Corona um die Welt – Kanada

Niemand darf rein, niemand darf raus. Das Coronavirus hat den Erdball fest im Griff, eine Regierung nach der nächsten hat ihre Landesgrenzen geschlossen. Das Privileg der Reisefreiheit bleibt fast allen in diesen Wochen und Monaten verwehrt. Dank des Internets können wir uns jedoch weiterhin grenzenlos austauschen. Unsere Redakteurin Josephine Schlüer hat mehrere Jahre im Ausland gelebt und sich bei Freunden und Bekannten weltweit umgehört, wie diese ihren von der Pandemie beeinflussten Alltag bestreiten. Heute Teil 2:

Markus Klann (42) aus Deutschland
Wohnort: Ucluelet, Kanada

Meine Freundin und ich leben seit sieben Jahren auf Vancouver Island an der Westküste Kanadas. Seit diesem Jahr besitzen wir ein eigenes Grundstück auf einer kleinen Insel, ziemlich abgeschieden. Die Region um Ucluelet und Tofino ist sehr touristisch geprägt. Darum arbeite ich als selbstständiger IT-Berater für Unternehmen des Gastgewerbes wie Resorts und Hotels. Die Auftragslage ist noch gut, aber in zwei bis drei Monaten kann das anders aussehen. Weniger Touristen bedeuten letztendlich weniger IT-Projekte für mich. Ich arbeite viel von zu Hause und muss nur selten vor Ort sein, wahrscheinlich erstmal gar nicht, solange diese Situation anhält.

Es ist offensichtlich, dass die Menschen besorgt sind. Es reisen viel weniger Urlauber hierher. Einige kleine Geschäfte haben bereits freiwillig geschlossen.

Wir versuchen, alle Empfehlungen der öffentlichen Behörden umzusetzen, also noch mehr von zu Hause zu arbeiten, im Internet zu bestellen, anstatt in die Geschäfte zu gehen und uns nicht ins Gesicht zu fassen. Mit dem „Social Distancing“ habe ich kein Problem als „Hermit by choice“ (Wahl-Eremit). Auf unserem Grundstück ist immer viel Gartenarbeit zu erledigen. Ansonsten genießen wir unseren kleinen privaten Strand  und den Sonnenschein.

Meine tägliche Routine besteht vor allem darin, regelmäßig die europäischen Nachrichten zu verfolgen. Zum Frühstück höre ich mir den NDRinfo-Podcast von Dr. Drosten an. Kanadas Medien berichten nicht ausführlich und fundiert genug über Corona. Die deutschen Medien decken viele Aspekte ziemlich gut ab. Mich interessieren mehr die wissenschaftlichen Hintergründe und Erkenntnisse als die „lauten“ Überschriften. 

Ich denke, es gibt auch positive Aspekte in der gegenwärtigen Lage. Wir können mehr Zeit zu Hause verbringen und es scheint, als würden die Leute bewusster auf ihr Privatleben achten, als immer nur an die Arbeit zu denken.

Am meisten besorgt bin ich natürlich über den Ausfall der Bundesliga-Spiele. Nein, im Ernst – dieser Virus ist gekommen, um zu bleiben und wird uns auch in zwei Jahren noch in vielen Bereichen des Lebens beschäftigen. Ich fühle mich in Kanada sicher und denke, dass die Behörden alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Ausbreitung des Virus‘ zu verringern. Es ist eine neue Situation und jeder macht Fehler. Solange wir daraus lernen, ist das in Ordnung.

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