Donnerstag, Juni 30, 2022
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Zeitreise Breiter Weg 203

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Seit dem Mittelalter prägen das Antlitz des Breiten Weges auch zahlreiche Kirchen und Sakralbauten. Zwischen dem Breiten Weg 202 und 203 befand sich bis 1562 ein Dominikanerkloster. Bereits seit 1224 – neun Jahre nach der Gründung des Ordens – waren die Dominikaner bereits in Magdeburg. Sie errichteten ein Konventsgebäude und eine Klosterkirche auf dem ihnen zur Verfügung gestellten Grundstück an der Westseite des Breiten Wegs, unweit Stiftskirche St. Sebastian und Domplatz. Ab dem 13. Jahrhundert stand das Kloster in voller Blüte und entfaltete eine geistige Strahlkraft. Neben Erfurt erfolgte hier das „studium generale“ der sächsischen Dominikanerprovinz. Unter seinem Einfluss stand auch das Beginenkloster, dem Mechthild von Magdeburg über 30 Jahre angehörte. Hier im Dominikanerkloster wohnte der Ablassprediger Johann Tetzel († 1519) während seiner Aufenthalte in der Stadt. Im Zuge der Reformation leisteten das Dominikanerkloster und andere Stifte und Klöster der Stadt Widerstand, wurden aber in den folgenden Jahren aufgelöst. Die letzten drei Dominikaner verließen vermutlich 1562 die Stadt. Nach der Auflösung des Dominikanerklosters wurden Kirche und Konventsgebäude profan genutzt. Hier wurde zum Beispiel 1573 eine Kirchenglocke für den Dom gegossen. Zerstört im Dreißigjährigen Krieg kaufte es Kurfürst Friedrich III. 1698 dem Domkapitel auf seine Kosten ab und errichtete einen Kirchenbau für die Deutsch-reformierte Gemeinde. Die Einweihung der St.-Pauli-Kirche fand am 28. Januar 1700, dem Sonntag Septuagesimä, satt. 1890 erfolgte der Verkauf an die Reichspost, die sie abriss und an ihrer Stelle ein repräsentatives Hauptpostamt im historistischen Stil der Zeit errichtete. Die Portale der Kirche wurden nach dem Abriss wiederverwendet und befinden sich heute an den Häusern Max-Josef-Metzger-Straße 13 und am Dom 2-3.

Weiße Flotte schippert wieder über die Elbe

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Durch den leicht ansteigenden Pegel der Elbe können die Fahrgastschiffe der Weißen Flotte Magdeburg wieder über die Elbe fahren.

Ab Donnerstag, den 30. Juni legen die Fahrgastschiffe der Weißen Flotte wieder am Petriförder ab und starten zu Ausflügen über die Elbe.

Aufgrund von Niedrigwasser musste die Ausflugsschifffahrt in der vergangenen Woche vorübergehend eingestellt werden.

Ausführliche Informationen gibt es unter www.weisseflotte-magdeburg.de

Weitere Großbetonage und Stahlteile für die Pylonbrücke

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Am Donnerstag, dem 30. Juni 2022, werden für das Fundament des Fluss-Pfeilers der neuen Pylonbrücke rund 700 Kubikmeter Beton zur Baustelle transportiert. Voraussichtlich von 5.00 Uhr bis 22.00 Uhr werden die Fahrmischer das Baumaterial zum Ostufer der Alten Elbe bringen. Zudem wird zum Wochenende erneut ein Schwerlastkran auf dem Überbau der Pylonbrücke aufgebaut, um weitere tonnenschwere Teile des sogenannten zweiten Schusses für den Freivorbau einzuheben.

Für die Großbetonage werden neben den Fahrmischern auch wieder Betonpumpen, Verdichtungs- und Glättgeräte sowie ein Turmdrehkran im Einsatz sein. Anwohner*innen werden erneut um Verständnis gebeten. Allen Verkehrsteilnehmenden wird in der Zeit der Weg über den Nordbrückenzug empfohlen.

