Sonntag, August 14, 2022
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Badeverbot für den Neustädter See aufgehoben – Strandbad wieder geöffnet

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Das Badeverbot für den gesamten Neustädter See wurde heute früh aufgehoben. Grund ist der erhebliche Rückgang an Enterokokken. Nach den jüngsten Untersuchungsergebnissen werden die Grenzwerte an allen Messpunkten deutlich unterschritten. Das städtische Strandbad ist bereits wieder geöffnet.

Die Allgemeinverfügung der Landeshauptstadt Magdeburg vom 23. Juli wird in Kürze aufgehoben.

Enterokokken sind Bakterien, die sowohl bei Tieren als auch beim Menschen in der normalen Darmflora vorkommen und verschiedene Krankheiten auslösen können. Wegen eines anhaltenden Bakterienbefalls war der Neustädter See gemäß der Badegewässerverordnung des Landes Sachsen-Anhalt zum Baden gesperrt worden.

Kinder aus Sachsen-Anhalt schnuppern Zirkusluft

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40 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 12 Jahren werden dank der Mitspielerinnen und Mitspieler der Deutschen Fernsehlotterie vom 07.08.-13.08. bzw. vom 14.08.-20.08. einen unvergesslichen Urlaub erleben. Mit der Hilfe des Kinderschutzbund Mansfeld Südharz e. V. nehmen die Kids im Rahmen der Kinderreisen 2022 an den Zirkusferien in der Jugendherberge Naumburg teil, initiiert, organisiert und finanziert von Deutschlands traditionsreichster Soziallotterie. Für die Teilnehmenden heißt es: Manege frei für eine fantastische Zirkuswelt – sie verwandeln sich in kleine Akrobaten, werden zu bunten Clowns oder graziösen Seiltänzerinnen und tauchen in eine spannende und erlebnisreiche Welt des Zirkus ein, in der es stets etwas zu tun gibt. Gemeinsam mit den Artisten und Künstlern des Zirkus Trumpf werden Kunststücke einstudiert und geprobt, sie kümmern sich liebevoll um die Tiere und gestalten aktiv ihre Vorstellung mit. Geschminkt und mit kreativen Kostümen öffnet sich der Vorhang zum großen Finale unter dem Dach eines richtigen Zirkuszeltes und der atemberaubende Kinderzirkus voller Zauber und Poesie präsentiert sich seinem Publikum. Spaß und Erholung kommen natürlich nicht zu kurz: Badespaß im Badeparadies bulabana, Gelände- und Aktionsspiele, eine Zirkusparty und vieles mehr stehen bei den Kindern und Jugendlichen während der einwöchigen Ferienfreizeit auf dem Programm.

Sie kommen aus Familien, deren Eltern ihren Kindern keinen eigenen Urlaub ermöglichen können. Während ihrer Zirkusferien werden sie rund um die Uhr von ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen begleitet. „Die jungen Menschen erleben in dieser Zeit Unbeschwertheit, Gemeinschaftsbewusstsein, Sport und Spiel. Auch stellen sie sich der ein oder anderen persönlichen Herausforderung. Das ist wichtig in der Entwicklung eines jeden Einzelnen, gerade nach den gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen der Corona-Pandemie“, so Regina Terzic, Projektverantwortliche bei der Deutschen Fernsehlotterie gGmbH. Die Kinderreisen der Deutschen Fernsehlotterie haben eine lange Tradition: die Idee wurde bereits Ende der 1940er Jahre geboren. Mit den bekannten Rosinenbombern der Alliierten reisten Kinder aus dem kriegszerstörten Berlin nach Westdeutschland, an einen, für damalige Verhältnisse sprichwörtlichen „Platz an der Sonne“. Dieser Slogan sollte die Deutsche Fernsehlotterie viele Jahre begleiten. Tausenden Kindern aus ganz Deutschland wurden bisher unvergessliche Momente geschenkt. Die Deutsche Fernsehlotterie übernimmt gemeinsam mit ihren Partnern alle anfallenden Organisations-, Reise- und Betreuungskosten. Über den ganzen Sommer 2022 hinweg können wieder mehr als 500 Kinder in 13 bundesweite Feriencamps reisen. Dort entdecken sie neue Interessen, knüpfen Freundschaften und erfahren wichtige Impulse. (eb)

Johanniskirche und Albinmüllerturm öffnen zur langen Panorama-Nacht

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Zur „Riverside“-Partynacht öffnen der Aussichtsturm im Stadtpark und erstmals auch die Johanniskirche / Besucher können Sonnenuntergang, Sternschnuppenregen und Magdeburger Nachtleben von oben genießen

