Dienstag, November 29, 2022

Aus der zweiten Reihe nach vorn

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Wie Volker Brands Supermärkte und die Magdeburger REWE-Kaufmannschaft den Sportvereinen der Stadt unter die Arme greifen.

Wer Volker Brand treffen will, tut dies am besten, wenn er sich unter die Kunden einer seiner beiden Magdeburger REWE-Märkte mischt. Dort, im Trubel schier endloser Regalreihen oder entlang der Kühlstrecken, ist der Chef bestimmt irgendwo anzutreffen. Entweder im fachlichen Disput mit einem seiner Mitarbeiter – oder er inspiziert und kontrolliert mit Argusaugen die Präsentation des Angebots. „Ja“, bekennt der 43-Jährige, „da bin ich richtiggehend detailverliebt. Es soll ja alles stimmen. Da sind auch Kleinigkeiten wichtig. Vom Schreibtisch aus ist das nicht zu machen. Und wenn es sein muss, lege ich beim Auspacken der Waren selbstverständlich mit Hand an.“ Ein Kaufmann, das ist nach wenigen Minuten zu spüren, der seinen Beruf aus und mit Leidenschaft betreibt.

Aber ebenso einer, der als geschäftsführender Gesellschafter nicht nur seine beiden Großmärkte in der Albert-Vater-Straße und in Reform im Blick hat. Sondern einer, der gemeinsam mit einem Dutzend anderer REWE-Kaufleute der Stadt und aus deren Umfeld ein Herz für den Magdeburger Sport besitzt. „Wir REWE-Händler haben uns vor geraumer Zeit zusammengetan und versuchen als Gruppe“, erzählt er im KOMPAKT-Gespräch, „sowohl den Hochleistungs- als auch den Nachwuchssport in der Landeshauptstadt finanziell zu unterstützen. So gut wir können.“ Auch aus dem Wissen heraus, fügt er hinzu, dass der Sport viele Dinge, die für die Leibesübungen notwendig sind, wirtschaftlich allein kaum stemmen könnte. Das Motiv dafür liegt für ihn eigentlich auf der Hand: „Wir wollen der Stadt, in der wir tätig sind und unserem Geschäft nachgehen, etwas zurückgeben. Und einbringen.“ Brand und seine REWE-Kollegen sind zudem der lebende Beweis dafür, dass nicht nur Großunternehmen wie Wobau, Sparkasse oder Stadtwerke, die es sich aufgrund ihrer beträchtlichen Umsätze eher leisten können, in dieser Stadt etwas für den Sport tun. Sondern eben auch die kleineren, die aus der vermeintlich zweiten Reihe.

Bei beiden Vorzeigeklubs der Landeshauptstadt, den Bundesliga-Handballern des SC Magdeburg und dem Fußball-Zweitligisten 1. FC Magdeburg, steht die REWE-Kaufmannschaft – dank ihrer gebündelten Kräfte – auf der Sponsorenliste allerdings mittlerweile schon ziemlich weit oben. Bei den Grün-Roten firmieren sie als Exklusiv-Partner. Die bei Heimspielen in der Getec-Arena durchgeführte Wahl des „Man of the Match“ wird von ihnen unterstützt. Bei den Blau-Weißen sind die Handelsleute Gold-Partner. In der MDCC-Arena trägt überdies der Familienblock seit zwei Jahren ihren Namen. Es war vor zwei Jahren auch Brands Idee, zusammen mit dem FCM ein Sticker-Album – ähnlich den Panini-Sammelbänden – mit den Bildern der Magdeburger Spieler herauszubringen, die dann exklusiv in seinen Shops zu haben sind. Doch es sind nicht nur die Großen, denen Brand mit seinen Märkten unter die Arme greift. „Wir sponsern auch eine Fußball-Kindermannschaft beim MSV Börde, die Boxschmiede Magdeburg sowie die Basketballer des SBB Wolmirstedt.“

