Corona soll nicht das letzte Wort haben

Theater und Konzerte können wieder stattfinden, wenn auch im begrenzten Rahmen. Anders sieht es aus beim Ballett, da wegen Corona direkter Kontakt untersagt ist. Die nächste Premiere am Opernhaus wurde deshalb aufs Frühjahr verschoben. Wie Tänzer damit umgehen – ein Beispiel.

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Wer sein Leben dem Ballett verschreiben und es in diesem Metier zu etwas bringen will, muss sich diesem Beruf von Kindesbeinen an widmen. Für Andreas Loos, Tänzer am Theater Magdeburg, begann die Ausbildung, als er sechs Jahre alt war. Mit 19 Jahren trat er sein erstes Engagement an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul / Dresden an. Sein großes Vorbild war Rudolf Nurejew, einer der besten Balletttänzer des 20. Jahrhunderts und der größte Star des klassischen Balletts. So ist es möglicherweise kein Zufall, dass es den jungen Mann nach Magdeburg verschlug, denn Ballettdirektor Gonzalo Galguera gilt als ein Choreograf, der mit seiner Kompanie u. a. auch das klassische Handlungsballett auf hohem Niveau pflegt. Seit 2008 konnten die Ballettfans Andreas Loos in vielen Rollen erleben, zum Beispiel in „La Sylphide“, „Manon Lescaut“, „Romeo und Julia“, „Aschenbrödel“ und im „Nussknacker“. Besondere Zustimmung aber erfuhr er bei Zuschauern und Presse mit der Hauptrolle in „America Noir“. 2019 erhielt er den Freundschaftspreis des Fördervereins Theater Magdeburg.

Andreas Loos stammt aus Russland. Mit 12 Jahren kam er nach Deutschland und beendete hier seine Ausbildung. Damals beherrschte er die deutsche Sprache nur unvollkommen. „Ich musste kämpfen, um integriert zu werden“, erzählt er. Diese Erfahrung stand vielleicht Pate, als er 2015 bei den „Tanzbegegnungen 5“ seine erste eigenständige Choreografie kreierte. Er setzte sich darin mit dem Phänomen der Ausgrenzung auseinander: „Unser Ballett ist eine interkulturelle Truppe. Wir sind Partner, Freunde. Innerhalb des Theaters sind alle integriert, aber außerhalb, wenn die Kollegen nicht klar deutsch sprechen, werden sie ausgegrenzt. Das ärgert mich. Niemand soll wegen seiner Herkunft ausgegrenzt werden“, erklärt er seine Intension.

Ob der ersten weitere Arbeiten als Choreograf folgen, ist im Augenblick für Loos keine Überlegung. Die Corona-Krise und die gegenwärtige Situation der Künstler beschäftigen ihn. Er und seine Kollegen sind in Kurzarbeit, d. h. sie dürfen nur eine Stunde am Tag trainieren, in kleinen Gruppen von fünf Personen mit der Ballettmeisterin und Musikbegleitung. „Eine Ballettaufführung lässt sich so nicht erarbeiten!“, seufzt er. Zu Hause trainiert Andreas Loos darüber hinaus natürlich seine Muskeln und stärkt seine Kondition. „In Form bleiben, das ist jetzt ganz wichtig!“, sagt er. Besonders schwierig sei die Lage für Anfänger, die von der Schule ins Engagement gekommen sind. Die Kriese bedeute keinen Karriereknick, aber: „Debütanten brauchen in besonderer Weise die Bühne. Theater unterscheidet sich von Schule. Schule fördert, Theater fordert. Ein Tänzer muss nicht nur die Leistung erbringen, sondern sich eine Rolle erarbeiten. Diese Umstellung ist nicht einfach“, erklärt der erfahrene Tänzer.

Ganz bedrückend aber sei die Situation von Absolventen, erzählt er weiter. „Seit März war jedes Vortanzen abgesagt – Europa- weit! Viele Theater wissen ja selbst nicht wie es weiter geht.“ Mit Sorge denkt er auch an die Künstler anderer Sparten: „Musicaldarsteller zum Beispiel werden nach Shows bezahlt. Alle sind zur Zeit ohne Engagement. Aber ohne Show kein Geld!“

Wie es am Theater Magdeburg nach der Sommerpause weitergeht, kann keiner genau sagen. Corona soll aber nicht das letzte Wort haben. Andrea Loos gibt sich entschlossen, er weiß, es gibt Überlegungen von allen Beteiligten in alle Richtungen: „Wir müssen kreativ und bereit zum Experiment sein.“ Gisela Begrich

Das Bild zeigt den Tänzer Andreas Loos in der Aufführung „America Noir“ am Opernhaus Magdeburg. Foto: Andreas Lander

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