Montag, Juni 27, 2022
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Corona um die Welt – Tschechien

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Niemand darf rein, niemand darf raus. Das Coronavirus hat den Erdball fest im Griff, eine Regierung nach der nächsten hat ihre Landesgrenzen geschlossen. Das Privileg der Reisefreiheit bleibt fast allen in diesen Wochen und Monaten verwehrt. Dank des Internets können wir uns jedoch weiterhin grenzenlos austauschen. Unsere Redakteurin Josephine Schlüer hat mehrere Jahre im Ausland gelebt und sich bei Freunden und Bekannten weltweit umgehört, wie diese ihren von der Pandemie beeinflussten Alltag bestreiten. Heute Teil 3:

Brigita Sedláčková (25) aus Tschechien
Wohnort: Prag, Tschechien

Ich arbeite in Teilzeit fest angestellt für ein Krankenhaus und außerdem freiberuflich als Yoga-Lehrerin. Nachdem ich zwei Jahre in Kanada gelebt habe, wollte ich wieder in meine Heimat zurück. Mein Einkommen ist für die nächste Zeit sehr unsicher, was mir momentan die größten Sorgen bereitet. Als medizinische Beraterin und Übersetzerin arbeite ich nur mit internationalen Kunden, was seit dem 13. März nicht mehr möglich ist, da die Grenze geschlossen wurde.  Am selben Tag schlossen zudem viele öffentliche Einrichtungen, darunter auch mein Yoga-Studio, weil der Nationale Notstand ausgerufen wurde. Wir vom Krankenhaus sind derzeit im Home-Office, arbeiten aber auch unter normalen Umständen meistens von zu Hause, sodass sich dahingehend nicht wirklich viel geändert hat.

Die Innenstadt von Prag, wo ich mit meinem Hund Bruno in einer Mietwohnung lebe, erkennt man  kaum wieder. Es sind keine Touristen und nur wenige Einheimische auf den Straßen. Und wer noch draußen unterwegs ist, hat sein Gesicht mit einer Atemmaske bedeckt.

Die Gemeinschaft ist großartig. Weil es zu wenige Atemmasken gibt, nähen jetzt viele selbst und geben sie weiter. Natürlich folge ich den Empfehlungen der Regierung, um Ansteckungen mit dem Virus zu vermeiden. Ich bin in häuslicher Isolation, gehe nur dann raus, wenn es unbedingt nötig ist, um Lebensmittel zu kaufen oder um mit Bruno spazieren zu gehen. Dabei trage ich immer besagte Gesichtsmaske. Außerdem halte ich mindestens 2,5 Meter Abstand zu allen. Unsere Familien und engen Freunde können wir noch besuchen, aber wir fahren dann mit dem Auto. Die öffentlichen Verkehrsmittel meide ich.

Gegen Langeweile helfen mir Lesen, Yoga und viel Putzen. Ich vermisse es sehr, draußen in der Sonne zu sitzen, auswärts zu essen und guten Kaffee zu trinken.

Ich denke, die Art und Weise, wie Medien über COVID 19 informieren, ist angemessen. Schade nur, dass viele von uns etwas zu spät reagiert haben. Medizinische Hilfsmittel wie Gesichtsmasken sind in Prag gerade schwer zu bekommen, aber meine Mutter hat mir eine genäht. Ansonsten ist in den Supermärkten noch alles erhältlich, keine Engpässe bislang.

Ich glaube, Ram Dass würde sagen: Sei jetzt hier! Das hilft uns allen, langsamer zu werden und hoffentlich werden wir danach ein bisschen dankbarer.

Ich fühle mich im Großen und Ganzen sicher, auch wenn unser Präsident ein Verrückter ist. Er scheint alle anderen für den Mangel an medizinischer Versorgung verantwortlich zu machen. Wir hätten schon vor Ewigkeiten mehr Gesichtsmasken bekommen sollen. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Einschränkungen erforderlich sind und die meisten Entscheidungen in Ordnung waren. Am 18. März hat unser Präsident allerdings zum ersten Mal seit Beginn der Krise eine öffentliche Rede im Fernsehen gehalten. In der Zwischenzeit gab es schon Witze, dass er tot sei.

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