Freitag, September 30, 2022
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Ausbildung bei den SWM Magdeburg 2023

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Werde Azubi bei uns!

Verantwortung tragen, Entscheidungen treffen und eigenes Geld verdienen. Was ist interessanter, spannender und lohnender als der richtige Einstieg ins Berufsleben, in einem Job, in dem Du Dich beruflich wie persönlich weiterentwickeln kannst?! Wenn Du gern mit Menschen zu tun hast, dann bist Du bei den SWM Magdeburg genau richtig!

Komm, um zu bleiben!

Das sind Deine Vorteile als Azubi bei uns:

  • passendes Gehalt
  • Arbeit in der Region
  • Smartphones für Azubis der technischen Berufe/Tablets für dual Studierende
  • ­Prämie für erfolgreichen Ausbildungsabschluss

Bei uns bekommst Du eine umfassende und solide Ausbildung. Du stehst immer im engen Austausch mit Deinen Ausbilder:innen und bekommst Einblick in verschiedene Unternehmensbereiche. Sie unterstützen Dich auch intensiv bei der Prüfungsvorbereitung.  Seit vielen Jahren haben alle Azubis die Prüfungen bestanden und keiner ist durchgefallen.

Und wir haben eine große Azubi-Gemeinschaft: dazu zählen z.B. die Kick-Off-Woche (zum Kennenlernen der anderen Azubis und Besichtigen der Lehrwerkstätten), die Azubi-Fahrt, unser Buddy-Programm (neue Azubis haben einen älteren Azubi als festen Ansprechpartner), Azubi Fit – das Gesundheits-Seminar, gemeinsame Weihnachtsfeier u.v.m.

Und ganz wichtig – bei guten Leistungen hast Du auch zu 100 % die Chance, von uns übernommen zu werden.

Wir wissen, dass Du mehr vorhast als arbeiten.

  • 30 Tage Urlaub
  • 38-Stunden-Woche
  • zusätzliche freie Tage z.B. an Weihnachten und Silvester
  • umfangreiche Sportangebote
  • Teamevents
  • betriebliches Gesundheitsmanagement

Unsere Ausbildungsberufe im Überblick:

  • Anlagenmechaniker (m/w/d)
  • Elektroniker für Betriebstechnik (m/w/d)
  • Fachkraft für Abwassertechnik (m/w/d)
  • Industriekaufleute (m/w/d)
  • Duales Studium Bachelor of Arts

Den Ausbildungsberuf des Abwassertechnikers möchten wir Dir gern näher vorstellen.

Was machst Du in diesem Beruf?

Du möchtest draußen arbeiten, magst Naturwissenschaften und willst Dich für die Umwelt engagieren? Als Fachkraft für Abwassertechnik überwachst und steuerst Du die technischen Anlagen im Kanalnetz, Pumpwerk und im Klärwerk. Denn jeder Tropfen Wasser, den wir verbrauchen, muss gereinigt werden. Schadstoffe sollen nicht im Grundwasser oder in unserer Elbe landen. Mit Deinem Team sorgst Du für sauberes Wasser und eine saubere Umwelt.

Wo arbeitest Du?

Dein Einsatzgebiet ist im Kanalnetz, im Klärwerk Gerwisch sowie in den Pumpwerken.

Was solltest Du mitbringen?

  • einen guten Realschulabschluss
  • solide Leistungen in den Fächern Mathe, Chemie, Biologie, Technik und Deutsch
  • handwerkliche Fähigkeiten und technisches Verständnis
  • Team-, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit
  • die gesundheitliche Eignung für den Beruf: Du bist körperlich fit und belastbar sowie höhen- und tiefentauglich.

Unser Azubi Lucas nimmt Dich mit zu einem Arbeitstag bei unseren Abwassertechnikern. Schau doch einfach mal rein: https://youtu.be/kC9BaTYp2lw

Verschaffe Dir einen Überblick!

Wie läuft das Auswahlverfahren ab? Wie verläuft der Ausbildungsalltag bei den SWM? Was sagen unsere Auszubildenden zu ihrer Ausbildung? Antworten zu diesen und weiteren Fragen findest Du im Netz unter www.sw-magdeburg.de/ausbildungKlick dazu einfach auf den Ausbildungsberuf, der Dich interessiert. Hier findest Du auch Videos von unseren Azubis, die aus ihrem Ausbildungsalltag erzählen.

Oder Du rufst uns an oder schreibst uns eine Mail. Marie Jaeger antwortet Dir gern auf Deine Fragen:

Personalreferentin Ausbildung
0391/587-2773

karriere@sw-magdeburg.de

Magdeburg rockt mit Tänzchentee

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Von der Kulturnacht bis zur Weihnachtsfeier, von der Berufsmesse bis zum Trödelmarkt – mit ihren Veranstaltungen bietet die Festung Mark ihren Gästen Vielfalt.

Zahlreich strömten gerade die Besucher zum Konzert auf den Innenhof der Festung Mark und erlebten am 9. September ein sensationelles Konzert mit den Bands Fiddlers Green und InExtremo. So voll war der Hof schon lange nicht! Es wurde getanzt und mitgesungen und gefeiert! „Endlich ist das wieder möglich“, freuten sich sowohl die Künstler als auch Gäste. Letztlich dominierte die Hoffnung auf weitere solcher Erlebnisse. „Wir haben zahlreiche Anfragen sowohl von Veranstaltern als auch von Gästen“, antwortet Festungschef Christian Szibor. Bis zum Jahresende ist der Terminkalender bereits gut gefüllt. „Wir sind verhalten optimistisch“, fügt er hinzu – mit Blick auf die ungeklärten Fragen für den Herbst, die eine langfristige Planung derzeit schwer möglich machen. Zum einen geht es um den weiteren Umgang mit der Pandemie, zum anderen stellen die erhöhten Energiekosten auch die Festung vor eine große Herausforderung. Optimistisch gibt das Team eine kleine Vorschau auf die Vorhaben für den Herbst:   Zunächst wird die Kultur gefeiert – bei der Kulturnacht am 24. September, in die sich die Kulturfestung mit gleich mehreren Angeboten einbringt: mit den Musikkabarettisten Simon & Jan, Diskurssalon, dem TanzLokal sowie einer Lesung mit Anne Hahn, die ihren Bezug zum FCM im Buch „Anne Hahn träumt Christian Beck“ verrät. 

