialität zurückzuführen, exakt jene Typen zu finden, die das Qualitätspotenzial in sich haben und außerdem noch zu uns passen. Aber dahinter steckt ebenso jede Menge harter Arbeit. „Benno“ ist ein Workaholic. Er sichtet, sichtet, sichtet. Als er Ende 2015 angefangen hat, war er auf dem Trainermarkt ein Neuling. Heute ist Bennet Wiegert einer der begehrtesten Trainer Europas. Hinzu kommt: Derzeit ist der SC Magdeburg einer der attraktivsten Arbeitgeber im europäischen Handball. Wenn uns ein Spieler verlässt und eine Position neu besetzt werden muss, dann sehen uns auch die Berater mittlerweile als sehr interessante Adresse.

Nun ist erfolgreiches Scouting das eine, da-raus ein Spitzenteam zu formen noch etwas anderes.
Genau. Eines unserer Erfolgsrezepte ist die Harmonie im Team. Da gibt es keine Grüppchenbildung, jeder wird respektiert, jeder gehört dazu. Da ist eine homogene Mannschaft am Werk, die den Erfolg unbedingt will.

In der es aber auch einen Konkurrenzkampf untereinander gibt?
Natürlich. Wenn man in der Champions League bestehen will, benötigt man aber einen breiten und hochwertigen Kader. In dem alle Positionen doppelt und teils dreifach besetzt sind. Daraus entsteht Konkurrenz.

Champions League ist ein Stichwort. Derzeit muss der Fan, um die Spiele in der Königsklasse zu verfolgen (und gegebenenfalls die des SCM dort in der nächsten Saison), ein weiteres gesondertes TV-Abonnement abschließen. Nun werden 2023 die nationalen TV-Rechte neu vergeben. Sie sind Mitglied im Führungsgremium der Handball-Bundesligavereinigung HBL, wo-rauf muss sich der Zuschauer eventuell demnächst einstellen? Zumal mit dem Streamingdienst von Ex-DFL-Chef Christian Seifert ein neuer Player auf der Spielfläche erschienen ist, der sich vor allem um die großen Mannschaftssportarten hinter dem Fußball bemüht.

Der Markt ist in Bewegung, das ist richtig. Wir als HBL arbeiten seit fünf Jahren mit Sky zusammen und sind, das sage ich auch aus Magdeburger Sicht, mit dem Zusammenwirken sehr zufrieden. Sie haben auch während Corona alle Partien übertragen. Das war mit ein Schlüssel dafür, warum wir alle in der Liga die Pandemie überleben konnten. Weil wir präsent waren. Natürlich hören wir uns andere Angebote an. Eine Arbeitsgruppe der HBL sondiert derzeit die Lage, prüft die Offerten. Wichtig erscheint mir vor allem eines: Es sollte eine Bündelung des Angebots, eventuell auch des europäischen, komplett bei einem Partner geben. Das würde Synergien ergeben, außerdem wären die Terminpläne besser abzustimmen. Es geht beim Handball im TV zuerst also um Qualität, weiter alle Spiele zu übertragen und um Konsumentenfreundlichkeit. Das Thema Wirtschaftlichkeit ist dabei zunächst nachgelagert.
Fragen: Rudi Bartlitz

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