Montag, Juni 27, 2022
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Corona um die Welt – Portugal

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Niemand darf rein, niemand darf raus. Das Coronavirus hat den Erdball fest im Griff, eine Regierung nach der nächsten hat ihre Landesgrenzen geschlossen. Das Privileg der Reisefreiheit bleibt fast allen in diesen Wochen und Monaten verwehrt. Dank des Internets können wir uns jedoch weiterhin grenzenlos austauschen. Unsere Redakteurin Josephine Schlüer hat mehrere Jahre im Ausland gelebt und sich bei Freunden und Bekannten weltweit umgehört, wie diese ihren von der Pandemie beeinflussten Alltag bestreiten. Heute Teil 4:

Giulia (33) und Andrea (34) aus Italien
Wohnort: Ericeira, Portugal

Aus Leidenschaft für das Surfen sind wir im Juni 2019 nach Ericeira gezogen, eine kleine Stadt am Atlantik in Portugal. Andrea ist Tischler und ich arbeite für Facebook. Gemeinsam entwickeln wir außerdem unsere Marke Femo Factory. Ich bin angestellt; Andrea arbeitet auf freiberuflicher Basis. Was unser Einkommen angeht, scheint momentan nichts mehr sicher.

Wir befinden uns beide in häuslicher Isolation. Mein Unternehmen ist dabei, eine intelligente Arbeitslösung für die Mitarbeiter zu organisieren. Viele Menschen hier befinden sich schon länger freiwillig in Quarantäne ohne die offiziellen Maßnahmen der Regierung. Um Ericeira herum ist es in diesen Tagen sehr ruhig, stiller als gewöhnlich. Vor dem Supermarkt bilden sich oft lange Schlangen. Aber während wir das schreiben, scheint die Sonne auf unseren Balkon und wir können das Rauschen des Ozeans und die Vögel hören. Wir sind dankbar, dass wir uns dieser Situation von einem so schönen Ort aus stellen dürfen.

Andrea und ich teilen uns ein Haus mit einem anderen italienischen Paar. Wir kochen und essen gemeinsam. Ansonsten vermeiden wir soziale Kontakte. Wir gehen nicht mehr in die Bar, unser Lieblingsrestaurant oder besuchen andere öffentliche Orte. Das Leben hier fühlt sich plötzlich sehr anders an, aber wir passen uns an und bleiben positiv, um das Beste daraus zu machen.

Andrea erledigt Tischlerarbeiten in der Garage, ich arbeite an meinen Illustrationen. Wir glauben, dass kreative Menschen die Konfrontation mit der Langeweile gewinnen können. Unser Tagesablauf wurde grundlegend umgeschrieben. Positiv ist daran, dass wir länger schlafen und zusammen frühstücken können. Wir kochen auch besseres Essen, weil wir mehr Zeit haben. Und wir sprechen mehr mit unseren Familien und Freunden per Telefon und Chat. Zwar vermissen wir einige Dinge, aber wollen uns nicht darauf fokussieren. Schließlich ist dieser Zustand vorübergehend.

Die Berichterstattung in den Medien scheint bei einigen Leuten Panik zu erzeugen. Manchmal weiß man nicht, was man glauben kann, weil sich die Informationslage so schnell ändert. Wir informieren uns zwar täglich über COVID19, aber verbringen genauso bewusst Zeit abseits der Bildschirme, um in unserem realen Tag präsent zu sein.

Wir gewinnen gerade kostbare Zeit zum Nachdenken und für ein langsameres Leben. Es ist eine Gelegenheit zum Lernen. Aber natürlich machen wir uns auch Sorgen, da niemand auf der Erde vor dem Coronavirus geschützt und vor den Folgen der Krise sicher ist.

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