Passend zum Festivalsonnabend „Riverside at Night“ entlang der Elbe in Magdeburg öffnet am 6. August wieder der Albinmüllerturm im Stadtpark zur langen Panorama-Nacht über den Dächern der Landeshauptstadt. Bis 24 Uhr können Besucher auf den 61 Meter hohen Turm steigen und den Sonnenuntergang sowie die Aussicht auf die Schönheiten Magdeburgs und ihren Fluss bei Nacht genießen (reguläre Öffnungszeit am Samstag bis 18 Uhr). Zu Füßen des Turmes sorgen währenddessen eine gut gelaunte Bar-Crew und das Big-Fun-DJ Team für Partyfeeling und Tanzlaune. Entlang des Stroms ist an diesem Abend viel los, denn schon traditionell laden zahlreiche Lokale zu Live-Musik und Partys am Elbufer ein, darunter der Montego-Beachclub, das Le Frog und das MDR-Funkhaus.
Erstmals schließt sich mit der Johanniskirche auch die gute Stube der Stadt dem Partyreigen am Fluss an. „Die sonst nur an veranstaltungsfreien Tagen bis 17 Uhr öffentlich zugängliche Kirche öffnet am ersten August-Samstag bis Mitternacht“, sagt deren Betriebsleiterin Stefanie Hesse. Neben einem atemberaubenden Einblick gibt es hier auch einen außergewöhnlichen Ausblick: Über 277 Stufen in Richtung Himmel führt der Weg über den Südturm nach oben. Aus 52 Metern Höhe bietet sich ein traumhafter Blick auf die Elbe und die Dächer der Stadt. Besonders an einem lauen Sommerabend ist der Ausblick von der Aussichtsplattform ein Traum.

Nicht zu vergessen: Es ist Sternschnuppenzeit. In den Nächten im August gibt es mit dem Meteorstrom der Perseiden, auch Laurentiustränen genannt, tolle Gelegenheiten, seine Wünsche gen Himmel zu schicken.

Der Eintritt in die Johanniskirche und auf den Albinmüllerturm kostet pro Person drei Euro, ermäßigt zwei Euro. Für Kinder bis einschließlich 6 Jahre, Otto-City-Card-Inhaber, Rollstuhlfahrer sowie die Begleitung eines Behinderten mit Merkzeichen B im Ausweis ist der Eintritt frei.

Ein neuer Ort für alte Werte

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Der Klosterneubau der Prämonstratenser in Magdeburg schreitet voran und sorgt auch für großes Interesse in der Wirtschaft, Kultur und Politik. So wird am Dienstag, 9. August, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ab 12 Uhr die Baustelle besuchen. Der CDU-Politiker möchte sich ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten zu machen. Haseloff hatte zuletzt betont, dass das neue Prämonstratenser-Kloster die Ökumenischen Höfe und die Stadtlandschaft bereichern werde. „Die Aussagen haben wir gerne vernommen. Sie bestärken uns in unserem Handeln“, betont Pater Clemens Dölken. Der Prior der Prämonstratenser in Magdeburg freut sich auf das Treffen mit dem Ministerpräsidenten.
Am 9. August findet auch ein Spendenlauf in Magdeburg statt. Es geht darum, 13.000 Euro für den Eigenanteil eines Projektabschnitts zusammenzubekommen. Pater Tobias Breer hatte die Idee zum Spendenlauf. Pater Clemens‘ Mitbruder aus der Abtei Hamborn hat sich als Marathon-Pater einen Namen gemacht. Und deshalb veranstaltet er den 1. Romanik Magdeburg-Marathon. Los geht’s um 7 Uhr an der St. Petri Kirche. Dort endet der Lauf auch nach 42,195 Kilometer. „Wir hoffen auf eine rege Teilnahme, so dass wir ausreichend Spendengelder erlaufen“, betont Pater Tobias.

Wenn er einen Marathon in Angriff nimmt, geht es stets um die gute Sache. Pater Tobias hat als Ausdauersportler schon mehr als 1,7 Millionen Euro gesammelt. Zuletzt lief er für eine Fahrrad-Fahrschule für benachteiligte Kinder aus Duisburg. Demnächst ist Pater Tobias‘ unterwegs, um den Bau von Kindergärten in Togo mitzufinanzieren. Zwischendurch schnürt er nun die Schuhe, um einen Beitrag für den Klosterneubau zu erlaufen. „Dort entsteht ein Ort der Begegnung, an dem echte Ökumene gelebt werden soll“, sagt Pater Tobias. „Es ist schön, dass wir dieses wichtige Projekt durch einen Marathon vorantreiben können.“

Der Name der Veranstaltung bezieht sich auf die Straße der Romanik. Dort entlang verläuft ein Teil der Strecke. Außerdem machten Archäologen am Klosterneubau vor zwei Jahren einen spektakulären Fund und entdeckten einen Raum aus dem 12. Jahrhundert. Sie nannten ihn romanische Stube. Pater Tobias plant, den Romanik Marathon-Magdeburg regelmäßig zu veranstalten. Im Sommer 2023 soll es wieder am Elbufer losgehen. Dann werden seine Mitbrüder alle Voraussicht nach im Klosterneubau leben. Der Umzug ist für April 2023 geplant. (eb)

Elbauenpark auf Rekordkurs

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Zwischenbilanz verzeichnet mehr als 280.000 Gäste / Umfrage ermittelt Wünsche

Der Magdeburger Elbauenpark wird immer mehr zum Besuchermagneten. Bei einer Zwischenbilanz Ende Juli konnten in diesem Jahr bereits über 280.000 Gäste gezählt werden. Das sind knapp 60.000 mehr als im Vergleichszeitraum 2021, wo am Jahresende mit 400.000 Besuchern eine Höchstmarke im Natur- und Kulturpark geknackt worden war.