Silicon Junction: Neue Stabsstelle nimmt Arbeit auf

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Magdeburg. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze hat den offiziellen Startschuss für „Silicon Junction“ gegeben: Die neue Stabsstelle ist Teil des Ministeriums für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt. Mit sieben Mitarbeitern koordiniert der Arbeitsbereich den Aufbau der Infrastruktur rund um die Ansiedlung des US-Halbleiterkonzerns Intel in Magdeburg. Wirtschaftsminister Sven Schulze sagt: „Sachsen-Anhalt soll das Herz der europäischen Halbleiterindustrie werden. Für dieses große Ziel bündeln wir unsere Kräfte: ‚Silicon Junction‘ bildet dabei die Schaltzentrale der Landesregierung bei allen Aktivitäten rund um die erfolgreiche Intel-Ansiedlung in Magdeburg. Gemeinsam mit der Staatskanzlei und den Kommunen arbeitet mein Ministerium an optimalen Bedingungen für die Ansiedlung des Großkonzerns und die Entwicklung des Hightech-Parks“, so Minister Schulze weiter.

„Silicon Junction“ begleitet alle Aktivitäten rund um den Bau der Produktionsstätten. Zudem wird die Stabsstelle gemeinsam mit dem „Project Management Office“ der Staatskanzlei die Entwicklung und den Aufbau eines Technologie- und Startup-Ökosystems vorantreiben. Der neue Bereich arbeitet eng mit den Fachreferaten des Wirtschaftsministeriums, den Landesgesellschaften sowie Institutionen wie der Investitionsbank (IB) und dem Landesverwaltungsamt (LVwA) Sachsen-Anhalt zusammen. „Die Schlagkraft, die wir im Schulterschluss mit den Gemeinden – der Stadt Magdeburg, dem Landkreis Börde, der Gemeinde Sülzetal und der Stadt Wanzleben – für den Hightech-Park gewinnen, erlaubt uns effizientere Entscheidungen beim Ausbau der Region zu einem Impulsgeber für viele Branchen“, so Stabsstellen-Leiter Dr. Alexander Goebel.

„Silicon Junction“ ist zugleich Bindeglied zum in der Staatskanzlei angesiedelten „Project Management Office“ um Staatssekretär Dr. Jürgen Ude. „In der Zusammenarbeit von Staatskanzlei und Wirtschaftsministerium nutzen wir konsequent die Stärken beider Häuser und damit zahlreiche Synergieeffekte bei der Umsetzung. Insbesondere die Zusammenarbeit und Abstimmung der einzelnen Ressorts auf Landesebene können wir aus der Staatskanzlei bestmöglich koordinieren“, so Staatssekretär Dr. Ude. (eb)

Zeugenaufruf nach versuchter gefährlicher Körperverletzung in Magdeburg

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Am Montag, d. 27.06.2022 soll es in der Lübecker Straße zu einer versuchten gefährlichen Körperverletzung gekommen sein. Die Polizei sucht Zeugen.

Eine 60-jährige Magdeburgerin soll sich am Montagabend in der Lübecker Straße auf Höhe der Haltestelle „Klosterwuhne“ aufgehalten haben und dort Passanten bepöbelt und bedroht haben.
Gegen 21:45 Uhr soll die Beschuldigte versucht haben, mit einem Messer auf einen unbekannten Mann einzustechen. Der unbekannte Geschädigte soll den Angriff durch eine Ausweichbewegung abgewehrt haben und flüchtete daraufhin in unbekannte Richtung.
Durch die Polizei konnte der Magdeburgerin das Messer abgenommen werden. Auf Grund von psychischen Auffälligkeiten wurde die Beschuldigte stationär in die Psychiatrie aufgenommen.
Ein polizeiliches Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet.

Die Polizei sucht den Geschädigten und Zeugen, welche sich zur Tatzeit in der Nähe aufgehalten haben und mögliche Hinweise zum Tathergang geben können.
Zeugen, welche sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich unter 0391/546-3295 im Polizeirevier Magdeburg zu melden. (eb)

Auf der Hubbrücke wird wieder in Weiß diniert

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Die Tradition des „White Brücken Dinner“ wird 2022 endlich fortgesetzt. Der Verein zur Erhaltung der Magdeburger Hubbrücke hat in den vergangenen Jahren enormes geleistet, um die Brücke wieder für alle nutzbar zu machen. Es sind bisher reichlich 200.000 Euro in den Erhalt der Brücke geflossen – viele Magdeburger Bürger haben ihren Beitrag dazu in Form einer Spende und den Besitz einer Holzbohle geleistet. Auch die zahlreichen Aluminiumschilder am Geländer der Brücke zeugen davon, dass den Magdeburgern nicht egal ist, was mit der Brücke passiert.