Gleich mehrere Messen zur Berufsorientierung und -findung stehen an, zu denen der Eintritt jeweils kostenfrei ist. Beginnend am 14. September findet die Transfer-Messe Sachsen-Anhalt unter dem Motto „Innovation trifft Wirtschaft“ statt (14-19 Uhr). Am 8. Oktober (10-16 Uhr) folgt die 6. Jobmesse Magdeburg, bei dem sich namhafte Unternehmen, Institutionen und Bildungseinrichtungen präsentieren und Karrieremöglichkeiten vorstellen. Die Firmenkontaktmesse der Otto-von-Guericke-Universität richtet sich besonders an Studenten. Sie findet am 19.  Oktober (ab 9.45 Uhr) statt. Zuvor können die Studenten sich und die Festung schon mal kennenlernen bei der Erstsemesterparty am 6. Oktober (ab 22 Uhr). Weitere Partys folgen – ob 80er Jahre (1.10.), Venga Venga (22. 10.) oder Single-Party (30. Oktober).

Das bunte Markttreiben auf dem Festungsgelände beginnt am 9. Oktober mit dem Frohmarkt, der Töpfermarkt folgt am 5. und 6. November.

Zu Konzerten werden nicht nur Eric Fish & Friends (4.11.) und Falkenberg (19.11.) erwartet. Das absolute Highlight der Saison ist für den 2.Oktober geplant: Mit „Magdeburg rockt“ lädt die Fes­tung dazu ein, gemeinsam in den Tag der Deutschen Einheit zu feiern. Und wie geht das besser als mit guter Musik? Es steigt eine Rocknacht, bei der es das Beste aus Deutschland Ost und West auf die Ohren gibt. Ob Songs von City oder Klaus Lage, von Keimzeit oder Westernhagen. Früher wie heute gilt: Rockmusik lässt sich nicht einmauern. Sie schafft Verbindungen über Barrieren hinweg. Für diese besondere Nacht wurde die vielseitige Stimmungsband „Tänzchentee“ engagiert, die alle musikalischen Genres im Repertoire hat – von seicht bis knallhart, von Schlager bis Rammstein. Ja genau, Rammstein! Als Special wird eine Rammstein-Show versprochen. Erst wird open air im Hof gefeiert, dann geht es in den historischen Gemäuern innen weiter, bevor sich für Mitternacht eine erneute Überraschung ankündigt. Es wird Videoprojektionen geben, die an den Mauerfall erinnern, sowie eine kleine Hommage an den kürzlich verstorbenen Michael „Gorbi“ Gorbatschow, der im Land DDR für Aufsehen sorgte mit seinem Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“    Informationen zu den Terminen und Künstlern wird es aktuell online geben auf der Internetseite www.festungmark.com.  

Rückkehr des Primats der Politik

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von Prof. Dr. Markus Karp

Die Frage, ob normative Intentionen oder wirtschaftliche Notwendigkeiten die Tendenz politischer Entscheidungen prägen sollen, begleitet die westliche, marktwirtschaftlich geprägte Demokratie im Grunde ständig und von Anfang an. Die politischen Ziele von Wählern und Gewählten tun der Wirtschaft nicht immer gut, umgekehrt vereiteln die nervösen Reaktionen von Unternehmen und Märkten manche ambitionierte Reform.

Ob ein Primat der Politik oder Ökonomie ausschlagend für gesamtgesellschaftliche und -staatliche Richtungsentscheidungen sein soll, unterliegt in aller Regel dem Zeitgeist. Dieser Befund gilt auch für die Bundesrepublik. Zu Zeiten ihrer politischen Geburt waren sogar in der Wolle konservativ gefärbte Politiker beflissen, eine politische Lenkung aller Lebensbereiche zu fordern. Das Ahlener Programm der CDU geißelte den Kapitalismus und forderte, dass das deutsche Volk eine „gemeinwirtschaftliche Ordnung“ erhalten solle. Bekanntlich kam es dann anders, stattdessen konnte die soziale Marktwirtschaft höchst erfolgreich etabliert werden. Deren Vordenker, der einflussreiche Ökonom Walter Eucken, hat klargemacht, dass eine reine Lehre, ob sie nun libertär oder interventionistisch-lenkend daherkommt, in der Theorie funktionieren mag, aber niemals praxistauglich ist:

„Soll der Staat wenig oder viel tun? Wenig, so antworten die Anhänger des laissez faire. Viel, sagen die Anhänger der Wirtschaftspolitik zentraler Planung. Einen Mittelweg suchen die Freunde von Kompromisslösungen. […] Ob wenig oder mehr Staatstätigkeit, diese Frage geht am Wesentlichen vorbei. Es handelt sich nicht um ein quantitatives, sondern um ein qualitatives Problem. […] Der Staat hat die Formen, in denen gewirtschaftet wird, zu beeinflussen, aber er hat nicht den Wirtschaftsprozess selbst zu führen. […] Den Unterschied von Form und Prozess erkennen und danach handeln, das ist wesentlich.“  

Eucken glaubte auch nicht, dass ein modernes Gemeinwesen sinnvoll dem Primat nur eines Akteurs unterliegen könne, weder der Politik noch der Ökonomie. Vielmehr postulierte er eine „Interdependenz der Ordnungen“, das heißt, dass sich die Sphären von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fortwährend gegenseitig beeinflussen und Impulse geben. So ist jede Entscheidung Ergebnis pragmatischer Aushandlungsprozesse und unterliegt nicht den Dogmen irgendeines Primatinhabers.

Die Bundesrepublik ist mit diesem moderierenden Mittelweg der Denkschule der sozialen Marktwirtschaft lange gut gefahren: Die politische Praxis eines Ludwig Erhard war weit entfernt von Marktradikalität und auch Willy Brandt hat auf die Einführung des demokratischen Sozialismus verzichtet.

