Böhmens Holzfäller flößten Holz für Dombau

Dr. Frank Thiel, oberster Flößer in Sachsen-Anhalt, will das alte Gewerbe Flößerei künftig als
„Immaterielles Kulturerbe der Menschheit“ etablieren | von Jürgen Haase

folgt uns für weitere News

Einen ganz besonderen Traum hat Dr. Frank Thiel. Der Magdeburger, seines Zeichens derzeit obers-ter Flößer in Sachsen-Anhalt, will auf den Strom. Und das mit genügend Holz unter den Füßen, einem Dach über einer Koch- und Schlafstelle und Proviant für einige Tage. Gemeint ist damit eine Fahrt auf einem echten, nachgebauten Elbefloß. Diesem Ziel ist der ehemalige Landtagsabgeordnete und Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Flößervereinigung im vergangenen Jahr wieder ein Stück näher gekommen. Nach der Interessenbekundung und aktiven Unterstützung durch das Kulturbüro der Landeshauptstadt und dem Interesse vieler Vereine, der Otto-von-Guericke-Universität und dem Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalts kommt nun auch vom Land das Signal „wir sind an diesem einmaligen immateriellen Kulturgut in und für Sachsen-Anhalt stark interessiert”.

Geht es doch um nichts Geringeres als den Erhalt der Erinnerung an ein sehr altes und traditionelles Gewerbe, welches den Menschen links und rechts der Elbe Wohlstand, Handel und Wandel und ein stabiles Dach über dem Kopf versprach. Die zunehmend in Vergessenheit geratene Flößerei auf der Elbe und ihren Nebenflüssen für die Jugend und Nachwelt lebendig zu halten, wird nun schrittweise weiter aufgearbeitet werden, freut sich Frank Thiel. Sind doch auch im Domgebälk zu Magdeburg die Hölzer aus dem Böhmischen unverkennbar zu finden.

Der Mann, oft in nachempfundener Flößertracht zu erleben, ist mittlerweile weit über die Grenzen Sachsen-Anhalts, ja Deutschlands, ein gefragter Mann. Als Beisitzer im Vorstand der Internationalen Flößervereinigung IATR ist Frank Thiel eine der maßgeblichen Organisatoren und Macher bei der Erarbeitung des multinationalen Antrags an die Unesco, dieses alte Gewerbe Flößerei als „Immaterielles Kulturerbe der Menschheit“ anzuerkennen. Die Entscheidung dazu wird 2022 bekannt gegeben.

Mit „auf dem Floß“, so stellt der auch als Vorsitzender der Flößer am Elsterfloßgraben in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt fungierende Heimatforscher klar, fahren dabei gemeinsam die Flößer aus Deutschland, Polen, Tschechien, Lettland, Österreich und Spanien. In all diesen „Holzländern” genießt das Flößerhandwerk noch heute große Beachtung und Anerkennung auch bei jüngeren Menschen. Dass Magdeburg als mittelalterlicher Stapel- und Handelsplatz in der Traditionspflege dieses Handwerks mit einer schweren, aber umweltfreundlichen Transportmethode auf dem Wasser einen gebührenden Platz einnimmt, dafür kämpft der engagierte Flößer seit mehreren Jahren mit wachsendem Erfolg. Neben den Wanderungen entlang der geschichtlich interessanten Floßhaltepunkte in Magdeburg soll bald ein echtes Elbe-Floß, von den Uhlstädter Flößern erbaut, zwischen Schönebeck und Rogätz auf der Elbe fahren, ein Musterfloß in Schönebeck ausgestellt werden und einiges wird noch im musealen Bereich geschehen. Auch an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sind Vorträge zum Thema Flößen in den Studien Ü50 für das kommende Jahr wieder eingeplant. „Mitmacher sind in Sachen Flößerei in Magdeburg immer willkommen”, so Frank Thiel, der unter Telefon +49 1703204966 oder per Mail elbefloesser@gmx.de erreichbar ist.