Wann? Sonntag, 10. Juli 2022 von 14:00 bis 18:00 Uhr

Das „White Brücken Dinner“ wird in diesem Jahr zum achten Mal stattfinden. Jeder Gast muss 20 Euro dafür bezahlen, dass er auf einer Bierzeltgarnitur sitzen darf und sich sein Essen auch noch selber mitbringen muss. Dazu müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer natürlich komplett in weiß erscheinen. Eine Ausnahme ist nur für die Schuhe erlaubt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Konzept sehr gut angenommen wird und die Mehrzahl der Gäste hat sich große Mühe gegeben, um den schönsten Tisch zu decken. Dieser wird prämiert und im darauffolgenden Jahr bekommen die dafür verantwortlichen Gäste den Tisch geschenkt.
Der Erlös des „White Brücken Dinner“ wird wie immer in den Erhalt der Brücke gesteckt. Dieses Jahr werden wir allerdings die große Brückenprüfung davon bezahlen müssen. Der Erlös ist relativ klein und so müssen wir wohl auch noch das nächste Jahr nutzen, um diese Rechnung bezahlen zu können. Viele Magdeburger benutzen aber auch die Brücke für kleine Hochzeiten oder für Geburtstage und spenden dafür etwas. Wir haben auch schon einen Weihnachtsmarkt dort veranstaltet, der sehr gut angenommen wurde. Auch diese kleinen Erlöse werden für die Beseitigung des Vandalismus, der immer wieder auf der Brücke stattfindet, bezahlt oder es werden Bohlen ersetzt, die zerstört wurden oder die fehlerhaft sind.

Bis zu 600 Personen passen auf das Hubteil, pandemiebedingt werden es dieses Jahr nur 350 Personen sein um den Sicherheitsabstand von 1,50 Metern zu gewährleisten. Wenn mehr Teilnehmer kommen, dann werden die ersten oben auf dem Hubteil sitzen können und die letzten werden unten auf den Zubringern der Hubbrücke feiern. Aber das hat bisher niemanden gestört, die Stimmung war immer fabelhaft und viele Magdeburger warten sehnsüchtig auf die Fortsetzung dieser schönen Tradition.
Der Verein zur Erhaltung der Magdeburger Hubbrücke freut sich auf rege Teilnahme und einen fantastischen Abend. Wer sich für das „White Brücken Dinner“ interessiert, kann eine Mail an sekretariat@ onnen-onnen.de mit der Angabe der Teilnehmerzahl senden.