Der Berliner Republik des 21. Jahrhunderts fällt es hingegen schwerer, auf Prinzipienreiterei zu verzichten. Lange Jahre galt das Credo, dass die Globalisierung ein faktisches Primat der Ökonomie nach sich ziehen müsse: Die Verwaltung sollte schrumpfen, der Staat zeigte sich bemüht, die Quasimonopole der Daseinsvorsorge privatwirtschaftlich zu organisieren und selbst lediglich noch zu garantieren, Außenpolitik war Außenwirtschaftspolitik, Europapolitik war Finanzpolitik, Verteidigungspolitik abgelöst durch Freihandelsbestrebungen, Migrationspolitik ein eher passives „Rendezvous mit der Globalisierung“, Wirtschaftspolitik vorrangig Aufgabe der Notenbank.  Für die politische Klasse war das nicht nur ein Fluch, sondern auch ein Segen: Wer Objekt der Globalisierungsstürme ist, hat weniger Rechtfertigungsdruck für etwaige Misserfolge seiner Regierungskunst. Wo höchstens noch auf das Marktgeschehen reagiert werden kann und den Strömen und Strudeln der Weltwirtschaft gefolgt werden muss, bedarf es auch keiner weitreichenden Politikentwürfe, für die es zu überzeugen und werben gilt. Wie ein Lotse ist es vielmehr nötig, die zweifelhaften Gewässer zu lesen und auf Sicht zu fahren. Erfolg ist dann schon, wenn das Schiff nicht havariert, auch wenn das Ziel der Fahrt unbekannt bleibt.

Nun aber kommt dieser Politikstil an seine Grenzen. Während sich die politisch Verantwortlichen im bequemen Gefühl der Ohnmacht und der bloß reaktiven Politik eingerichtet haben, hat sich ein regelrechter Krisenberg aufgetürmt, welcher zunehmend ins Rutschen gerät. Da ist der Rückstand in der Digitalisierung, welcher im Bildungssystem und in der Verwaltung immer spürbarer wird. Der teils ineffektive öffentliche Dienst, welcher dem eigenen Anspruch und auch der Außenwahrnehmung einer vermeintlichen administrativen Omnipotenz nicht gerecht wird. Ein gewaltiges demografisches Problem, welches zwar seit 40 Jahren bekannt, aber weitgehend verdrängt und ungelöst ist. Öffentliche Infrastruktur, die stellenweise derart marode ist, dass sie gesperrt werden muss. Eine Energiewende, die nicht hinreichend funktioniert. Die Erschöpfung der öffentlichen Haushalte durch die Tendenz, Herausforderungen allein fiskalisch, anstatt durch Strukturreformen zu begegnen. Der russische Überfall auf die Ukraine erweist sich nun als die eine Krise zu viel. Die energiepolitischen Illusionen, über Jahrzehnte gepflegt, binnen Wochen pulverisiert. Rohstoffknappheit und unterbrochene Lieferketten führen dazu, dass die lange praktizierte Ausweitung der Geldmenge wie ein Bumerang zurückkommt. Diese Form der Reformpolitikvermeidung rächt sich jetzt, obwohl sie durch „Modern Monetary Theory“ des Gelddruckens sogar akademische Weihen erfahren hat. Plötzlich muss der postmoderne Berliner Politikbetrieb auch erkennen, dass die Theorien zum demokratischen Frieden (Demokratien führen nicht gegeneinander Krieg) keine Debatten aus dem akademischen Elfenbeinturm sind. Mithin ist es also nicht gleichgültig, ob die Handelspartner demokratisch oder autoritär verfasst sind. Damit ist eine Konstante deutscher Außenpolitik und das Fundament des bundesrepublikanischen Wachstumsmodell dahin, was in der Außenhandelsbilanz auch schon sichtbar wird. Zugleich bedürfen die vernachlässigte Bundeswehr und andere stiefmütterlich behandelte Institutionen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik einer dringenden Erneuerung, welche gewaltige Ressourcen zur Unzeit verschlingen wird.

Das alles macht eine grundlegende Neuausrichtung der Bundespolitik nötig. Fantasien, den als „Konflikt“ kaschierten Angriffskrieg „einfrieren“ zu können oder dem überfallenen Land durch geringstmögliche Unterstützung einen Waffenstillstand aufzunötigen, nach welchem sich der status quo ante bellum schnell einstellen werde und die alten Gewissheiten wieder gelten, sind nichts weiter als genau das – pure Fantasie. Selbst eine kühl in Kauf genommene Kapitulation der Ukraine – zulasten der Demokratie, zugunsten der Handelsbilanz – würde die kommode Welt billiger Rohstoffe, kostengünstiger Verteidigungsschirme, bei denen andere die Kohlen aus dem Feuer holen und eines von ethischen Überlegungen unbeleckten Außenwirtschaftsmodells nicht wiederauferstehen lassen. Denn nichts davon wäre verlässlich. Aller Reformbedarf, die meisten ökonomischen Friktionen und die militärische Bedrohung auch der Bundesrepublik blieben somit genauso bestehen.  

Die Politik wird sich also in eine neue, alte, ihr inzwischen unbequem gewordene Rolle begeben müssen: Sie muss gestalten, sie muss Strategien für die nächsten Jahrzehnte finden, sie muss Widerspruch und Konflikte aushalten, auf Wahlgeschenke und Scheckbuchdiplomatie notgedrungen verzichten, sie kann sich nicht hinter Globalisierungszwängen verstecken, sondern muss Farbe bekennen, auch wenn es nicht populär oder demoskopisch opportun ist. Allerdings sollte sie die Lehre der sozialen Marktwirtschaft dabei nicht vergessen und ins Gegenteil des bisherigen Handelns verfallen. Eine Politik, die vorgaukelt, alles regeln, alles steuern zu können, die nicht nur Ziele festlegt, sondern alles am besten weiß, wie sich das beispielsweise schon bei der mangelnden Technologieoffenheit der letzten und der aktuellen Bundesregierung bemerkbar macht, muss scheitern. Ein Primat der Politik, wie es sich rhetorisch abzeichnet, vernachlässigt die Interdependenzen mit anderen Ordnungssystemen der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Der Anspruch, jedes Lebensrisiko abfedern zu können, Autos am politischen grünen Tisch zu designen, oder nicht nur Nullemissionsziele, sondern auch den Pfad dorthin exakt festlegen zu können, ist eine Selbstüberschätzung, welche enttäuschen muss. Aber es braucht den Mut, im Sinne Walter Euckens neue Formen zu gestalten und zu erstreiten. Nur so kann eine auch außenpolitisch nachhaltigere Form des Wirtschaftens und ein verträgliches Wachstum, welches auch in Zukunft Spielräume eröffnet, mit den Herausforderungen der Demografie und der dringend notwendigen Modernisierung der sklerotischen staatlichen Institutionen fertig zu werden, realisiert werden.

