Auf der Spur geraubter Kunstwerke

Es ist sicherlich kein Zufall, dass gerade jetzt eine neue Datenbank online gestellt worden ist, die bei der Suche nach geraubten Kulturgütern helfen soll. Das Thema Nationalsozialismus steht auf der Tagesordnung u. a. wegen der Jahrestage der KZ-Befreiungen, wie Auschwitz vor 75 Jahren. Nach all der Zeit gibt es noch immer ungeklärte Fragen darüber, wo von den Nazis geraubte Kunst verblieben ist. Um die Provenienzsuche (nach Kunst mit ungeklärten früheren Besitzverhältnissen) voranzubringen, startete das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste  am 23. Januar die bundesweit umfassendste Forschungs-Datenbank Proveana.

Über Proveana sind zunächst die Ergebnisse der bisher von der Stiftung und zuvor von der „Arbeitsstelle für Provenienzforschung“ geförderten Forschungsprojekte sowie Daten und Berichte zur Provenienzrecherche im Fall Gurlitt recherchierbar. Kulturstaatsministerin Monika Grütters bezeichnete den Start als „Meilenstein in der Provenienzforschung“. Transparenz und vor allem die Vernetzung unzähliger Forschungserkenntnisse werden gestärkt. „Das ist ein großer Fortschritt für die Aufarbeitung des nationalsozialistischen Kulturgutraubes. Die mit Proveana verbesserte Wissensbasis ist ein Gewinn für die Wissenschaft und die Forschungsarbeit in Museen und Sammlungen, in Bibliotheken und Archiven sowie für viele Provenienzforscher. Proveana wendet sich zudem an die vom Kulturgutraub Betroffenen und deren Nachfahren. Es ist damit ein weiteres unmittelbares Angebot für all diejenigen, denen auch weiterhin unsere ganze Aufmerksamkeit und all unsere Anstrengungen gelten müssen – für die Opfer des nationalsozialistischen Kulturgutraubes und ihre Familien.“

Die Datenbank ist als stetig wachsende Unternehmung konzipiert: Sie wird von einem Redaktionsteam ständig mit neuen Informationen gefüllt und aktualisiert. Das neue Angebot widmet sich inhaltlich vier Aspekten und versammelt Forschungsergebnisse aus den von der Stiftung geförderten vier Bereichen: NS-Raubgut, Kriegsverlus- te, Kulturgutentziehungen in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR sowie Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Kulturgutentzug zwischen 1933 und 1945. Proveana bietet Informationen über Personen, Institutionen und Ereignisse, über Sammlungen und Objekte. Dazu kommen weiterführende Quellen, Archivalien, Literatur und digitale Angebote. „Proveana soll eine Roadmap werden für Forscher und Interessierte“, so der wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, Gilbert Lupfer. „Die Datenbank soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, aber auch Betroffenen offen stehen für ihre eigenen Recherchen.“

Die Idee dahinter: Proveana fasst zusammen und durchleuchtet, was in der geförderten Provenienzforschung seit 2008 zusammengetragen wurde. Sie bündelt Forschung, macht Resultate leichter handhabbar und gibt tiefe Einblicke. Proveana erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll wachsen und sich verzweigen, die Erträge der Provenienzforschung transparent und besser nutzbar machen. Proveana, so Lupfer, soll „neue Verbindungen herstellen, Möglichkeiten und Wege aufzeigen, Interessierten und Forschern neue Ressourcen eröffnen und sie in ihrer Arbeit unterstützen. Dahinter steht immer unser Anspruch, zu Lösungen beizutragen, die im Sinne der Opfer von Kunstraub und Kulturgutentzug sind.“ Proveana erlaubt auch den Zugriff auf Informationen der ebenfalls vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste betriebenen Lost Art-Datenbank. Diese erfasst vor allem Kulturgüter, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft insbesondere jüdischen Eigentümern verfolgungsbedingt entzogen wurden. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg ist eine 2015 vom Bund, den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden gegründete Stiftung. Es ist national und international der zentrale Ansprechpartner zu Fragen unrechtmäßiger Entziehungen von Kulturgut, das sich heute in Sammlungen deutscher kulturgutbewahrender Einrichtungen befindet. Das Hauptaugenmerk des Zentrums gilt hierbei dem im Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgut insbesondere aus jüdischem Besitz. Das Zentrum versteht seine Arbeit als wichtigen Beitrag zur Wiedergutmachung erlittenen Unrechts.

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