Janz schön weiblich

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Juten Tach Kinnings,
unser Dollbräjen jeht stiften. Noch kann man’s ja jar nicht jlooben, dass unser Lutze echt den Hasen machen tut. 21 Joahre war der anner Täte. Zuerst – erinnerste Dir noch? – hatte der nen Ijel inner Tasche. Da hat er Brunnen abjestellt und uffn Ring alle Lichter ausjepustet. Zum Schluss aber hat Trümpi das Jeld schneller ausjeschettert als Elon Mask in Jrünheide. Du weeßt schon: Stadthalle, Hyparschale, Brücke, Tunnel, Stadion, MVB-Jleise …
Hat ihm nicht jeschadet. Außer paar kleene Bruschen von Jensi Rösler, Katrinchen Budde und Holjer Plätzchen hat er sich nicht ville jetan in 21 Joahren. In een poar Monden wern ihm die Machdeburjer een Denkmal bauen: Lutze mit Tunnelblick uffn So-ckel – da kannste dich druff freuen wie uff das Intel-Loro uffe Club-Brust.
Ab 1. Juli kann der Lutze für’n Rest seines Lebens alle Viere jerade sein lassen. Juter Zeitpunkt, denn aktuell tut halb Machdeburch umme liejen. Hasi hat Corona, der erste Machdeburjer Affenpocken, inne Kinderkrippen jeht die Jrippe um und der Rest steht kurz vorm Hitzeschlach. Mit die paar Jesunden kannste inner Urlaubszeit eh nix bekleckern.
Schlau wie unser Lutze schon immer jewesen war, lässt er jenau zum richtijen Zeitpunkt die erste Frau inner Stadtjeschichte anne Täte. Simonchen rickt an: Hazepuppern oder Muffensausen scheint die nicht zu haben. Die letzten Tare siehst du die schon beinahe jeden Tach aus die Zeitung jrinsen. Deutschland macht die Jlubschen uff: So ‘ne Oberbürjermeesterin ham die von Aachen bis Zinnowitz noch nicht jesehen: Unser Simonchen ist immer adrett anjeschmickt und im Flitzkittel uff Achse. Die ist so jut in Jange, dass jeder Oorenuffschlach dafür sorjen tut, dass Machdeburch uffblüht. Da ist Intel een janz kleener Fisch.
Bin mal jespannt, ob’s die ersten Tare ins Rathaus Huddelei jeben tut. Die CDU soll ja schon jedroht ham, unser Blondchen uffe lackierten Finger zu gu-cken, die Kumpaninnen ums SPD-Röslerchen allerdings och. Das erste Weibsbild der Stadtjeschichte uffn Thron – da ham jetzt mal andere die Buxen an. Und jehts nach Simonchen, denn thronen da balle zwee fesche Jirls: Rejina-Dolores Stieler-Hinz (ich nenne die wejen die ihren doppelten Doppelnamen immer RDSH, was bitte nicht zu verwechseln ist mit die „Remote Desktop Session Host“-Technolorie). Also RDSH soll als Bürjermeesterin rechte Hand vons Simonchen wern. Also echt mal, Machdeburch wird janz schön weiblich. Mit Sandra Yvonne Stiejer ist ja schon länger eene da. Und janz abwegig ist nicht, dass noch’n paar dazukommen tun.
Mich ist recht: Soll doch die Welt im Anjesicht unserer schönen Mädels een Klappoore kriejen. Ich hab noch nie jehört, dass mal irjendwer Willi oder Lutze hinterherjeschielt hat. Jede Wette: Das ändert sich. Een bisschen Wehmut jibt’s nur für mich. Wenn Lutze wech is, muss ich mir eenen neuen Haudruff suchen. Ich weeß ja nich, ob verbale Haue uff die OBin schon als Gewalttat ausgelegt werden kann.

Nach drei Wahlperioden und 21 Jahren Amtszeit als Oberbürgermeister verlässt Dr. Lutz Trümper das Rathaus der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt.

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Wie prägt ein Mensch in so langer Zeit das Amt und wie das Amt wiederum einen Menschen?
Ein Porträt über nötigen Pragmatismus, der oft einsam macht.

Von Thomas Wischnewski

Donnerstag, 30. Juni 2022, 14 Uhr: Der bisherige Magdeburger Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper (SPD) übergibt im Otto-von-Guericke-Saal im Alten Rathaus die Amtsgeschäfte an seine Nachfolgerin Simone Borris symbolisch durch Überreichung der Amtskette. Damit ist die Ära Trümper als Verwaltungschef der Stadt abgeschlossen. Das Buch über die vielen Spuren, die sich mit der Person des gebürtigen Oscherslebener verbinden, ist jedoch noch lange nicht geschrieben. Wie kommt man einem Menschen nahe, der meist unnahbar war und wie will man seine Zeit an der Spitze der Stadt im Rahmen eines Zeitungsbeitrages fassen? Beides ist ein schwieriges Unterfangen.

