Corona Ausgangsbeschränkungen: Im Irrgarten von Für und Wider

Die Ausgangsbeschränkungen wurden gelockert – also alles wieder im normalen Gang? Was für die einen ein Schritt in die Normalität ist, eröffnet für die anderen die nächsten Probleme. Wie durch ein Labyrinth scheinen sich alle neu orientieren zu müssen. Was soll, muss beachtet werden? Welche Hindernisse tun sich auf?

Wer sich zum Feier(Himmelfahrts-)tag umsah, nicht nur, aber auch in Magdeburg, konnte den Eindruck von alter Normalität bekommen. Menschen soweit das Auge blickt, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, gut gelaunt, plaudernd, lachend. Traumhaftes Wetter nutzend. Einzig Schilder an den Imbisswagen waren ungewöhnlich. 50 Meter Abstand weisen sie an. Abstand zwischen Verkauf und Verzehr. Aber sonst? Ein fast normaler Tag.
Doch mit der aufkommenden Kühle wandelte sich das Blatt. Waren gleich nach der möglichen Öffnung zunächst Restaurants und Cafés in den Außenbereichen gut gefüllt, wurden die Innenräume häufig gemieden, wie sich am letzten (kühlen) Mai-Wochenende deutlich zeigte. Die Betreiber von Gastronomien haben weiterhin zu kämpfen. Die Kapazitäten haben sich auf bis zu einem Drittel verringert, durch die Abstände zwischen Tischen und Stühlen, zwischen den Menschen, die dort Platz nehmen. Mindestens jeder zweite Tisch muss entfernt, dazwischen zusätzlich freie Durchgangsmöglichkeit gelassen werden. Weniger Gäste, weniger Einnahmen, bei gleichen Kosten. Wie es sich entwickelt, wenn ab nächsten Monat wieder Familienfeiern gestattet sind, bleibt abzuwarten. Einen Hoffnungsschimmer bringt die Urlaubssaison. Werden reisende Gäste kommen?

Während Reisewillige ihren Urlaub planen, sehen sich Hotels und Pensionen mit den nächsten Problemen konfrontiert. Dabei geht es nicht nur um Hygienemaßnahmen, Desinfektion und Reinigung, hinzu kommt das Einrichten von Plexiglasabtrennungen, Tragen von Mund-Nase-Schutz, ebenso um die Einhaltung von vorgegebenen Abständen, sogar von Fiebermessen bei Neuankömmlingen ist die Rede, mehrsprachigen Informationen über Verhaltensregeln, bestenfalls mit einer App, kontaktloses Bezahlen. Dabei müssen kleine Pensionen den selben Aufwand betreiben wie große.

Pensionen bleiben geschlossen

Ein weiteres Thema ist die Organisation der kulinarischen Angebote. Im Gegensatz zu einigen Supermärkten, die bereits wieder für vorbeischländernde unbekannte Kundschaft Salatbuffets anbieten, ist dies in Hotels und Pensionen strikt untersagt. Dort müssen für die Urlauberversorgung Plexiglasscheiben Lebensmittel und Interessenten trennen und die Teller dürfen ausschließlich vom Personal gefüllt werden. Nicht selten bieten die Restauranträume zu wenig Platz für alle Gäste, da auch hier wie in den anderen gastronomischen Einrichtungen Stühle und Tische entfernt werden mussten. Alternativ wird für das Frühstück Zimmerservice angeboten – gegen Aufpreis, worüber nicht alle Gäste erfreut sind. Wie die Preise insgesamt gestiegen sind, um den Mehraufwand auszugleichen, muss doch zusätzlich Personal eingestellt werden.
Ein Blick in Deutschlands beliebte Reiseregion im Norden: In Mecklenburg-Vorpommern hängt jeder fünfte Arbeitsplatz am Tourismus. Rund 450.000 Betten und Schlafgelegenheiten stehen normalerweise den Urlaubern zur Verfügung. In diesem Jahr werden es weniger sein. Die vorgeschriebenen Auflagen bringen gerade Betreibern von kleineren Pensionen große Probleme. So sagt Sabine Krone, die einige Zimmer an der Ostsee anbietet: Es lohnt sich nicht. Die Kosten für die Einhaltung der neuen Vorschriften übersteigen die Einnahmen. Sie überlegt deshalb, gar keine Gäste aufzunehmen. Das sei zwar sehr bitter, aber die Vermietung wäre ein noch größerer finanzieller Verlust.

Andere Vermieter erhöhen die Preise entsprechend. Deutschlandweit ist der Preis für verfügbare Ferienunterkünfte für Urlaub im Juni im Vergleich zur Buchung im Januar bereits um zehn Prozent gestiegen, schreibt die Frankfurter Allgemeine. Den deutlichsten Anstieg gibt es an der Küste mit bis zu 90 Prozent (siehe Beitrag auf Seite 12).

Doch es ist auch ein anderer Trend zu sehen: Während es einen Run an die Ostsee gibt, werden andere sonst typische Urlaubsgegenden gemieden. In den Bayerischen Alpen beispielsweise gibt es 50 Prozent Buchungen weniger als im Vorjahr, ähnlich sieht es am Chiemsee aus. Derweil im Norden die Preise steigen, werden sie im Süden gesenkt. Wenn auch nicht so drastisch. In der Hoffnung, die Urlaubssaison wenigstens etwas retten zu können.

Auch einige Restaurants bleiben geschlossen, vor allem kleinere, denen angesichts der Abstandsregelung kaum noch Platz für Gäste bleibt. Andere lassen sich im Überlebenskampf ungewöhnliche Aktionen einfallen. Zwar hat die Regierung eine Absenkung der Mehrwehrsteuer für Restaurants beschlossen (von 19 auf 7 Prozent), jedoch nur für Speisen, nicht für Getränke. Dagegen hat ein Hamburger Restaurant eine Protestaktion gestartet, die gerade im Internet für Aufsehen sorgt. So gibt es dort nun einen Keks für 3 Euro und „umsonst“ einen Espresso dazu oder zur Packung Erdnüsse für 26 Euro eine Flasche Wein.

Der Kampf ums Überleben bringt die überraschendsten Ideen hervor. Birgit Ahlert

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