Corona um die Welt – Spanien

Niemand darf rein, niemand darf raus. Das Coronavirus hat den Erdball fest im Griff, eine Regierung nach der nächsten hat ihre Landesgrenzen geschlossen. Das Privileg der Reisefreiheit bleibt fast allen in diesen Wochen und Monaten verwehrt. Dank des Internets können wir uns jedoch weiterhin grenzenlos austauschen. Unsere Redakteurin Josephine Schlüer hat mehrere Jahre im Ausland gelebt und sich bei Freunden und Bekannten weltweit umgehört, wie diese ihren von der Pandemie beeinflussten Alltag bestreiten. Heute Teil 7:

Daniela Santana (35) aus Uruguay
Wohnort: Valencia, Spanien

Ich lebe seit Oktober 2018 in Valencia und habe auf einem Second-Hand-Büchermarkt gearbeitet, der jetzt wegen des Nationalen Notstands geschlossen ist. Außerdem gebe ich Online-Kurse, die gerade weniger gebucht werden, da die Leute nicht wissen, was aus ihren Einkommen wird. Im Moment befinde ich mich mit meinen beiden Mitbewohnern in häuslicher Isolation.

Hier in Valencia geht niemand mehr auf die Straße. Es fahren weniger Autos und weniger öffentliche Verkehrsmittel. Darum ist es sehr ruhig. So ruhig, dass wir sogar Vögel zwitschern hören. Mehrmals am Tag spielen Leute auf den Balkonen Musik, klatschen, rufen, singen.

Einerseits ist es eine großartige Möglichkeit, um an Projekten zu arbeiten, zu lesen, Sport zu treiben, zu kochen, zu schreiben und für Yoga. Andererseits ist es hart, nicht zu wissen, wann ich meine anderen Freunde und meine Familie wiedersehen werde. Ich vermisse es besonders, draußen in der Natur zu sein, Fahrrad zu fahren und mich mit Menschen zu treffen.

Die Berichterstattung ist in dieser Situation nicht besonders hilfreich. Über die Medien werden wir mit dem schlimmsten Virus überhaupt infiziert – mit Angst.

Als positiv in dieser Krise sehe ich den Rückgang der Umweltverschmutzung und die Ruhe. So bekommen wir die Chance über neue Lebensmodelle nachzudenken, weniger individuell, gemeinschaftlicher, kollaborativer und natürlicher. Wenn wir uns aussuchen könnten, ob wir in unseren Wohnungen eingeschlossen werden oder in der Natur, was würden wir wählen? Ich wäre lieber in der Natur und hoffe, diese Krise wird mehr Bewusstsein bringen für einen nachhaltigeren und natürlicheren Lebensstil.

Am meisten sorge ich mich um die psychische Gesundheit der isolierten Menschen. Manchmal erledige ich auch Einkäufe für ältere Personen in unserem Gebäude, um zu helfen. Jetzt können wir hier in Valencia noch alles kaufen was wir brauchen. Ich nehme keine Engpässe wahr. Eine Freundin von mir lebt in London und erkrankte vor zwei Wochen an Corona. Sie hatte zwei Tage lang Fieber und die üblichen Grippe-Symptome. Doch jetzt geht es ihr wieder gut.

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