Sich an den wichtigsten Stationen im Lebenslauf des studierten Lehrers für Chemie und Biologie sowie später auf dem Fachgebiet für Physikalische Chemie promovierten Naturwissenschaftlers abzuarbeiten, führt kaum näher an den Menschen heran. Als er bereits Dezernent für Zentrale Klinikumsentwicklung am hiesigen Uniklinikum war, zog Trümper 1994 für die SPD in den Stadtrat ein. Nachdem Lutz Trümper 1998 erneut als ehrenamtlicher Stadtrat für die SPD ins Rathaus eingezogen war, schienen die Weichen für einen Fortgang seiner politischen Karriere schon gestellt. Dr. Reinhard Höppner (SPD) holte Trümper im Mai 2000 als Staatssekretär ins Ministerium für Raumordnung, Landwirtschaft und Umwelt. Im selben Jahr befand sich der 1. FC Magdeburg in einer tiefen Krise, vor allem finanziell. Klaus-Dieter Runge und Hans-Georg Moldenhauer wollten für den Verein jemanden gewinnen, der frei von allen Geschehnissen um Schulden und zweifelhafte Verträge war. Obwohl zunächst der damalige Vorsitzende des Stadtrates Gerhard Heinl (CDU) Präsident des Vereins werden sollte, fiel das Augenmerk auf Lutz Trümper, der eigentlich nur den Bereich der Finanzen im Verein verantworten sollte. Im November 2000 wurde er von der Vereinsversammlung zum Präsidenten gekürt.

Manche behaupteten später, dass die Präsidentschaft das Sprungbrett für die OB-Kandidatur 2001 gewesen sei. Doch dagegen sprechen mehrere Tatsachen. CDU-Mann Gerhard Heinl hätte für den Sozialdemokraten Lutz Trümper sicher niemals Steigbügelhalter sein wollen. Außerdem wollte zu diesem Zeitpunkt der amtierende OB Willi Polte noch einmal selbst antreten. Trümper war damals Kreisvorsitzender der SPD und Polte hatte dann kurzfristig den Rückzug von einer neuen Kandidatur erklärt.

Als sich Lutz Trümper nach gewonnener Stichwahl gegen Hans-Werner Brüning (damals PDS) bei der OB-Wahl durchgesetzt hatte, übernahm er – 45 Jahre alt – am 1. Juli 2001 die Amtsgeschäfte von Willi Polte. Zu dieser Zeit begegnete ihm von vielen Seiten aus Skepsis. Willi Polte hatte elf Jahre lang das Amt mit seiner emotionalen Strahlkraft ausgefüllt. Lutz Trümper erschien wenig mitreißend, eben unnahbar und es eilte ihm das Vorurteil eines technokratischen Verwalters voraus. Tatsächlich ist Lutz Trümper auch heute kein Mensch, der anderen sofort mit Offenherzigkeit oder gar überschwenglichen Gefühlen entgegentritt. Eine kühle Distanz zu wahren, zieht sich wie ein roter Faden durch die vergangenen 20 Jahre. Das mag einigen als ein Mangel erscheinen, dafür kommt eine andere eher vorteilhafte Seite zum Tragen. „Bei aller Präsenz als Oberbürgermeister im politischen Feld und als Chef der Verwaltung war Lutz Trümper ein Mann bördischer Bodenhaftung geblieben und stets frei von selbstdarstellerischen Attitüden.“ Das sagt jedenfalls einer über ihn, den er heute noch als einen seiner wenigen Vertrauten oder gar Freunde bezeichnet. Was vielen vielleicht ebenso wenig bewusst ist, dass Lutz Trümper damals den Tod seiner ersten Frau überwinden musste. Wahrscheinlich hat er dies auch dadurch bewältigt, sich in einen Berg an Arbeit zu stürzen.

Die damaligen Beigeordneten wie beispielsweise Werner Kaleschky oder Dr. Rüdiger Koch waren alle älter als der neue Oberbürgermeister. Während der ersten Sitzung der Beigeordneten mit dem OB – die Runde findet turnusgemäß jeden Dienstagvormittag statt – staunten alle nicht schlecht, als Dr. Trümper zu dem Berg an Drucksachen, die er übers Wochenende durchgearbeitet zu haben schien, immer wieder konkrete Fragen stellte. Der OB hatte sich in alle alktuellen Sachverhalte eingearbeitet. Dieser Auftakt mag ein Indiz für Fleiß sein, allerdings hat Lutz Trümper über die Jahre immer wieder unter Beweis gestellt, dass er mit Fakten zu allen Vorgängen aufwarten konnte. Kaum jemand konnte ihm in Sachen Zahlen, Daten und Fakten bzw. in der Kenntnis über den Verlauf eines Vorhabens das Wasser reichen.

