Donnerstag, Juni 30, 2022
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Bronzeglocken für Kanonen geopfert

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Das erste Kirchengebäude der Gemeinde in der „Friedrichstadt”, dem heutigen Brückfeld am östlichen Ufer der Elbe, reichte um 1865 nicht mehr aus, um der stetig wachsenden Gemeinde ein Dach zu geben. Die Friedrichstadt geht aus einer Befestigungsanlage, versehen mit einem Blockhaus, hervor, die Kurfürst Moritz von Sachsen während seiner Belagerungszeit 1551 hatte anlegen lassen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Festungswerk wiederaufgebaut und durch eine Brücke mit der Stadt Magdeburg verbunden. 1735 begann auf Befehl von König Friedrich Wilhelm I. die Bebauung dieses Territoriums östlich der Elbe, das bis Ende des Zweiten Weltkriegs als damals größte militärische Ausbildungsstätte Mitteldeutschlands mit zahlreichen Kasernen anwuchs. Auf Fürst Leopold von Anhalt geht es wiederum zurück, dass sich in der Friedrichstadt neben Tuchmachern, Webern auch viele Bierbrauer ansiedelten. Da unter den Einwohnern Wallonen und Pfälzer zu finden waren, setzte sich die Bevölkerung der Friedrichstadt vorwiegend aus Reformierten und Lutheranern zusammen. Ein Turmfähnchen mit der Jahreszahl 1798 erinnerte an die Kabinettsorder König Friedrich Wilhelms II. vom 8. Mai. Darin vermerkt ist, dass das Haus der Gemeinde als Geschenk übereignet worden ist. Im Jahre 1820 schenkte der Magistrat Magdeburgs der Gemeinde eine Orgel, eine Glocke konnte die Gemeinde 1822 anschaffen. 1824 kam eine Turmuhr hinzu. Am 4. November 1865 entschied die königliche Regierung durch Resolution, „daß in der Friedrichstadt eine neue Kirche zu erbauen sei”. 1880 erfolgte daher ein Neubau im neogotischen Stil, der zwei Jahre später seine Weihe erhielt. Nach 15 Jahren ihres Bestehens erhielt das Gotteshaus den Namen „Lutherkirche”. Im Kriegsjahr 1917 opferte man zwei der drei einst von Kaiser Wilhelm I. geschenkten Bronzeglocken für den Bau von Kanonen. 1936 sollte die Grünanlage um Kirche und Pfarrhaus neugestaltet werden, zu der auch der damalige Reichskanzlers Adolf Hitler mit einer Spende in Höhe von 200 Mark beitrug. Am 7. November erteilte die Staatspolizei die Genehmigung, eine Hitler-Eiche vor der Lutherkirche zu pflanzen.

Am 21. Januar 1944 wurde die Lutherkirche bei einem Bombenangriff getroffen. Die Ruine wurde später abgerissen und auf ihrem Gelände entstanden nach dem Krieg Wohnhäuser. Der Kirchengemeinde wurde zum Ausgleich ein Grundstück zugewiesen, doch ein Kirchenneubau kam nicht zu Stande, weil die Rote Armee dieses Gelände bis 1994 nutzte. Seit der Zerstörung der Lutherkirche ist die Gemeinde – seit 1986 unter dem Namen „Trinitatisgemeinde” mit der Magdeburger St. Johannisgemeinde vereint – in der Ida-Hubbe-Kapelle, Berliner Chaussee 42, zu Hause. Sie versteht sich als Gemeinde der „Geistlichen Gemeindeerneuerung”.

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