Corona um die Welt – Neuseeland

Niemand darf rein, niemand darf raus. Das Coronavirus hat den Erdball fest im Griff, eine Regierung nach der nächsten hat ihre Landesgrenzen geschlossen. Das Privileg der Reisefreiheit bleibt fast allen in diesen Wochen und Monaten verwehrt. Dank des Internets können wir uns jedoch weiterhin grenzenlos austauschen. Unsere Redakteurin Josephine Schlüer hat mehrere Jahre im Ausland gelebt und sich bei Freunden und Bekannten weltweit umgehört, wie diese ihren von der Pandemie beeinflussten Alltag bestreiten. Heute der 8. und letzte Teil:

Nicola Yuen (32) aus Großbritannien
Wohnort: Auckland, Neuseeland

Vor einigen Jahren, während einer Urlaubsreise, habe ich mich in Neuseeland verliebt. Also kam ich hierher zurück, um zu arbeiten und mir hier ein Leben aufzubauen. Mittlerweile besitze ich eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.

Ich war bis letztes Jahr Freiberuflerin, bin aber seit dieser Woche fest in einer Agentur als Grafikdesignerin angestellt. Das Timing war perfekt, weil es für freie Mitarbeiter während der Corona-Krise schwer wird, Aufträge zu bekommen. Momentan folge ich den Empfehlungen der Regierung und bin freiwillig in häuslicher Quarantäne, weil ich erst kürzlich eine Hochzeit mit vielen internationalen Gästen aus Europa und den USA besucht habe. Meine neue Stelle beginne ich also direkt im Home-Office. Die Firma hat sehr schnell reagiert und dafür gesorgt, dass alle Angestellten von zu Hause arbeiten können. Jetzt hoffe ich nur, dass die Firma durch diese Krise nicht plötzlich in finanzielle Engpässe gerät.

Vor wenigen Wochen wurden die ersten Fälle in Neuseeland bestätigt. Bis dahin war es ziemlich ruhig um das Thema, aber dann traten die Einreisebeschränkungen und Empfehlungen zur Selbstisolierung in Kraft. Jetzt reden alle ständig über COVID19. Ich versuche, öffentliche Orte und den engen Kontakt mit Menschen zu vermeiden. Aber um ehrlich zu sein, habe ich das auch schon einige Male ignoriert, indem ich weiter Freunde getroffen habe. Wir umarmten uns bis vor ein paar Tagen noch, aber ich denke, wir sollten jetzt vorsichtiger sein. Manchmal fällt mir das Alleinsein schwer. Dann telefoniere oder chatte ich mit meiner Familie und Freunden. Meine Eltern sind in Großbritannien, daher bin ich etwas besorgt. Sie sind älter und gesundheitlich angeschlagen. Ich würde sie gern besuchen, aber niemand weiß, wann das wieder möglich sein wird.

Damit mir nicht langweilig wird, nutze ich die Zeit zu Hause unter anderem für Renovierungsarbeiten. Ich bin gerade in ein winziges Studio umgezogen. Außerdem lese ich viel, schaue Netflix, nehme mir die Zeit, meine Liebsten anzurufen und an Projekten zu arbeiten.

Allerdings vermisse ich Café-, Restaurant- und Festivalbesuche. Aber glücklicherweise sind meine Freunde wie ich gern in der Natur unterwegs. Ich denke, wir können das immer noch tun und dabei engen Kontakt mit anderen Menschen meiden. Neuseeland ist dafür ein guter Ort.

Wie die Medien über COVID19 informieren, ist in meinen Augen angemessen. Es ist allerdings wichtig, dass wir unsere Informationen aus validierten Quellen und nicht aus den sozialen Medien beziehen. Ich lese und konsumiere hauptsächlich Radio New Zealand und den Guardian.

An Waren gibt es in den Supermärkten bis jetzt noch alles, aber ich habe bemerkt, dass italienische Lebensmittel massiv im Preis gestiegen oder ausverkauft sind.

Positiv an der Corona-Krise sehe ich, dass wir gezwungen sind, weniger zu reisen und dadurch die CO2-Emissionen (wenn auch nur vorübergehend) sinken. Außerdem entdecken momentan viele notgedrungen, dass standortunabhängiges Arbeiten funktionieren kann. Ich hoffe, dass wir daraus lernen werden, weil Home-Office auch bei der Wohnungsnot helfen würde. Die Menschen könnten weiter entfernt von der Stadt leben und dort arbeiten, wo Wohnungen und Häuser erschwinglicher sind.

In Neuseeland fühle ich mich trotz allem sicher. Wir werden ausreichend informiert. Die Behörden haben schnell reagiert. Es gab zwar teilweise Kritik an der Vorgehensweise, aber ich bin der Meinung, dass die Empfehlungen zur Selbstisolation, Reiseverbote, Tests und Informationen über das Virus helfen werden, seine Verbreitung einzudämmen.

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