„Wir freuen uns sehr, dass immer mehr Menschen den Elbauenpark zu ihrem Freizeit- und Kulturziel machen, und wir am Jahresende vielleicht sogar einen neuen Besucherrekord aufstellen“, sagt Geschäftsführer Steffen Schüller: „Die steigenden Gästezahlen sind ein Beleg dafür, dass wir mit immer weiter verbesserten Angeboten und Attraktionen auf dem richtigen Weg sind.“

Der Elbauenpark hat in der zurückliegenden Zeit einige Neuerungen eingeführt. Als ein „Magnet“ für Kinder und Familien entwickelte sich der Rutschenturm, der 2020 eingeweiht worden war. Dazu kommen Attraktionen wie der Kletterpark, die deutschlandweit einzigartige innerstädtische Riesenseilrutsche „ElbauenZip“, Spielplätze, das Sportareal, der Jahrtausendturm mit seiner Ausstellung zu 6.000 Jahre Technik- und Wissenschaftsgeschichte, das Schmetterlingshaus oder die Grillplätze, die gemietet werden können.

Die aktuelle Bilanz beweist zudem, dass sich die grüne Oase in der Landeshauptstadt als Ort für große Veranstaltungen etabliert und weit über ihre Grenzen einen guten Ruf erworben hat. Jüngstes Beispiel dafür ist das Konzert von Sarah Connor, bei dem im Juni mehr als 9.000 Besucher in den Elbauenpark strömten. Weit mehr als jeweils 10.000 Menschen feierten kürzlich im Park beim „Electronic-Garden“- und „Love Music“-Festival. Mit dem Landeserntedankfest steht außerdem bald der nächste besucherstarke Termin auf dem Programm. Wenn am dritten September-Wochenende die Landwirte in den Elbauenpark einladen, werden an zwei Tagen bis zu 40.000 Gäste erwartet.

Solche Aussichten und die Rekord-Bilanz sind der Ansporn, den eingeschlagenen Kurs weiterzuverfolgen, erklärt Steffen Schüller. „Wir wollen diesen Schwung nutzen, um uns noch besser aufzustellen“, betont er. In Planung sind ein neues Kassensystem, das den Eintritt vereinfachen soll, und Maßnahmen, die den Park weiter aufwerten wie die komplette Sanierung des Sportplatzes. Eine Frischekur samt neuer Bepflanzung wird auch das Staudental erhalten. Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr starten. Geplant werde derzeit zudem eine Veränderung der Eintrittspreise: Das Grünticket, das den Parkbesuch ohne Zutritt zu den Attraktionen ermöglicht, soll im kommenden Jahr einen Euro teurer werden.

In die nächsten Vorhaben des Elbauenparks fließen auch die Meinungen der Besucher ein. Welche Angebote sind gut? Was könnte besser werden? Welche Ideen gibt es? Solche Fragen sind Gegenstand einer großen Gästebefragung, die am 8. August startet. Eine Woche lang wird ein Team des IWD Marktforschungsinstitutes auf dem gesamten Areal die Zufriedenheit der Besucher ermitteln und sie nach ihren Wünschen befragen. Teilnehmen kann jeder, der in dieser Zeit auf dem Kleinen und Großen Cracauer Anger unterwegs ist. Geschäftsführer Steffen Schüller freut sich auf die Ergebnisse: „Dieses Feedback ist die wesentliche Grundlage für unsere weiteren Planungen. Die Besucher wissen schließlich am besten, wie sie den Elbauenpark genießen und was sie hier erleben möchten.“ (eb)

Meter 32: Ein dunkler Mann aus früher Zeit

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Erzählungen aus der gotischen Kathedrale | Von Michael Ronshausen

Manchmal ist es im Magdeburger Dom so, dass sich das Wissen um bestimmte Ereignisse, Zusammenhänge oder auch Gegenstände darauf beschränkt, nichts zu wissen. So ist es auch mit der heute vielleicht bekanntesten Skulptur, die im Dom steht. Sie zeigt einen Heiligen, der vor mehr als 1700 Jahren lebte und der seine Verehrung in der Uniform eines römischen Offiziers erwarb. Seine Geschichte war rund 700 Jahre lang bewahrt worden, und sie interessierte den noch jungen König und späteren Kaiser Otto den Großen so sehr, dass er am 21. September 937 in Magdeburg ein neugegründetes Kloster nach ihm benannte.
Irgendwann um das Jahr 285 hatte sich Mauritius in der Gegend von Agaunum, heute im Süden der Schweiz gelegen und als Saint Maurice (nicht zu verwechseln mit Sankt Moritz) bekannt, geweigert, Christen zu verfolgen, und letztlich mit seiner eigenen, vermutlich ebenfalls aus Afrikanern bestehenden Legion, zur Strafe das Martyrium erlitten. Viele Einzelheiten aus dieser Geschichte sind heute allerdings nicht nachgewiesen und es existieren keine belastbaren zeitgenössischen Überlieferungen – vieles bleibt Legende. Sicher ist aber immerhin, dass Mauritius gemeinsam mit seinen Gefährten bereits im vierten und fünften Jahrhundert als Kirchenheiliger verehrt wurde, wofür es einen adäquaten Anlass gegeben haben muss.