Quelle: Pies, Ingo (2011): Walter Eucken als Klassiker der Ordnungsethik: Eine ordonomische Rekonstruktion, Diskussionspapier, No. 2011-3, Halle (Saale)

StadtMensch: Kinderbücher und andere Aufreger

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Lars Johansen

Was ich als Kind gelesen habe, das muss ich als Erwachsener nicht mehr mögen. Oder ich mag es immer noch, weil ich vielleicht nie so ganz erwachsen geworden bin. Immer wenn ich Menschen meines Alters treffe, die von den Büchern um Harry Potter sehr begeistert sind, dann freue ich mich, dass sie gerne zu lesen scheinen und denke trotzdem bei mir, dass es doch eigentlich „nur“ Jugendbücher sind, die „man“ jetzt nicht mehr liest. Aber wie die Anführungszeichen zeigen, sind das nur Gedanken, die mir manchmal durch den Kopf gehen. Ich behalte das zum einen für mich und zum anderen weiß ich um meine Vorlieben bei Literatur und da sind einige Werke dabei, über deren Lektüre ich möglicherweise öffentlich richten würde, obwohl ich sie gerne mag. Es ist eben schwierig.

Noch schwieriger wird es, wenn Ideologien aufeinandertreffen. Die ganze Diskussion um Karl May beispielsweise war eine reine Inszenierung einer großen deutschen Boulevardzeitung. Da wurde nicht recherchiert, sondern vorverurteilt, behauptet und zusammen gemengt. Das Ergebnis dieser Denkfaulheit wurde dann zum allfälligen Einwerben von Klicks auf ebendiese Artikel im Internet verwendet. Man bezeichnet diesen Vorgang auch gerne als Clickbaiting. Eine Nullmeldung mit einer martialischen Überschrift vermag mehr Leser zu generieren als eine seriös und aufwändig recherchierte Reportage. Auch ich falle regelmäßig darauf herein, obwohl ich mich für einigermaßen resilient halte. In diesem Fall sah ich nur staunend dabei zu, wie sich eine Verteidigungslinie für Karl May aufbaute, der gar nicht angegriffen worden war. Denn eigentlich ging es um einen Verlag, der Kasse machen wollte, indem er ein von Lohnschreibern schnell zusammengeschmiertes Buch zu einem mittelmäßigen Kinderfilm auf den Markt warf. Darauf soll es Reaktionen gegeben haben, die der Verlag zwar behauptete, aber nie verifizierte. Hatte vielleicht nur ein empörter Lehrer, es sind immer Lehrer oder Lehrerinnen, dort angerufen oder gemailt? Wir werden es nie erfahren, denn auch auf Nachfrage gab es keine Informationen von Seiten des Verlages, welcher sich ohnehin sehr bedeckt hielt, was den konkreten Vorgang betraf. Die diffuse Mitteilung, aufgrund von Protesten würde man das Buch zurückziehen, ist alles, was sich dazu finden lässt. Aber nun brach ein Sturm los und auf einmal ging es um Karl May, obwohl der Film zwar eine Figur namens Winnetou auffuhr, die aber nur sehr bedingt mit den Filmen aus den 60er-Jahren und überhaupt nichts mit den Büchern Mays zu tun hatte.

Aber manchmal muss man eben einen Nebenkriegsschauplatz aufbauen, wenn ein intelligentes Gespräch über Kultur nicht mehr möglich ist. Kulturelle Aneignung ist ein Stichwort, das in so einem Zusammenhang gerne mal fällt und der Diskurs darüber wird dann so lange simplifiziert bis als Botschaft nur noch übrig bleibt, dass das eigene Kind nicht mehr als Indianer zum Fasching gehen darf. Das hat zwar niemand gesagt, genau so wenig übrigens wie die alten Winnetou-Filme nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen dürfen. Das tun sie in der ARD schon seit zwei Jahren nicht mehr und niemand scheint sie vermisst zu haben, doch das ZDF möchte sie wieder zeigen. Also könnte alles gut sein, aber wenn der Furor tobt, dann richtig. Auf einmal zeigte jeder seine Karl-May-Bücher vor und dass man sie immer wieder lesen würde und jetzt erst recht im Widerstand gegen die finstere Unterdrückung durch junge, politisch überkorrekte Widerlinge. Als ob irgendjemand die Bücher noch zum Feierabend zur Hand nehmen würde, posierte ein Volk von Literaturkritikern mit den Werken aus ihren Bücherschränken. „Wir lassen uns das Lesen nicht verbieten“, so klang es durch die Straßen, als würde ein übermächtiger Staat, die rotgrüne Diktatur, den armen Menschen, die es sich nicht einmal mehr leisten können, zu heizen, jetzt auch noch das Lesen verbieten. Das kannten wir noch, weil uns als Kindern das Lesen unter der Bettdecke von den Eltern verboten wurde. Und so wurden wir wieder zu den Kindern von damals, die sich endlich gegen die Eltern wehrten.

Dabei eignet sich gerade Karl May nur schwer für so einen Kulturkampf. Der von mir hochgeschätzte Arno Schmidt hatte sich ja bei dem monumentalen Werk „Sitara und der Weg dorthin“ bei dem Versuch verhoben, May mit Freunds Psychoanalyse zu interpretieren. Er versuchte, den Autor zum Schwulenfeind zu erklären, der mit seiner eigenen Sexualität große Probleme gehabt hätte, was ja auch die große Zahl von transsexuellen Figuren in seinen Romanen, wie zum Beispiel Tante Droll und andere, deutlich beweisen würden. Bewiesen hat er damit nur seine eigene Verklemmtheit und eigentlich schätzte er May sehr, wie sein Freund Hans Wollschläger bewiesen hat. Viel interessanter in diesem Zusammenhang ist, dass May ein Zensurfall in der deutsch-deutschen Geschichte ist. Denn die ost- und westdeutschen Ausgaben unterschieden sich teilweise beträchtlich voneinander, vollständig waren beide nicht und erst eine von Wollschläger mitverantwortete Gesamtausgabe aus den 80er-Jahren vermochte wieder den originalen May zu Wort kommen zu lassen. Als Beispiel möge hier die Figur des Klekih-petra dienen, welcher bei den Apachen lebte und Winnetous Lehrer war. Dieser war ein Deutscher, der nach der Revolution von 1848 nach Amerika auswanderte. In den DDR-Ausgaben war das wegen der gescheiterten Revolution passiert, in den westdeutschen, weil es die Revolution überhaupt gegeben hatte. Die Wahrheit bei May lag irgendwo in der Mitte und war nicht so leicht wie man es sich von offizieller Seite gewünscht hatte. Deshalb wurde gepanscht und zensiert, in beiden Teilen Deutschlands. Aber deshalb regt sich niemand auf, denn das hätte ja Substanz. Wenn wir uns heute erregen wollen, dann muss es auch um nichts gehen dürfen. Und das ist sehr schade.