Wer bei Lutz Trümper einen Termin bekommen hatte, aber eher mit wenig Sachkenntnis über das eigene Anliegen aufwarten konnte, dem wurde so schnell kein neues Gespräch mit dem OB eingeräumt. Auch Mitarbeiter aus der Verwaltung schickte Trümper wieder weg, wenn sie mit Ausflüchten auftraten oder keine konkreten Argumente vorbringen konnten. Das klingt vielleicht ein wenig wie das Klischee, der wäre ein „harter Hund“. Doch es zeigt eher einen Hang nach Effizienz und Klarheit. Während einer Klausurtagung des Finanzausschusses zum Kommunalhaushalt – in der Zeit als Lutz Trümper noch ehrenamtlicher Stadtrat war – hatte er rethorische Überflieger, die als Beigeordnete ihr Dezernatsbudget verteidigen wollten, auf den Boden der Haushaltswirklichkeit zurückgeholt. Aus der Analyse der Ist-Situation leitet der Politiker Trümper stets strategische und strukturell-inhaltliche Vorschläge ab. Dies wurde vor allem in den vergangenen zehn Jahren nach außen hin sichtbar. 2013 erlebte Magdeburg eine Flut durch die Elbe wie lange nicht. Lutz Trümper stand an erster Verantwortungsstelle und schulterte auch unbequeme Entscheidungen, bei denen die Abwägungen für größere Schäden getroffen werden mussten. Selbst der damalige Innenminister Holger Stahlknecht war eher nur dann an den Flut-Brennpunkten zu sehen, wenn er selbst keine risikovolle Entscheidung treffen musste. Die meiste Öffentlichkeit auch national bekam Lutz Trümper 2015 als er im November wegen inhaltlicher Differenzen mit der damaligen SPD-Landesvorsitzenden Katrin Budde aus der Partei austrat. Pragmatismus vor Parteidisziplin. Als oben die Verteilung von Flüchtlingen vorgeschrieben wurde, wurde verdrängt, wie das die Kommunen leisten konnten. Trümper wollte nicht, dass die Landesparteispitze das Gesicht verliert und zog seine Konsequenz. Das brachte ihm wachsenden Respekt in der Bürgerschaft ein.
In den folgenden Jahren bestimmten große Bauvorhaben wie die Tunnelbaustelle und der geplante Brückenneubau über die Elbe die Urteile über den Oberbürgermeister. Wegen der Kostensteigerungen flog ihm viel Kritik entgegen. Die Komplexität dahinter, die rechtlichen Hürden sowie die sich ändernden Bau- und Preisbedingungen interessierten Kritiker wenig. Oben ist man immer Schuld, wenn unten etwas anders wird als geplant. Wer Oberbürgermeis-ter ist, ist eben für alles verantwortlich, sogar für solche Sachen, für die er gar nicht verantwortlich sein kann. Egal ob Bundes-, Landes- oder private Zuständigkeiten – an einem in Magdeburg sichtbar gewordenen Missstand muss der OB stets eine Wange mit hinhalten. Während der Verordnungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie war es erneut Lutz Trümper, der rationale Entscheidungen kommunizierte und nicht mit Kritik gegenüber Maßnahmen des Bundes sparte. Ohne diese zurückliegende Krisenkommunikation wären die analytischen Fähigkeiten des Menschen Trümper sicher nie so deutlich ins Licht getreten. Ein Mensch beweist sich in der Krise. Lutz Trümper hat vor dem Hintergrund solcher verantwortungsvollen Krisensituationen Führungsstärke bewiesen und klare Kommunikation gewagt. Vielleicht hätten das andere gleichermaßen gut gekonnt. Aber es waren nun einmal keine anderen da.