Wie Otto nun auf diesen Märtyrer aufmerksam geworden ist und warum er ihn schließlich zu einer Art Lieblingsheiligen gemacht hat, wissen wir nicht. Vielleicht war es die Erinnerung an einen tapferen Soldaten (das tapfere Soldatentum der alten Römer war auch im zehnten Jahrhundert nicht vergessen), und die unumschränkte Hingabe an den christlichen Glauben, womit sich Otto begeistern ließ. Am Ende, und das hätte Otto damals, vor bald elfhundert Jahren ebenfalls begeistert, bekam Mauritius einen Dauer-Job als Magdeburger Stadtheiliger. Noch vor der Heiligen Katharina von Alexandrien (auch aus Afrika) ist er bis heute der erste Namensgeber des Magdeburger Doms und der Domgemeinde.

Wie die Mauritius-Verehrung anfänglich ausgelebt wurde, wissen wir (wieder einmal) nicht. Heute gibt es im September ein Mauritiusfest, und vielleicht gab es etwas ähnliches auch zu Ottos Zeiten. Um 1240 herum entstand jedenfalls für den neuen Dom eine Figur des Heiligen, die es nicht nur auf sich, sondern auch in sich hatte: Sie war nämlich schwarz, was seinerzeit ein spektakulärer Anblick gewesen sein muss. Dabei ging es nicht nur um die dunkel bemalten Hautpartien, sondern auch um die eindeutig zu erkennende Physiognomie eines aus Afrika stammenden Menschen und damit um die erste wirklich realistische Darstellung eines Afrikaners in der nordalpinen Kunst. Bedauerlicherweise – man kennt es bereits – gibt es auch zum schwarzen Sandstein-Mauritius keine verlässliche Rezeptionsgeschichte. Er verschwand irgendwie und irgendwann, aber glücklicherweise nicht spurlos.

Während der großen Domreparatur zwischen 1826 und 1834 fand man die unter Teileverlust leidende Skulptur angeblich in einer Holzkiste wieder. Einer anderen Darstellung nach war Mauritius sogar irgendwo eingebuddelt. Erhalten geblieben sind sein einstmals gerüsteter und waffenklirrender Korpus sowie sein Gesicht. Zuerst in einer der Chorkapellen „in die Ecke gestellt“, nimmt seine Figur seit 1956 und vis-à-vis der Heiligen Katharina einen zentralen Ort im Hohen Chor ein. Sowohl kunst- wie auch erinnerungsgeschichtlich kommt keine Domführung an Mauritius und der bald 800 Jahre alten Figur vorbei.

Ausgrenzung durch Integration

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Sprache entwickelt sich. Immer. Wie weit wir auch zurückblicken, sind immer variierte Schreibweisen zu finden. Die Sprache eines Walther von der Vogelweide, die den Minnesänger (1170-1230) einst berühmt machte, gilt heute als antiquiert. Weniger lange ist es her, dass die eigenen Eltern mit „Sie“ angesprochen worden sind. Dass Worte anderer Sprachen Eingang ins Deutsche finden, ist ebenfalls kein neues Phänomen (ein Wort übrigens aus dem Altgriechischen). Ein gravieren-der Schnitt erfolgte 1996 mit der deutschen Rechtschreibreform.

Ähnlich gravierend ist seit einiger Zeit die Schreibweise des sogenannten Genderns. Die unterschiedlichsten Varianten wurden vorgeschlagen, werden seitdem unterschiedlich in den Medien eingesetzt. Ob : / * oder großes I kurz vor dem Wortende. Die Sonderzeichen trennen männliche und weibliche Endung und sollen alle Geschlechter gleichermaßen einbeziehen. Wann welches Zeichen „richtig“ ist, richtet sich nicht selten nach dem Ort, an dem man schreibt, beispielsweise an den Universitäten.

Der Hintergrund ist ein wichtiger: niemanden auszugrenzen. Das sollte ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sein. Egal, welchem Geschlecht man sich zuordnet.
In diesem Zusammenhang drängt sich das Wort Inklusion nahezu auf. Im Gegensatz zur Integration, also andere Menschen in die Gesellschaft einzubeziehen, steht Inklusion für die Gleichwertigkeit. Das Wort allerdings wird im Sprachgebrauch meist begrenzt auf Menschen mit Behinderungen verwandt. Was eigentlich auch Ausgrenzung ist. Dabei ist Inklusion das eigentliche Zauberwort: alle Menschen sind gleichwertig und entsprechend zu behandeln.
Und da beginnt schon das nächste Problem: Menschen mit „Behinderungen“ werden durch das Gendern jetzt auch im Schriftlichen ausgegrenzt. Wenngleich es keine exakten Zahlen gibt, so sind rund 150.000 blinde und zirka 500.000 sehbehinderte Menschen registriert, da sie zum Beispiel Blindengeld erhalten. Wer dieses nicht beantragt hat, fehlt in der Statistik. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) steigt die Zahl ständig, unter anderem durch die „alternde Gesellschaft“.