Nun ist Brand keiner, der das Thema Sport nur unter dem Stichwort „Sponsoring“ über die Geschäftsunterlagen seiner Märkte verfolgt. „Wie fast jeder Junge habe ich als Kind Fußball gespielt, in Groß-Ammensleben damals.“ Das runde Leder fesselt ihn auch heute noch am meisten, selbst wenn inzwischen andere Sportarten hinzugekommen sind. „Ich halte mich mit Joggen fit. Das muss bei dem harten Job sein“, sagt er und verrät ein ehrgeiziges Ziel: „Ich möchte einmal einen Marathon bestreiten.“ Aber auch an Squash und Kraftsport hat er inzwischen zunehmend Gefallen gefunden.“ Und dann noch etwas: „Ich bin begeisterter Angler – wenn das als Sport denn durchgeht.“ Geht.

Auf die Frage, was er denn von den Partnern als Gegenleistung für sein Sponsoring erwarte, kommt von dem gelernten Einzelhandelskaufmann – der mit 21 einer der jüngsten Marktleiter im Land war und mit 27 den Schritt in die Selbständigkeit wagte – zunächst ein fragender Blick zurück. Wie das denn zu verstehen sei? Nach kurzem Nachdenken meint er, ein direktes Eins-zu-Eins-Aufwiegen strebe er nicht an: „Wir wollen einfach dort sein, wo unsere Kunden sind. Wir wollen gesehen werden, in den Sportarenen für unsere Märkte und deren Angebote werben.“Wenn es, wie in diesen Tagen und Wochen, darum geht, ob die angesichts explodierender Preise und Energiekosten immer stärker um sich greifende wirtschaftliche Instabilität in Deutschland auf das Sport-Sponsoring durchschlage, zieht Brand, der Verantwortung für 110 Mitarbeiter trägt, kritisch die Augenbrauen hoch. „Ganz ausschließen kann und will ich das nicht“, erklärt er. „Augenblicklich ist ganz schön Dampf drauf. Viele Betriebe stoßen wegen der in den Himmel schießenden Energie- und Rohstoffpreise an ihre Grenzen, nicht wenige bangen sogar um ihre Existenz. Für mein Unternehmen kann ich sagen, wir werden den Sport weiter fördern. Über unser Engagement werden wir jedoch, Stand jetzt, Jahr für Jahr neu zu entscheiden haben.“

Die REWE Group

Im Jahr 1927 schlossen sich 17 westdeutsche Einkaufsgenossenschaften zum sogenannten „Revisionsverband der Westkaufgenossenschaften“ zusammen. Aus den jeweils beiden Anfangsbuchstaben entstand die später bekannte Kurzformel REWE. Später schlossen sich Genossenschaften aus Mitteldeutschland an. Heute ist REWE ein genossenschaftlich handelndes Unternehmen der Handels- und Touristikbranche (DER, ITS), das eigenen Angaben zufolge täglich von zwölf Millionen Kunden genutzt wird. Sitz seiner Zentrale ist Köln. In 21 Ländern Europas ist REWE mit seinen 15.550 Märkten und Reisebüros – stationär und online – präsent. Größtes Kerngeschäftsfeld ist der Lebensmitteleinzelhandel. In Deutschland werden durch ihn über 70 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. 2021 betrug der Gesamtumsatz der REWE Group, zu der auch die Discount-Märkte Penny zählen, 76.4 Milliarden Euro. Rund 380.000 Beschäftigte sind in der Unternehmensgruppe tätig. Im Sportsponsoring trägt das Final-Four-Turnier um den deutschen Handballpokal, das nach über zehn Jahren in Hamburg 2023 erstmals in die 19.500 Zuschauer fassende Lanxess-Arena nach Köln wandert, den Namen REWE. In der Fußball-Bundesliga sponsert das Unternehmen den 1. FC Köln und Union Berlin.

Text: Rudi Bartlitz, Seite 38, Kompakt Zeitung Nr. 219

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