Donnerstag, Januar 20, 2022
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„Bleibt gesund und treibt Sport!“

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Sachsen-Anhalts neue Sportministerin Tamara Zieschang plädiert im KOMPAKT-Interview dafür, trotz der Pandemie-Zuspitzung sportliche Betätigung auf jeden Fall weiter zu ermöglichen.

Seit nunmehr fast zwei Jahren hat Corona alles im Griff, ist das beherrschende Thema. Auch für den Sport. Nach den vielen bitteren Erfahrungen, die er während des Lockdowns machen musste, als vieles zum Stillstand kam und Mitglieder verloren wurden, sieht er sich derzeit veranlasst, von der Politik eine Sport- und Bewegungsgarantie zu fordern. Wie stellt sich für Sie derzeit die Situation in Sachsen-Anhalt dar?
Dr. Tamara Zieschang: Ja, auch der Sport und das Sporttreiben haben gelitten. Für mich ist es deshalb erst einmal ein zentrales Anliegen, sportliche Betätigungen auch während der Pandemie, soweit wie irgend möglich, zu ermöglichen. Wir haben uns die letzten zwei Jahre immer verabschiedet mit den Worten „Bleibt gesund!“. Ich hoffe, dass wir es hinkriegen und künftig sagen: „Bleibt gesund und treibt Sport!“

Um dies zu erreichen, welcher Weg schwebt Ihnen da vor?
Bei den Diskussionen um Eindämmungsverordnungen setze ich mich dafür ein, dass wir zwischen Sport draußen und drinnen unterscheiden. Wir wissen, dass das Ansteckungsrisiko draußen gering ist. Deshalb möchte ich Sport im Freien ermöglichen, auch Mannschaftssport. Was den Sport drinnen betrifft, sind angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens wieder schärfere Vorkehrungen erforderlich. Insgesamt ist es mir wichtig, dass vor allem Kinder und Jugendliche weiter in den Vereinen Sport treiben können.

In ihrem Koalitionsvertrag hat sich die neue Bundesregierung dafür ausgesprochen, eine Offensive für Investitionen in Sportstätten von Kommunen und Vereinen zu starten, insbesondere in Schwimmbäder. Wie ist da derzeit die Situation in Sachsen-Anhalt?
Das Land hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Mittel für die Sanierung und den Neubau von Sportstätten bereitgestellt. Es besteht aber noch immer ein hoher Sanierungsbedarf. Allein bei Schwimmbädern liegt der Sanierungsbedarf nach einer Umfrage des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2019 bei rd. 147 Millionen Euro. Der aktuelle Koalitionsvertrag auf Bundesebene hebt die Schwimmbäder als einen Förderschwerpunkt für die kommende Legislaturperiode hervor. Wir werden die neue Bundesregierung hier gerne beim Wort nehmen.

In welchen Dimensionen bewegt sich generell die Förderung des Sportstättenbaus in Sachsen-Anhalt?
In den vergangenen Jahren konnten wir den Sportstättenbau im Land substanziell stärken. Während in den Jahren 2011 bis 2015 rund 13,2 Millionen Euro für 279 Sportstättenprojekte bewilligt werden konnten, waren das von 2016 bis heute insgesamt 406 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von über 52,5 Millionen Euro. Mit diesen Mitteln wurden 51 kommunale Maßnahmen und 355 Vereinsmaßnahmen gefördert. Zusätzlich wurden in den Jahren 2019 und 2020 zwei Sonderprogramme zum Sportstättenbau mit einem Gesamtvolumen von mehr als 3,2 Millionen Euro aufgelegt. Insgesamt wurden im Rahmen dieser Sonderprogramme 95 Vorhaben für das Jahr 2019 und 32 Vorhaben für das Jahr 2020 bewilligt. Für diese 127 Maßnahmen bis zu einem Förderumfang von 50.000 Euro hat das Land bis zu 100 Prozent der Kosten übernommen.
Und wie sieht es mit zusätzlichen Hilfen in der Corona-Zeit aus?
Die Landesregierung hat den Sportvereinen als Corona-Hilfe im vorigen Jahr 4,5 Millionen Euro als Pauschalförderung zur Verfügung gestellt. Als Ausgleich, weil die Vereine unter den Corona-Eindämmungsmaßnahmen sehr gelitten haben. Das zeigt sich schon allein daran, dass der organisierte Sport in Sachsen-Anhalt im Jahr 2020 rund 10.000 Mitglieder verloren hat. 6.000 davon waren Kinder und Jugendliche. Zahlen für 2021 liegen noch nicht vor. Weniger Mitglieder bedeutet für die Vereine auch weniger Beiträge. So manchem Verein rutscht da auch die finanzielle Basis weg.

Die Pandemie hat uns unvermindert im Griff. Können die Vereine auch weiterhin mit finanzieller Unterstützung des Landes rechnen?
Im Rahmen des Corona-Sondervermögens planen wir für dieses Jahr ein weiteres Programm mit dem Namen „Neustart Sport 2022 – Sachsen-Anhalt in Bewegung“. Dafür haben wir 4,4 Millionen Euro eingeplant. Vier Millionen davon sollen unbürokratisch an die Vereine gehen. Unsere Überlegungen laufen dabei auf 10 Euro pro Erwachsenen und 15 Euro pro Kind und Jugendlichen hinaus. Da viele Vereine auch Trainer und Übungsleiter verloren haben, wollen wir auf diesem Sektor ebenfalls helfen, beispielsweise mit Pauschalen für neue Übungsleiter-Lizenzen. Zudem wollen wir durch finanzielle Anreize die Vereine animieren, verlorene Mitglieder zurückzugewinnen und neue zu gewinnen.