In Zeiten moderner Technik lassen sich sehbehinderte und blinde Menschen Texte vom Computer vorlesen. Die Vorleseprogramme jedoch können mit den Gender-Sonderzeichen nichts anfangen. Es entsteht ein Sprach-Wirrwarr, das die Verständlichkeit erheblich mindert. Hinzu kommen Menschen, die des Lesens nur schlecht mächtig sind. Millionen verlassen die Schule ohne Abschluss, oft gehört schlechtes Leseverständnis zu den Gründen. Nach Auskunft der Bundesregierung können 7,5 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 18 und 64 Jahren nicht ausreichend lesen und schreiben. Rechnet man die Gruppe der 65- bis 80-jährigen noch dazu, kann man von weiteren zwei Millionen ausgehen, heißt es. Deshalb ist längst die Forderung nach „Leichter Sprache“ laut, es gibt entsprechende Fachkonferenzen und Anleitungen für Journalisten, um die Ausgrenzung dieser Menschen zu vermeiden. Um Hürden beim Lesen abzubauen. Die Gender-Sonderzeichen hingegen bauen zusätzliche Hürden auf.

Aus der Integration durch Gendern ist eine Ausgrenzung von Millionen Menschen geworden.
Sollten wir nicht stattdessen nach Formulierungen suchen, die einen statt zu unterscheiden? In anderen Ländern/Sprachen ist das selbstverständlich. Birgit Ahlert

Jazz und Swing im Kloster Jerichow

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Jazzbegeisterte aufgepasst! Das Klos-ter Jerichow wird vom 12. bis 14. August wieder zum Treff für Freunde dieser mitreißenden Musik. Drei Tage lang wird facettenreicher Jazz der Extraklasse zu hören sein. Also vormerken! Doch nicht nur die Musik ist empfehlenswert, auch der Ort selbst hat seine ganz besondere Aura. Wo sonst kirchliche Gesänge erklingen, begeistern hochklassige Jazzmusiker das Publikum und verwandeln das altehrwürdige Klos-ter in eine eindrucksvolle Bühne mit atemberaubender Kulisse.

Den Auftakt am Freitag, 12. August, 16 Uhr, gestaltet die Berliner Formation NOUS. Das Duo Marie Séférian und Henning Schmidt mit Gastmusiker Manfred Preis präsentieren einen atmosphärischen, neoklassischen Soundtrack für einen imaginären Film. Inspiriert von dessen surrealen Szenen tauchen Stimme, Piano und Klarinette tief ein in eine suggestive Bildwelt.
Ab 18 Uhr entführt das Nouvo Gioia Quartett mit Diego Romero, Daniel „Topo“ Gioia, Carlos Quiroz und Guilherme Castro in wunderschöne Musikbilder und Klänge der lateinamerikanischen Musik.

Ab 20 Uhr lassen mit „The Music Goes Round And Around“ The Swingin’ Hermlins die amerikanische Musik der 1920er und 1930er Jahre wiederaufleben. Alles ist live, spontan und lebendig.

Am Samstag, 13. August, präsentieren ab 14 Uhr vierzehn Musiker und Musikerinnen aus allen Ecken Deutschlands mit Best of Roger Cicero eine Hommage an den viel zu früh verstorbenen Musiker und Bandleader und zeichnen ein junges, lebendiges Bild europäischer Jazzmusik.

Jung weiter geht es ab 17 Uhr mit dem Bundesjazzorchester und einer spannenden Reise in die aktuelle Bigband-Musik, die das Feuer der Tradition weiterträgt und offen ist, über Grenzen hi-nauszublicken.

„Jazz meets Brass“ heißt es ab 20 Uhr bei dem schwedischen Saxofonisten und Flötisten Magnus Lindgren, der sich ins musikalische „Grenzgebiet“ zwischen dem klassischen Blechbläserensemble und dem zeitgenössischen Jazzquartett begibt.

Das Sonntagsprogramm am 14. August startet um 11 Uhr mit einem Jazzgottesdienst und Jazzpoetin Esther Kaiser. Im Trio mit dem Multiinstrumentalisten Sven Klammer (Trompete, Piano, Soundeffekte) und der lettischen Pianistin und Organistin Agita Rando entführt der zeitgemäß-minimalistische Sound in entrückte, fast schon feenhafte Klangwelten,
Ab 12.30 Uhr wird der Magdeburger Musiker Jan Sichting auf dem weitläufigen Klostergelände zu erleben sein. Mit seinem Saxofon spielt er immer das, was genau dort, wo er sich gerade befindet, am besten hinpasst.

Das Posaunenquartett OPUS 4 begeistert mit Bearbeitungen von Stücken aus Renaissance und Barock sowie modernen bzw. populären Kompositionen und zeigt, dass sich die Posaune wie kaum ein anderes Instrument für alte und neue Musik bis hin zum Jazz gleichermaßen eignet. Ab 14 Uhr.

Tickets gibt es direkt im Kloster, bei reservix.de und deren VVK-Stellen; Ausführliche Informationen zu Künstlern und Programm auf der Internetseite www.kloster-jerichow.de/jazz-im-kloster

Sportjournalist – nein danke!

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Über ein „Interview interruptus“ und andere Schattenseiten einer Branche, in der Kritik immer weniger gefragt ist. | Von Rudi Bartlitz

Schreib doch mal was über Sport und Medien, warf der Herausgeber dieser Zeitung, sicher nichts Arges im Schilde führend, vor ein paar Tagen lapidar in die Runde. Es könne auch gern kritisch sein. Ein Auftrag zum Zündeln, gewissermaßen. Ob er ahnte, an welch ohnehin fragilem Konstrukt da gerüttelt werden soll?