Nachwachsende Probleme mit dem Nachwuchs

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Die Suche nach Arbeitskräften und Auszubildenden ist in vielen Branchen groß. Angebot und Nachfrage driften immer weiter auseinander. Und es ist keine Besserung in Sicht. Eine Bestandsaufnahme.

Kinder sind unsere Zukunft! Dieser Satz wird oft bemüht, aber eigentlich falsch verwendet. Zunächst sind es die Generationen der Erwachsenen, die Kindern eine Zukunft ermöglichen sowie für die eigene sorgen müssen. Mit der eigenen Zukunft stehen wir als Gesellschaft seit gut 30 Jahren nicht im Einklang, zumindest wenn wir die demografischen Aspekte der Entwicklung betrachten. Heute zeigen sich seit Jahrzehnten beschworene Schwierigkeiten im sogenannten Fachkräftemangel. Laut Statistischem Landesamt Sachsen-Anhalt lebten per 31. Dezember 2021 179.385 Jugendliche im Alter von 15 bis unter 25 Jahren im Land. Die Anzahl hat sich seit 1990 von damals 360.703 Jugendlichen halbiert. Damit ist auch der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung Sachsen-Anhalts von 12,6 Prozent auf 8,3 Prozent gesunken. Auch deutschlandweit lag der Anteil dieser Altersgruppe zuletzt nur noch bei 10 Prozent.

Neben der geringer werdenden Anzahl junger Menschen bleibt der Anteil der Schulabsolventen mit einer Zugangsberechtigung für ein Studium hoch. Im Jahr 2020 lag die Studienberechtigtenquote in Deutschland bei 46,8 Prozent. Damit steigt der Druck für Betriebe, genügend Nachwuchs zu gewinnen. Anfang September stellte die neue Chefin der Bundesarbeitsagentur, Andrea Nahles, die Lage am Ausbildungsmarkt vor. Nach den Erhebungen der Behörde wurden insgesamt 519.500 betriebliche Ausbildungsplätze gemeldet. Diesen gegenüber standen jedoch bundesweit nur 407.600 Bewerberinnen und Bewerber. Junge Menschen sind also am Arbeitsmarkt so begehrt wie nie. Schulabsolventen haben demnach so viele Auswahlmöglichkeiten wie nie zuvor.

 Derzeit gibt es 324 anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland. Theoretisch müssten eigentlich alle Jugendlichen mit einem Wunschberuf versorgt werden können. Doch so wie von Jahr zu Jahr die Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen steigt, wächst auf der anderen Seite die Zahl der unversorgten Bewerber. Die Diskrepanz ergibt sich daraus, dass Angebot und Nachfrage regional oft nicht zusammenpassen. Während es beispielsweise auf die angebotenen Ausbildungsplätze für medizinische Fachangestellte, Mediengestalter oder Tierpfleger ausreichend Bewerber gibt, bleiben viele Stellen im Einzelhandel, im Handwerk und im Hotel- und Gaststättengewerbe unbesetzt. Ein großer namhafter Einzelhandelsbetrieb in Magdeburg erhielt in diesem Jahr nicht eine Bewerbung für eine Ausbildung zum Fachverkäufer.

Der Run auf die Hochschulen ist dafür nach wie vor ungebrochen während viele Ausbildungsberufe kaum nachgefragt werden. In den Südländern wie Bayern und Baden-Württemberg kommen inzwischen auf einen Bewerber zwei Ausbildungsplätze. In Berlin ist dagegen die Anzahl der Bewerber höher als die angebotenen Stellen. Jugendliche sind bei Aufnahme ihrer Ausbildung in der Regel noch nicht volljährig und leben im elterlichen Haushalt. Um eine gewünschte Ausbildung in einem anderen Bundesland aufzunehmen, müssten Wohnraum und Lebenshaltungskosten durch die Eltern getragen werden. Beim angespannten Wohnungsmarkt in München wird das zum Beispiel für die meisten nicht zu leisten sein.

Ein weiterer Trend unterläuft den Ausbildungsmarkt. Jugendliche treffen ihre Berufswahl heute nicht nur aufgrund von Verdienstmöglichkeiten. Faire Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit mit Freizeit oder später Familie spielen inzwischen eine große Rolle. Einerseits weniger junge Menschen, die ins Berufsleben drängen und die Ansprüche nach kürzeren Arbeitszeiten verschärfen die Diskrepanz zwischen Leistungsgesellschaft und Wohlfühlgemeinschaft. Heute könnte man das Fazit ziehen, dass Ausbildungsberufe eher mit sinnvollen Tätigkeiten als dem großen Geld punkten. Hinzu kommt, dass die gesellschaftliche Anerkennung für sogenannte „normale“ Berufe eher weiter sinkt. Laufbahnen mit einem akademischen Ausbildungsweg stehen nach wie vor hoch im Kurs.

Ein weiteres Defizit, dass heute öfter in Betrieben beklagt wird, sind abnehmende Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten. Dem gegenüber stehen von Jahr zu Jahr veröffentlichte bessere Notendurchschnitte. Dies ist eher ein Indiz dafür, dass die Leistungsanforderungen in Schulen aber auch an Hochschulen gesenkt werden. Außerdem steigt derzeit die Skepsis auch bei jungen Menschen, dass der Krieg in der Ukraine keine rosigen Aussichten schafft. Bedenkt man, dass heute in vielen Arbeitsbereichen auch noch Quotenregelungen beachtet werden sollen, verschärft dies zusätzlich die Kluft zwischen Ausbildungsangebot und -nachfrage. Auch die Zuwanderung nach Deutschland konnte bisher die Lücken der demografischen Entwicklung in keiner Weise schließen.