Ein anderer ehemaliger Mitarbeiter aus dem Umfeld des scheidenden OBs will wissen, dass Lutz Trümper über die lange Amtszeit wirklich wenig Vertraute zugelassen hat. Das mag einerseits im Kern seiner Persönlichkeit begründet sein, andererseits wirft dieses distanzierte Verhalten ein Licht auf das Arbeitsumfeld Rathaus und politische Gremienarbeit. Als „Schlangengrube“ wurde die höhere Verwaltungs- und Politiksphäre im Rathaus schon bezeichnet. Erleben musste das Lutz Trümper als er ursprünglich noch einmal über eine OB-Kandidatur nachdachte. SPD-Fraktionsstadtratsvorsitzender Jens Rösler und Beigeordneter Holger Platz initiierten eine juristische Prüfung am OB vorbei, ob dies kommunalrechtlich überhaupt möglich oder gar verhindert werden könnte. Zu dieser Zeit, im Jahr 2020, war Trümper bereits wieder Mitglied der SPD.

Aus dem unmittelbaren Umfeld der Verwaltung hört man als Oberbürgermeister kaum Kritik. Da ist man sanft im Umgang, während ehrenamtliche Abgeordnete mit verbaler Prügel im Stadtrat nicht geizen. Dafür wird in den Fluren und Büros umso mehr hinter vor gehaltener Hand getuschelt. Einen angemessenen Spiegel erhält man als Mensch auf diese Weise nicht. Also was tun? Das Stadtoberhaupt hat versucht, den Unwägsamkeiten des Amtes mit Aufrichtigkeit und Verlässlichkeit zu begegnen. Er stellte sich hinter Leute, wenn diese aus seiner Sicht ungerecht behandelt wurden. Beispiele dazu wurden öffentlich kaum kolportiert. Doch so unterstütze Lutz Trümper über mehrere Jahre persönlich einen syrischen Flüchtling. Er hat das an keine Glocke gehängt. Genauso wenig, dass er sich 2005 aufgrund einer Diagnose kurzfristig einer Krebsoperation unterziehen musste. Nach außen hin blieb das für die meisten unbemerkt.

Was bleibt also als Fazit über 21 Jahre Amtsinhaberschaft an der Spitze der Landeshauptstadt? Positiv ist die Dynamik der Stadtentwicklung zu nennen, für die Willi Polte schon manche Weiche gestellt hatte. Am Ende ist die Ansiedlungsentscheidung von Intel, einer Giga-Fabrik für Halbleiter am Eulenberg, zu erreichen, wie eine Krönung der Zeit als Oberbürgermeister. Solche Ereignisse sind seltener als ein Sechser im Lotto. Lutz Trümper sagt, dass er keinen Tag seiner Amtszeit bereue und meint damit die schönen wie auch die schweren Momente. Sie alle machen jemanden dazu wie er ist. Vielleicht konnte er in den vergangenen Wochen deshalb häufig fröhlich auftreten, weil er den meisten Ereignissen stets mit rationaler Analyse und Distanz begegnet war. Nur beim ersten Aufstieg des 1. FCM in die zweite Liga – da standen ihm vor Glück die Tränen in den Augen.

Berührbar ist der Mensch Lutz Trümper auf jeden Fall. Seine Frau, seine Tochter und seine Enkel wissen das bestimmt am besten. Die Distanz im Privaten über die Amtsgeschäfte hatte er seiner heutigen Lebensgefährtin versprochen. Das ist nötig, weil man einen Schutzraum vor der Kühle und der Einsamkeit im Amt eines OB braucht. Es ist nicht sicher, dass ein offenherziger Lutz Trümper die Geschicke der Stadt besser gelenkt hätte. So wie er sie lenkte, hat er sich mit der langen Verantwortung tief in die Geschichte Magdeburgs eingeschrieben. Egal, wie einst über die Kosten des Tunnels oder der Brücke geurteilt würde, am Universitätsplatz steht ein Theaterbau, der genauso wenig im Rahmen seiner Planungen blieb. Es scheint so zu sein, dass heute viel mehr Magdeburger das Scheiden eines Lutz Trümpers aus dem Amt bedauern, als solche, die das fröhlich stimmt. Dass „Lutze“ loslassen kann, gründet sich vielleicht auch darauf, dass ihm im Rathaus sicher Respekt entgegengebracht wurde, aber weniger Herzlichkeit als von machem Menschen auf der Straße.