Nun denn: Über Journalismus, im vorliegenden Fall über den sportlich angehauchten, öffentlich zu philosophieren, erscheint von vornherein als ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Zu diametral sind die Ansichten dazu. In der Öffentlichkeit, in der Branche selbst, in der Wissenschaft. Während die einen (deren Zahl allerdings rapide abnimmt) die Tätigkeit als Sportjournalist immer noch für einen Traumberuf halten – gleich nach Lokführer und Feuerwehrmann –, hat sich für andere der Sportjournalismus als Ganzes, so wie er heute daherkommt, immer mehr zu einem Erfüllungsgehilfen der Mächtigen des Gewerbes degradiert. Einschmeichelnd in Worten, anbiedernd in der Art – und zunehmend unkritisch. Wer dem einen oder anderen TV-Reporter (Namen sind der Redaktion durchaus bekannt) zuhört, wähnt sich eher in einen Verkaufskanal versetzt, in dem Ware wohlfeil dargeboten wird. Das Produkt ist gut!, lautet die drängende Botschaft. Kauft es! Wir als Fernsehschaffende werden es jedenfalls nicht in Frage stellen – oder dürfen es nicht.
Befeuert wird eine solche Haltung – auch das gehört zur Wahrheit – zusätzlich dadurch, dass ein Teil der Sportler selbst gleichfalls eine Position einnimmt, die Kritik von außen zunehmend als geschäftsschädigend für ihr Gewerbe ansieht. Natürlich, wir reden hier zuerst über Fußballer. Nach der Russland-WM 2018, die für die Deutschen wahrlich in einer Pleite endete, offenbarten einige Nationalspieler eine Erwartungshaltung, die keinen Platz für hinterfragende Berichterstattung sah – die die eigentliche Aufgabe des Journalismus sein sollte. Niclas Süle schrieb da etwa auf Instagramm über die Medien, „die sowieso versuchen, alles schlecht zu reden“. Dass sie selbst eigentlich auf der Seite der „Schlechten“ standen, war ihm offenbar entgangen.

Als jüngst ein ZDF-Mann den deutschen Nationalspieler Toni Kroos nach dem Sieg im Champions-League-Finale auf dem Feld interviewte, erschienen dem Madrid-Star die Fragen nicht devot genug – und er ließ den verdutzten Reporter einfach stehen. Auf den tieferen Sinn (oder Unsinn) derartiger sogenannter Field-Interviews wollen wir an dieser Stelle nicht näher eingehen. Ebenso wenig über Kroos‘ doch sehr eigene Deutung von Journalismus. Es wirft vielmehr ein Schlaglicht auf den gegenwärtigen Sportjournalismus, dass an den Folgetagen nicht das spektakuläre Finale und die zweifellos einmalige Leistung von Kroos, dessen fünfter Königsklassen-Sieg einen Rekord für einen deutschen Fußballer darstellt, im Vordergrund standen, sondern dieses „Interview interruptus“.

Überblickt man die Entwicklung im Fußball der letzten Jahre ein wenig, so wird immer deutlicher: kritischer Journalismus ist kaum noch gefragt. Und schon gar nicht gewollt. Zum einen von den Vereinen nicht, zum anderen auch von einem Teil des Publikums, also letztlich den Lesern, nicht. Stattdessen hagelt es Medienschelte. Motto: Wir lassen uns doch von diesen Deppen nicht unseren schönen Verein kaputtschreiben. Gehen wir etwas näher auf den ersten Punkt ein. Vieles, was derzeit inhaltlich beklagt wird, ist auf den sich vollziehenden, unübersehbaren Medienwandel zurückzuführen: weg von Print, hin zum Digitalen, zu Online. Hinein ins Reich der gottgleich angebeteten Klicks, deren Allmacht mehr und mehr den Redaktionsalltag zumindest der Zeitungen bestimmt. Dann machen wir doch lieber etwas über Ronaldo, lautet oft die Antwort auf die Frage, wer von den Redakteuren sich denn mal an einer tiefergehenden sportpolitischen Analyse versuchen wolle.

All das spielt sich vor einem Hintergrund ab, in dem viele Fußball-Bundesligisten „die Medien“ mittlerweile als Störenfriede wahrnehmen. Dazu passt, dass sich die Vereine immer mehr zu Medienhäusern entwi-ckeln und den Sportjournalisten mithilfe eigens produzierten Contents übergehen. Damit fallen kritische Fragen an die Profikicker von vornherein weg, weil die hauseigenen „Medien“ den Spielern freundlich gewogen sind. Das führt bei kritischem Nachhaken eines Journalisten von außen unweigerlich zu Unverständnis bei den betroffenen Kickern. Wer nun meint, derartige Aussagen widerspiegelten vor allem die Sicht regional agierender, in ihrer Manpower arg beschnittener Medien, dem hält „Spiegel“-Sportchef Udo Ludwig entgegen: „Die Vereine selbst haben eine gewisse Mauer aufgebaut.“ Auch beim renommierten Hamburger Nachrichtenmagazin merke man, „dass die Spieler und die Vereine die Medien überhaupt nicht mehr brauchen, um ihre Meinung in die Öffentlichkeit zu tragen. Die machen das über Social-Media-Kanäle.“