Unter dem anhaltenden Trend wird die Suche nach Arbeitskräften für viele Betriebe mittlerweile zu einer Existenzfrage. Aktuell sind knapp 1,1 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 64 und 65 Jahre alt. Diese Gruppe geht also in Kürze in die Rente. Bei den 14- und 15-Jährigen, die im selben Zeitraum eine Lehre beginnen können, gibt es nur 740.000 Jugendliche. Zahlreiche Arbeiten werden in einigen Jahren offenbar nicht mehr geleistet werden. Die Nachwuchsprobleme bleiben deshalb ein nachwachsendes gesamtgesellschaftliches Problem.

Von Thomas Wischnewski

Neuer Chick, neuer Spaß, neue Küche

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Hinter der Fassade des Kabaretts „nach Hengstmanns“ im Breiten Weg 37. Der Bodenbelag wird erneuert, Lampen ausgetauscht, die Wände bekommen neue Farben. Bereits nach dem Sommertheater haben Sebastian und Tobias Hengstmann und ihre Frauen, unterstützt von Matthias Köhne und Clemens Scherenberg, mit den Renovierungsarbeiten begonnen. Hier legen nicht nur die Chefs selbst Hand an – alle machen mit. Gemeinsam wurde sogar per Abstimmung über den neuen Farbton entschieden.

Seit 14 Jahren hat das Privatkabarett sein Domizil in diesen Räumen. „Es wurde Zeit für Veränderung“, sagt Tobias Hengstmanns. Bis zum Start in die Spielzeit soll alles fertig sein. Zur Eröffnung wird am 16. September ab 16 Uhr zu einem kleinen Straßenfest vor dem Kabarett eingeladen. Dann spielen nicht nur die Hengstmanns, als musikalischer Gast wird Garry O’Connor angekündigt. Und aus der Gastronomie gibt es Snacks als „Gruß aus der Küche“. Dann können sich die Gäste selbst einen Eindruck davon verschaffen, dass es nicht nur künstlerisch, sondern auch kulinarisch voran geht. Die Versorgung übernimmt ab sofort „Hengstmanns Gastro“. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Brüder selbst am Herd stehen und von der Pfanne weg auf die Bühne laufen, antwortet Tobias Hengstmann auf die entsprechende Frage. Vielmehr seien „zwei sehr gute Köche“ eingestellt worden, außerdem ist die Bar neu besetzt. Künftig wird alles nachhaltig und regional sein, was auf den Teller und aus dem Hahn kommt, betonen die Hengstmanns. Lebensmittel aus der Region, Frisches vom Markt. Wein wird von deutschen Winzern geliefert, das Bier kommt vom „Sudenburger“.

Die erste Premiere ist für den 21. September angekündigt. „Listig, Lustig!“ ist der Titel und erzählt ein Stück Familiengeschichte. Anlass ist das Bühnenjubiläum von Frank Hengstmann, das im vorigen Jahr wegen Corona ausfallen musste. Jetzt heißt es eben: „60+1“. Passend dazu wird im Kabarettsaal eine Ausstellung mit Bildern von Rayk Weber gezeigt. Arbeitstitel: „Mein Moment mit dem Alten“. Eine Reminiszenz an Kabarett-Vater Frank Hengstmann. Der Fotograf hat die Kabarettisten über längere Zeit mit der Kamera begleitet und insbesondere gemeinsame Momente mit dem „Urgestein“ Frank festgehalten.

Die erste Bruder-Premiere ist für den 3. November angekündigt: „Jetzt mal ernsthaft“ soll es werden. Davor und danach locken wieder „3 Mann in einer Not“, das brüderliche „Positiv!“ und verschiedene Gastspiele wie von Micha Marx, „Weltkritik“ und „Harmoniedergang“. Termine und Karten unter hengstmanns.de (ab)

Römers Reich: Intoleranz der Toleranten

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Der Chef der Bundesnetzagentur Klaus Müller klagte Anfang September, dass die Deutschen es mit dem Energiesparen noch nicht richtig ernst nehmen würden. Während der ersten kühlen Tage sei mehr Wärmeenergie verbraucht worden als die Sparziele vorgegeben hätten. Die Bürger müssten Heizungen nach unten regulieren. Müller vermittelte mit seiner Kritik, dass zahlreiche Menschen offenbar nicht mit einem Thermostat oder ihrer Heizungssteuerung umgehen könnten. Es ist inzwischen scheinbar zu einer Mode geworden, die Bevölkerung auf ihre Verhaltens- und Verstehensdefizite hinzuweisen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck wurde kürzlich im Fernsehen auch ganz falsch verstanden. Schließlich hatte er ja gar nicht über Insolvenzen gesprochen, sondern von Betriebsschließungen. Dass eine Betriebsaufgabe in der Regel mit Abfindungsansprüchen für Arbeitnehmer, Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen verbunden ist, die einen großen finanziellen Rattenschwanz nach sich ziehen, hat der Minister einfach mal ausgeblendet. Das ist insofern noch fragwürdiger, weil die Partei der Grünen eigentlich vehemente Kritiker neoliberaler Wirtschaftspolitik sein wollen. Herr Habeck beweist nun mit einem Satz, dass der Markt eben regele, welche Firma verschwinden sollte, weil Betriebskosten – insbesondere durch hohe Energiekosten – nicht mehr erwirtschaftet werden könnten. Das linke und soziale Gewissen, mit denen sich grüne Politiker gern schmücken, spiegelt sich in Habeckschen Ansichten jedenfalls nicht wider. Gerade eine Partei, die sich Gerechtigkeit in Sprachregelungen und andere Benennungssensibilitäten auf die Fahne geschrieben hat, gehen Lebensschicksale von Menschen, egal ob Unternehmer oder deren Mitarbeiter so ziemlich am Allerwertesten vorbei.