Ein klares Prä für den Breitensport also?
Der Vereins- und Breitensport ist von immenser Bedeutung für unsere Gesellschaft. Über ihn erreichen wir viele Menschen und regen sie an, Sport zu treiben, soziales Miteinander zu pflegen. Das gilt auch generationenübergreifend. Hier wird sozialer Zusammenhalt geschaffen und gelebt, den wir viel dringender brauchen, als wir das manchmal annehmen. Vereins- und Breitensport federt sehr vieles ab.

Seit Ihrer Berufung ins Kabinett Haseloff im September 2021 zeichnen Sie – neben dem Bereich des Inneren – für die Leibesübungen im Land verantwortlich. Wie steht es denn mit eigenen Aktivitäten der Sport-Ministerin?
Ich bin Tennisspielerin, von Jugend an. Bis zum Abitur bestritt ich in meiner damaligen Heimatstadt Lingen regelmäßig Punktspiele. Und 2016 habe ich in Magdeburg beim TC Rotehorn freundliche Aufnahme gefunden. Mit der Damen40-Mannschaft spielen wir in der Landesoberliga. In meiner Kieler Zeit (zwischen 2009 und 2012 als Staatssekretärin im dortigen Wirtschaftsministerium, d. Red.) habe ich meine Segelkenntnisse vertieft und Segelscheine gemacht. Seitdem begeistert mich besonders das Hochseesegeln. Der nächste Törn für den Sommerurlaub ist bereits geplant …

Und wie sieht es sonst mit dem Sportkonsum aus, zum Beispiel im TV?
Früher habe ich stundenlang die großen Duelle von John McEnroe oder Björn Borg und später die von Boris Becker im Fernsehen gesehen. Nach Boris Beckers Wimbledon-Sieg erlebte Tennis in Deutschland ja einen regelrechten Boom, nahezu in jedem Dorf entstand, übertrieben gesagt, ein neuer Platz. Aber ansonsten gilt für mich: Ich treibe lieber selbst aktiv Sport, als dass ich ihn passiv gucke.
Womit wir, über einen kleinen Umweg, beim Hochleistungssport wären. In Deutschland weist die Entwicklungslinie, wie die Sommerspiele in diesem Jahr in Tokio deutlich belegen, derzeit eher nach unten. Wo sehen Sie dabei Sachsen-Anhalt, das sich ja gern selbst auch als Sportland bezeichnet?
Wenn ich allein das Abschneiden bei den Olympischen Sommerspielen heranziehe, sieht es für unser Bundesland, verglichen mit anderen, gar nicht schlecht aus. Immerhin haben drei Athleten insgesamt vier Medaillen aus Japan mitgebracht. Der Magdeburger Bundesstützpunkt Schwimmen ist der erfolgreichste in ganz Deutschland. Natürlich freuen wir uns über jeden internationalen Erfolg unserer Top-Athleten, auch weil wir wissen, dass es immer schwieriger wird, sich in der Weltspitze zu behaupten. Für uns sind diese Top-Sportler gleichzeitig Aushängeschilder fürs Land, echte Vorbilder für Kinder und Jugendliche. Ihnen wird nachgeeifert – und es ist doch noch etwas ganz anderes, eine ganz andere Nähe, wenn derartige Vorbilder aus dem eigenen Verein oder zumindest aus dem eigenen Land kommen.

Nun hat die neue Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, den Hochleis-tungssport mehr und besser fördern zu wollen. Was erwarten Sie künftig vom Bund?
Wir werden jedenfalls auf den Bund zugehen und ihn beim Wort nehmen. Dazu gehört ebenso eine weitere Förderung jener Athletinnen und Athleten, die am Olympiastützpunkt Sachsen-Anhalt in Magdeburg und Halle trainieren. Wir erwarten vom Bund dafür auf jeden Fall eine bessere finanzielle Ausstattung. Da muss vom Bund eine Schippe draufgelegt werden.

Der nächste olympische Höhepunkt steht unmittelbar bevor: Anfang Februar beginnen in Peking die Winterspiele. Obwohl kein klassisches Wintersportland, werden Sachsen-Anhalts Farben auch dort vertreten sein.
Ja, ich freue mich, dass wir seinerzeit sieben Sportlerinnen und Sportler in unser „Team Peking“ berufen konnten. Schon bei den letzten Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang hatten wir mit Thorsten Margis vom SV Halle einen Doppelolympiasieger im Bobsport. Mit der im Sommer in Magdeburg fertiggestellten Anschubstrecke für die Bobfahrer haben wir die Trainingsmöglichkeiten für diese Sportart weiter verbessert und zukunftssicher gemacht. Auch der Rodler Toni Eggert vom BRC Ilsenburg hatte in Pyeongchang die Bronzemedaille im Doppelsitzer gewonnen. Die Ergebnisse der bisherigen Saison im Bob und Rodeln stimmen mich zuversichtlich, dass Sportler aus Vereinen Sachsen-Anhalts auch bei den Olympischen Winterspielen in Peking dabei sein werden.

Was erwarten Sie? Zumal ja mit den beiden Bob-Anschiebern Thorsten Margis und Alexander Schüller sowie Rennrodler Toni Eggert durchaus wieder Medaillenkandidaten dabei sind.
Denen, die sich für Peking letztlich qualifizieren, drücke ich im Namen der Landesregierung fest die Daumen. Ich wünsche ihnen vor allem, dass sie für die olympischen Herausforderungen unter den derzeit schwierigen Pandemie-Bedingungen gesund und verletzungsfrei bleiben. Mit Prognosen und Erwartungen halte ich mich zurück. Lassen wir uns überraschen …
Fragen: Rudi Bartlitz

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