Der Sportjournalismus und seine Akteure stehen nichtsdestotrotz einer großen Herausforderung gegenüber: Die Nachfrage und das Interesse am Spitzensport bleiben konstant hoch, gleichzeitig steigt der Konkurrenzdruck, auch durch eigene Medienangebote der Sportvereine. Wie wirkt sich dieses emotionale und technisch getriebene Umfeld auf die Arbeit im Sportjournalismus aus? Aus einem repräsentativen Pool von 1.200 deutschen Sportjournalisten beantworteten 195 einen quantitativen Online-Fragebogen. Die Ergebnisse zeigen deutlich eine pessimistische Zukunftserwartung: Über zwei Drittel der Befragten geben an, dass die wachsenden Angebote aus den Pressestellen der Vereine eine Gefahr für die eigene Redaktion darstellen. Mehr als die Hälfte findet zudem, dass die Pressestellen den eigenen Zugang zu Spielern, Trainern und Verantwortlichen behindern, vor allem im Profifußball.

Erschwerend kommt für die Medien-Akteure hinzu, dass ein Sportevent wie eine Europa- oder Weltmeisterschaft auch immer ein großes nationales Wir-Gefühl hervorbringt. Und das schließt eben Kritik in der Regel aus: „Das sind ja die Unseren.“ Gerade das Leitmedium Fernsehen steht während eines solchen Ereignisses besonders im Fokus. Der Spagat zwischen distanzierter Berichterstattung und großer Unterhaltung zur besten Sendezeit ist, so scheint es, kaum noch zu meistern. Und so sind rampenerfahrene Unterhalter und Plauderer mit Darstellerqualitäten in solchen Zeiten besonders gefragt.

Seit einiger Zeit wird heftig darüber diskutiert, ob das, was sich gerade im Sport vollzieht, eine Art Blaupause für das gesamte Fernsehen darstellt. Unübersehbar ist, dass Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime Video, Maxdome und Co. immer beliebter werden. Wer sich einmal an diese kostenpflichtigen Anbieter gewöhnt hat, sagen Medienwissenschaftler, kehrt dem herkömmlichen Fernsehen schnell den Rücken. Traditionelle TV-Sender müssen sich also Sorgen machen. Das bestätigt eine weltweite Umfrage der Unternehmensberatung Simon-Kucher in elf Ländern. Der zufolge sinkt das Interesse am gewohnten TV-Angebot dramatisch. „Über zwei Drittel der Befragten haben durch die Bank weg gesagt, Streaming ersetze für sie das traditionelle TV beziehungsweise das lineare Fernsehen“, sagte Lisa Jäger, Medienexpertin bei Simon-Kucher, der Deutschen Welle. Vor allem jüngere Menschen seien dieser Meinung, doch auch mehr Ältere neigten immer mehr dazu.

In den letzten Jahren ist zusätzlich ein neues Phänomen aufgetaucht, dass die Arbeit der Sportjournalisten vor allem im TV-Sektor tangiert. Die Attacken der Streaming-Dienste auf die Sportrechte. Damit verbunden ist ein Menetekel, das sich an der Wand abzeichnet. Wann, fragen Kenner der Szenerie besorgt, wird der erste große Sponsor seine Arme nach der Übertragung von Sport-Highlights ausstrecken. Olympia dann im Coca-Cola-TV? Die Fußball-WM im Nike Chanel oder bei Adidas-Television? Oder zeigt Red Bull mit seinem unternehmenseigenen „Servus TV“ irgendwann exklusiv die Bundesliga? Und was bedeutet das für einen unabhängigen Journalismus? So abwegig, wie es im Augenblick noch scheinen mag, sind derartige Vorstellungen gar nicht. Wir erinnern uns an 2017. Bei der Handball-WM 2017 drohte in Deutschland der „schwarze Kanal“ fröhliche Urständ zu feiern – weil der Weltverband sich nicht mit den deutschen Sendern einigen konnte. Was passierte? Mit der DKB-Bank offerierte erstmals ein Sponsor das Weltchampionat. Ein Präzedenzfall. Die Tochter der Bayerischen Landesbank „rettete“ hierzulande die WM-Übertragung und landete einen dicken PR-Scoop.