Mir machen solche Argumentationen Angst. Das käme einer Vorstellung gleich, als wenn ein Arzt lebenserhaltende Maßnahmen an überlebensfähigen Patienten einstellen würde. Wer in seiner Rede so viel Gleichgültigkeit an den Tag legt und gleichfalls unzähligen Menschen unterstellt, sie würden missverstehen, zeigt Respektlosigkeit. Toleranz gegenüber vielfältigen Lebensentwürfen – auch das ist ein Motto, dass zum Kern grüner Politik gehörte. Inzwischen ist wohl eine gehörige Portion Intoleranz in die Propheten der Toleranz eingewachsen. Ein anderes passendes Wort, dass zur heutigen Entwicklung von Regierungsarbeit passen würde, heißt Arroganz. Übrigens, die Profiteure der Energiepreisentwicklung sind heute vor allem Betreiber von Windkraftanlagen. Ein Schelm, wer nun denken wollte, dass grüne Energiepolitik Profite in die richtigen Taschen spülen würde. Gott sei Dank verstehen Bürger solche komplizierten Zusammenhänge nicht.

Axel Römer

Meter 35: Speisesaal, Archiv, Museum, Kirche – Der Remter

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Erzählungen aus der gotischen Kathedrale I von Michael Ronshausen

Kaum ein anderer Raum im unmittelbaren Weichbild des Doms hat während der vergangenen sieben Jahrhunderte eine derart verschiedentliche Nutzung erlebt wie der Domremter. Der den Kreuzgang auf der Ostseite abschließende Bau gab am Anfang seinem bis heute bestehenden Namen „Remter“ (Refektorium) alle Ehre – er war der Speisesaal der Domherren und diente wohl den weniger bedeutenden Herrschaften, die im Dom tätig waren, eben diesem Zweck. Wie sich der „Kantinenbetrieb“ abgespielt hat, kann man heute nur noch erahnen. Vor allem im späten 19. Jahrhundert ist im Weichbild des Remters baulich viel verändert worden. Als sicher darf gelten, dass es im Mittelalter und zeitlich darüber hinaus baulich vom Remter getrennte Küchengebäude gab. Dabei dachte der mittelalterliche Mensch nicht nur an Essen, sondern auch an Feuer – und diesem Problem konnte man nur mit gehörigem Abstand begegnen.

Und tatsächlich war es ein Feuer, dass die Geschichte des bedeutendsten Nebenbaus des Doms beinahe beendet hätte. 1891 ist das aus dem Mittelalter stammende Obergeschoss des Remters komplett abgebrannt. Vermutlich waren es nur ein wenig Glück und reichlich massive Bauweise, wodurch der Remter gerettet werden konnte. Das Gebäude besteht daher heute aus einem unteren Teil des 14. Jahrhunderts (dem eigentlichen Remter), und einem um 1900 errichteten Neubau, der kirchenarchivarischen Zwecken dient. Welche Dimension der hinter dem Dom versteckt liegende Bau hat, wird erkennbar, wenn man mittels Luftbild die Dächer des Remters und des Landhauses vergleicht.

Zwischenzeitlich diente der Remter im 19. Jahrhundert als Archiv. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand die Idee, den Raum einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bis 1909 wurde ein Museum in Form eines Lapidariums eingerichtet, sozusagen der vorübergehende Vorgänger des heutigen Dommuseums in der ehemaligen Reichsbank. Die Schau manifestierte sich hauptsächlich durch ausgetauschte Bauteile, beschädigte Figuren und übriggebliebene Zierelemente. Die Sammlung wird kaum die museale Qualität des heutigen Dommuseums erreicht haben. Trotzdem springt dem Betrachter ein Foto aus der Zeit kurz nach 1909 ins Auge. Mitten im Remter sieht man einen riesigen Sandstein-Koloss: ein großer Teil der ersten Nordturm-Kreuzblume aus der Zeit kurz vor 1520. Diese war 300 Jahre später so verwittert, dass man sie ersetzen musste. Leider unbekannt ist der vorherige wie auch spätere Verbleib des Bauteils außerhalb der Existenzzeit des damaligen Museums.

Ab 1944 – rund 650 Jahre nach seiner Errichtung – bekam der Remter eine neue Aufgabe zugewiesen. Der zweischiffige und noch von antiken römischen Säulen getragene Bau wurde zur Kirche umgestaltet, weil es im Dom inzwischen zu ersten Schäden durch die Luftangriffe gekommen war. Nach dem Krieg erhielt er erstmals eine Orgel, die allerdings vor wenigen Jahren durch einen Neubau ersetzt werden musste und die neben der gottesdienstlichen Nutzung auch bei Konzerten bespielt werden kann. Im Gegensatz zum Dom ist der Remter auch heute noch beheizbar, wodurch er in der kalten Jahreszeit zur Winterkirche der Domgemeinde wird.


BU: Blick in den Remter, kurz nach 1909



Mit den Puppen zurück auf los

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Optimistisch … positiv. Diese Wörter kommen Michael Kempchen, Intendant des Puppentheaters Magdeburg, zur Auftaktveranstaltung für die Spielzeit 2022/ 2023 häufiger über die Lippen. Sowohl bei seinem Rückblick auf die vergangene Spielzeit wie auch bei seinem Ausblick auf die kommenden Wochen und Monate. Trotz der Einschränkungen 2021/2022 zeigt sich der Intendant zufrieden: „In der vergangenen Spielzeit konnten wir mehr als 37.000 Besucher empfangen. Das waren zwar circa 15.000 weniger als in den Jahren vor Corona. Aber im Vergleich zu den Anfängen der Pandemie, als wir aufgrund von Lockdown, Abstand und anderen Maßnahmen nur etwas mehr als 11.000 Gäste begrüßen konnten, ist das eine sehr positive Entwicklung.“ Auch die rekordverdächtige Anzahl von zehn Premieren lassen die Augen des Intendanten, der in dieser Funktion seine finale Spielzeit bestreiten wird, leuchten. „Natürlich ist dies auch den Auswirkungen der Pandemie geschuldet. Wir haben Verschobenes nachgeholt, Neues eingebracht, unser Festival Blickwechsel in drei Akten gefeiert und noch dazu 20 Vorstellungen Hofspektakel gegeben. All das unter einen Hut zu bringen, war eine Herausforderung, die wir gut gemeistert haben“, so Michael Kempchen.