Rappbodetalsperre als Wahrzeichen deutscher Ingenieurskunst gewürdigt

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Im Beisein von Umwelt-Staatssekretär Dr. Steffen Eichner ist die zwischen Hasselfelde und Wendefurth (Landkreis Harz) gelegene Rappbodetalsperre heute als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurskunst in Deutschland“ ausgezeichnet worden. Das 1959 eingeweihte Bauwerk gehört mit der höchsten Staumauer Deutschlands (106 Meter hoch und 415 Meter lang) zu den herausragenden Talsperren im Land und ist zudem ein beliebtes Ausflugsziel im Harz.

Eichner sagte: „Die Rappbodetalsperre ist ein ingenieurtechnisches Meisterwerk, das Trinkwasserversorgung, Hochwasserschutz und Energieerzeugung miteinander verbindet. Vielen klugen Ingenieuren ist es zu verdanken, dass diese Idee bis heute Früchte trägt. Gerade mit Blick auf den Klimawandel wird die Talsperre künftig sogar noch wichtiger. Starkregen und Hochwasser werden ebenso zunehmen wie trockenere Sommer. Umso bedeutsamer ist es, dass es im Harz einen starken Puffer für die Wasserbewirtschaftung gibt. Die Würdigung der Rappbodetalsperre als Wahrzeichen deutscher Ingenieurskunst ist also mehr als verdient. Ich bin davon überzeugt, dass die Auszeichnung die Talsperre darüber hinaus auch als Besuchermagneten weiter stärken wird.“

Die Rappbodetalsperre ist mit einem Speichervermögen von rund 109 Millionen Kubikmetern Deutschlands größte Trinkwassertalsperre und das Kernstück eines Systems aus sechs Talsperren im Harz. Die Gewinnung von Trinkwasser aus dem Einzugsgebiet der Bode ist von großer Bedeutung – für gut eine Million Menschen in Mitteldeutschland. Zudem bietet das Talsperrensystem einen wirkungsvollen Hochwasserschutz der Unterlieger an der Bode. Seit 1999 ist der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt für Unterhaltung und Betrieb der Rappbodetalsperre verantwortlich. (eb)

In der Stadtbibliothek: Lesung „Die Frau von Montparnasse“ über Simone de Beauvoir

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Mit Caroline Bernard ist am 30. Juni im Rahmen der französischen Tage in Magdeburg Franko.Folie! 2022 eine Bestseller-Autorin („Frida Kahlo und die Farben des Lebens“) zu erleben. In der Stadtbibliothek liest sie ab 19.30 Uhr aus ihrem biografischen Roman über Simon de Beauvoir „Die Frau von Montparnasse“. Der Weg der späteren großen Philosophin Simone de Beauvoir beginnt bei Caroline Bernard 1929 in Paris. Bereits die junge Simone zeichnet die Liebe zur Freiheit aus, denn sie will studieren – und unbedingt schreiben. Dann begegnet sie Jean-Paul Sartre, Enfant terrible, Genie und bald ihr Geliebter. Sie schließen einen Pakt, der ihre Liebe und dabei sexuelle Freiheit sichern soll. Gemeinsam formulieren sie die Philosophie des Existenzialismus, sind der Mittelpunkt der Pariser Bohème.

Doch ihren Traum vom Schreiben kann Simone nicht verwirklichen – die Verlage lehnen ihre Texte als „unpassend“ ab. Und auch um die Beziehung zu Sartre muss sie kämpfen. Denn: Wie lässt sich eine große Liebe mit dem Streben nach Freiheit vereinbaren? Caroline Bernard ist das Pseudonym von Tania Schlie. Die Literaturwissenschaftlerin arbeitet seit über zwanzig Jahren als freie Autorin. In ihren populären Romanen erzählt sie Geschichten von starken Frauen. Alle interessierten Besucher*innen sind zur Buchlesung mit Caroline Bernard aus „Die Frau von Montparnasse. Simone de Beauvoir und die Suche nach Liebe und Wahrheit“ am Donnerstag, 30. Juni, um 19.30 Uhr in der Zentralbibliothek der Stadtbibliothek, Breiter Weg 109, herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei. (eb)