Wissenschaftliche Analysen bescheinigen indes vielen Sportreportern, ob nun bei den „Streamern“, im linearen TV oder bei den Zeitungen, eine zu große Nähe zum Gegenstand ihrer Berichterstattung. Sie sind, meinte einmal ein Kollege, Fans mit einem Presseausweis. Vor allem im Fußball gehe es häufig nur um „Heldenverehrung“. Das Fachjournal „Journalist“ hat dazu Interviews mit Branchenexperten geführt und ist zum Schluss gekommen: Eine unabhängigere und kritischere Berichterstattung im Fußball ist notwendig. In vielen, vielen Beiträgen, schreibt Autor Tonio Polster von der Otto-Brenner-Stiftung, sei eines immer wieder zu bemerken: „Die Unterhaltung steht im Sportjournalismus ganz klar im Vordergrund. Und dass Themen, die im Hintergrund hinter dem großen Ganzen stehen und ste-cken, doch sehr vernachlässigt, um nicht zu sagen, ignoriert werden, weil sie eben zu wenig Quote bringen.“
Gewissermaßen zur Entschuldigung dafür wird ein Argument immer öfter vorgebracht, das sich nicht von der Hand weisen lässt: Durch den Personalabbau in den Redaktionen werden beispielsweise dem einzelnen Zeitungsjournalisten immer mehr Aufgaben übertragen. Da ist nicht nur der Text für die Printausgabe zu schreiben, hinzu kommt das Verfassen von Online-Beiträgen und das Anfertigen von Fotos. Alles unter Zeitdruck. Der Clou ist dann, wenn der Chef hinterherruft: Wenn du kannst, bring gleich noch ein Video mit. Viele Medien, sagt „Spiegel“-Mann Ludwig, haben „ihre Investitionen in die Ressourcen der Redaktionen sehr stark zurückgefahren – und das geht automatisch auf die Qualität. Kolleginnen und Kollegen werden nicht mehr so gut bezahlt, der Beruf wird unattraktiver. Das führt auch dazu, dass die Berufsanfänger nicht mehr so gut ausgebildet in den Job reingehen.“

Viele im Gewerbe lassen sich, so ein weiterer Vorwurf, zu stark von dem leiten, was sich in den sogenannten sozialen Medien abspielt, machen dies immer öfter zu einer Elle für das eigene Handeln. ZDF-Reporter Bela Réthy will sich davon nicht beirren lassen. „Wer sich von den sozialen Medien in seinem Handeln beeinflussen lässt, sage ich mal frei nach Karl Lagerfeld, der hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, witzelt er. „Wenn man bedenkt, dass die Nutzung von Twitter in Deutschland bei vier, fünf Prozent der Bevölkerung liegt und dass man sich davon so treiben lässt, das ist eigentlich ein bisschen bedenklich.“
Wie nun weiter? Ein demagogisch veranlagter Berater würde jetzt einen Blick in die „Leitlinien des Sportjournalismus“ empfehlen, die der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) 2009 erstellt hat. „Sportjournalisten lassen sich von niemandem vereinnahmen und instrumentalisieren“, heißt es da ein wenig martialisch, „und wahren ihre journalistische Unabhängigkeit“. Wo also liegt das Problem?

Sommertheater mit dem Poetenpack

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Molières „Tartuffe“ steht in diesem Jahr auf dem Spielplan des Theaters Poetenpack. Das Ensemble gastiert damit ab 10. August in der stimmungsvollen Atmosphäre der Möllenvoigtei am Magdeburger Dom. Das freie Potsdamer Theater feiert mit der Komödie den 400. Geburtstag des großen französischen Dramatikers. Bis zum 21. August bringt es Molières unsterblichen Klassiker über Schein und Sein, über Täuschung und Selbstbetrug mit viel Humor in zehn Vorstellungen auf die Open-Air-Bühne.

„Auch wenn Molière den Betrüger ,Tartuffe‘ im Titel nennt, ist für uns der Bürger Orgon das Zentrum, die eigentliche Hauptfigur des Stücks. Gemeinsam mit ihm tauchen wir ein in die Welt der Lüge und der Manipulation – und stellen uns die Frage, woher unser Wunsch rührt, an die Tartuffes dieser Welt zu glauben. Denn zu jeder Täuschung gehört immer auch einer, der bereit ist, sich täuschen zu lassen. Die brisante Wirkung der Komödie, die sie 1664 im höfischen Paris hatte, soll für unser heutiges Publikum wieder erlebbar werden.“, erklärt Kai O. Schubert, Regisseur der Sommertheater-Inszenierung.

Zum Stück: In einer Zeit allgemeiner Verunsicherung hat sich Tartuffe als Verfechter moralischer Tugenden und als Ratgeber auf die komplexen Fragen des Alltags in das Haus eines wohlhabenden Bürgers eingeschlichen. Der Gastgeber Orgon ist dankbar für Tartuffes Erklärungen und glaubt fest an seine einfachen Wahrheiten. Er preist ihn als uneigennützigen Freund der Familie, verehrt und beschenkt ihn wie einen gottgesandten Propheten. Den übrigen Hausgenossen gilt der von der Straße aufgelesene Hungerleider allerdings nicht als weiser Helfer, sondern als betrügerischer Scheinheiliger, dem es nur um Macht und Geld geht. Wird es der Familie gelingen, ihr Haus aus den Händen des trickreichen Manipulators Tartuffe zurückzugewinnen?

Es spielen: André Kudella (Tartuffe), Georg Peetz (Orgon), Julia Borgmeier (Elmire), Ralf Bockholdt (Cléante), Felix Isenbügel (Dorine), Hannah Prasse (Mariane), Camilla Hiepko (Madame Pernelle), Arne Assmann (Valère). Regie: Kai O. Schubert | Ausstattung: Janet Kirsten, Komposition: Arne Assmann, Regieassistenz: Antonia Kieburg.

Das Poetenpack mit Molières TARTUFFE:
Mi., 10., bis Sa., 13. August, und Mi., 17., bis Sa., 20. August, jeweils 19 Uhr sowie So., 14. August, und So., 21. August, jeweils 17 Uhr.