Und ebenso optimistisch verspricht der Intendant, rasant in den Herbst starten zu wollen. Das Motto für die bevorstehende Spielzeit „Zurück auf los“ verspricht genau das zu halten. „Nachdem wir mehrmals ausgebremst wurden, legen wir wieder mit voller Kraft los“, erklärt Michael Kempchen und fügt an: „Bleibt nur die Frage, wie frei wir sein werden, um diese Spielzeit zu gestalten.“ Die Themen Coronavirus, Energiekrise, steigende Preise hängen wie das Schwert des Damokles auch über den Köpfen der Kulturschaffenden. Einige Ideen stehen im Raum – etwa die Umstellung der Beleuchtung auf LED weiter voranzutreiben, die Temperatur in bestimmten Räumen zu reduzieren oder die Außenbeleuchtung für einen kürzeren Zeitraum anzuschalten. „Wir werden weitere Maßnahmen diskutieren. Aber auf keinen Fall werden wir Abstriche an Angebot und Qualität zulassen“, versichert Michael Kempchen.

Insgesamt fünf Premieren, zwei Uraufführungen und zwei Sonderausstellungen in der Figurensammlung stehen auf dem Plan der Spielzeit 2022/2023. In den sieben Neuproduktionen geht das Ensemble gleich mehreren Fragen nach: Wie besinnen wir uns in dieser Zeitenwende auf Werte, die uns den gesellschaftlichen Wandel menschenwürdig gestalten lassen? Worauf gründet sich unser Wohlstand – auf den äußeren Schein, Gier, Reichtum, Aneignung? Und: Welchen Stellenwert haben Identität, Haltung und die Position eines Individuums in der Gesellschaft?

Zu den Höhepunkten der Spielzeit zählt Chefdramaturgin Dr. Petra Szemacha das Stück „Le grand tour“ (ab 16), das am 17. März 2023 uraufgeführt wird. „Dabei reisen wir mit zwei hemmungslos assoziierenden Philosophen durch das 18. Jahrhundert, in die Welt des wohl größenwahnsinnigsten Projekts der aufklärerischen Zeit – die allumfassende Enzyklopädie von Diderot – und beschäftigen uns mit Themen wie Kolonialismus.“ Ebenfalls großes Augenmerk legt die Chefdramaturgin, die mit dem Beginn dieser Spielzeit die Betreuung des Ensembles und Aufgaben der künstlerischen Leitung übernimmt, auf „Re-Member“ (Uraufführung: 12. April 2023; ab 16). In Kooperation mit dem Théâtre de l’Entrouvert (Frankreich), dem Vélo Théâtre (Frankreich) und dem Théâtre Export Deutschland ist eine Ode an die Natur und das Leben entstanden. Das Ensemble des Puppentheaters untersucht gemeinsam mit den Co-Regisseurinnen Élise Vigneron (Apt, Frankreich) und Julika Mayer (Stuttgart) die Beziehung der Menschen zur Welt des Lebendigen und Nicht-Lebendigen.

Und nicht zu vergessen: das Hofspektakel! „Der Drache“, eine Märchenkomödie von Jewgeni Schwarz, feiert am 6. Juli 2023 Premiere. „Aufgrund der anstehenden Sanierungsarbeiten am Kutscherhaus wird das Hofspektakel im Innenhof des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen aufgeführt – einem Ort, der viel Zauber ermöglicht“, so Petra Szemacha. „Mit Bezug auf das Stück wird es zudem eine Ausstellung im Kunstmuseum geben sowie eine Sonderausstellung in der villa p.“ Tina Heinz

Standpunkt Breiter Weg: Zwischen oben und unten

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Es wird viel über die Spaltung der Gesellschaft geredet oder über eine zunehmende Polarisierung. Politisch macht man ein Zerren von den linken und rechten Rändern aus. Seit 2015 erleben wir starke Verwerfungen, Migration, Klima- und Energiedebatten, Pandemie-Einschnitte und nun einen Krieg, der mit Preiserhöhungen in die Heizkörper und Steckdosen deutscher Wohnzimmer einzieht.

Die Spaltung der Gesellschaft kann man an politischen Lagern festmachen. Aber es existiert eine andere Drift, die viel mehr Zündstoff enthält als parteipolitische Parolen. Der Abstand zwischen oben und unten wird größer. Und mit oben sind nicht nur die 134 deutschen Milliardäre sowie die rund 1,6 Millionen Millionäre im Land gemeint. Der Schnitt verläuft tiefer, nämlich zwischen Menschen, die existenziell gut situiert sind und solchen, die gerade so über die Runden kommen.

Ein Katalysator dieser Entwicklung ist, dass sich Menschen mit knappen wirtschaftlichen Ressourcen in der öffentlichen Debatte kaum noch repräsentiert sehen. Sogar die Deutungshoheit über ihr Dasein wird von der relativ wohlhabenden Gruppe bestimmt. Nicht das Wort Umverteilung, mit dem ein sozialer Ausgleich realisiert werden soll, passt in der Debatte. Unten in der Gesellschaft erlebt man eher den Begriff einer Zuteilungsgerechtigkeit. Wer mit geringem Einkommen dasteht, erhält in der Regel aus den Hilfspaketen der Regierung ein paar Almosen. Deutungshoheit wird meistens in Sphären ausgeübt, in denen theoretische Sichtweisen überwiegen und kaum reale Erfahrung vorherrscht, wie sich ein Dasein im Bodensatz der Gesellschaft anfühlt. In Parlamentsdebatten und TV-Talkshows lösen sich die Probleme vieler Menschen nicht. Und Gerede darüber, wie man den sogenannten Schwachen helfen wollte, ist noch lange keine Hilfe. „Steuergeschenke“ aus Steuern halten die Preisentwicklung nicht auf, sparen keine Energie und zahlen keine Miete. Das Dozieren von oben, wie man unten verstehen solle, warum die Entwicklung unausweichlich, aushaltbar und alternativlos sei, ist üble Arroganz, die sich über die Köpfe von Millionen Menschen erhebt. Es sieht nicht danach aus, dass sich oben viele Anwälte für Betroffene von unten finden lassen. Man redet weiter über Probleme von Leuten, die man selbst nicht hat. Darin wuchert der gefährliche Geist dieser Zeit. Oben lässt es sich auch in der Krise gut schweben, unten kann man damit allerdings schwer leben.

Thomas Wischnewski