Axel Römer: Urlaub, wie ich ihn immer schon wollte

Mein Urlaub wird in diesem Jahr anders sein. Ihrer vielleicht auch. Schließlich sind Fernreisen in weite Ferne gerückt. Ich habe gar nicht so ein ausgeprägtes Fernweh. Deshalb breche ich selten zu entfernten Ländern auf. Aber mit dem möglichen Menschengetümmel an Ost- und Nordsee möchte ich in diesem Jahre ebenso wenig liebäugeln. Ich mag das Meer und ganz besonders die Ostsee, die Badeorte auf dem Darß, die Rügener Strände und die Kaiserbäder auf Usedom. Wie oft habe ich mir eigentlich schon eine Entdeckungsreise durch Deutschland vorgenommen, aber selten genug realisiert.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, liebe Leserinnen und Leser, ich war schon in so vielen deutschen Städten und Regionen, dass ich sie niemals alle zusammentragen könnte. Irgendein Örtchen würde ich am Ende doch vergessen. Aber zwischen diesen zahlreichen besuchten Flecken exis-tieren noch enorm viele weiße Flächen. Auf der Autobahn lese ich während einer Fahrt so viele Ortsnamen. Ich fahre daran vorbei, denke manchmal, wie es da wohl so sei. Und mit diesen Gedanken sind schon die nächsten Namen an mir vorgerauscht.

Ich werde in diesem Jahr einfach mal drauflosfahren. Nicht drei Wochen am Stück, sondern ein paar Tage nach Westen steuern, ein paar andere nach Süden, für ein Wochenende nach Ost und vielleicht auch einfach ein wenig kreuz und quer. Ich bin gespannt, wohin es mich treibt. Vielleicht waren Sie noch nie in der „Sabinchenstadt“ Treuenbrietzen. Das ist ein Örtchen mit gut 7.000 Einwohnern im Landkreis Potsdam-Mittelmark am Rande des Flämings. Die Kleinstadt besitzt einen sehenswerten historischen Stadtkern. Ich war schon da, aber in vielen anderen solchen Orten war ich noch nicht. Genau dort möchte ich Station machen, etwas über die Geschichte dieser Gegenden erfahren. Meistens sind die Erzählungen über die Vergangenheit dieser Landstriche wie kleine Puzzlesteine. Irgendeines dieser Teile fügt sich in mein Geschichtswissen, und das Bild über das Gestern, dem unsere Vorfahren und letztlich wir selbst entstiegen sind, wird ein wenig deutlicher und größer.

Ich glaube, solche kleinen Reisen tun mir gut, sie bereichern mein Gefühl für die Heimat und ich trage ein wenig Geld an andere Orte. Das wird den Gastwirten und Museen sicher nicht zum Schaden sein. Bestimmt komme ich mit anderen ins Gespräch, mit Einheimischen oder Fremden, die sich aus irgendwelchen Gründen dort niedergelassen hatten. Wenn sie mir etwas über sich und ihre Wurzeln erzählen, kann ich ihnen sicher etwas über meine Heimat berichten. Und wenn sie noch nie in Magdeburg waren, werden sie vielleicht ein wenig neugieriger auf die Domstadt an der Elbe. Jeder ist ja gewissermaßen Botschafter für die eigene Herkunftsscholle.
Genauso will ich es in diesem Jahr machen. Wenn Sie Ähnliches vorhaben und Entdeckungen in Deutschland machen, schreiben Sie ruhig etwas auf. Wir könnten daraus eine Serie machen, einen kleinen Reiseerlebnisatlas, der in der KOMPAKT ZEITUNG abgedruckt wird. Natürlich müssen Sie auch gar nichts tun, sondern nur sehen, hören und staunen. Ich wünsche Ihnen jedenfalls einen ereignisreichen Sommer mit vielen Reisefarbtupfern auf der deutschen Landkarte.

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