Corona um die Welt – Uruguay

Niemand darf rein, niemand darf raus. Das Coronavirus hat den Erdball fest im Griff, eine Regierung nach der nächsten hat ihre Landesgrenzen geschlossen. Das Privileg der Reisefreiheit bleibt fast allen in diesen Wochen und Monaten verwehrt. Dank des Internets können wir uns jedoch weiterhin grenzenlos austauschen. Unsere Redakteurin Josephine Schlüer hat mehrere Jahre im Ausland gelebt und sich bei Freunden und Bekannten weltweit umgehört, wie diese ihren von der Pandemie beeinflussten Alltag bestreiten. Heute Teil 1:

Constanza Bourdieu (31) aus Argentinien
Wohnort: Montevideo, Uruguay

Mein Mann und ich lebten vier Jahre in Australien. Unser Baby sollte aber in Südamerika nah bei unseren Verwandten und Freunden aufwachsen. Nach Argentinien wollten wir nicht zurück. Also entschieden wir uns für Montevideo in Uruguay als neue Heimat. Mit der Fähre sind es von hier nur zwei Stunden bis nach Buenos Aires, wo unsere Familien leben. Die Wirtschaft in Uruguay war bis jetzt stabil. Korruption gibt es kaum.

Ich arbeite als Anwältin in einer Kanzlei für Unternehmensrecht. Ob wir auf lange Sicht weiter bezahlt werden, hängt jetzt stark von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Sollte es weniger neue Unternehmen, Fusionen, Übernahmen, Investitionen etc. geben, könnte das monatliche Einkommen der Kanzlei nicht mehr ausreichen. Allerdings ist es ebenso möglich, dass Mandanten jetzt mehr Rechtsberatung für ihre Geschäfts- und Vertragsbeziehungen brauchen oder dafür, wie sie mit ihren Mitarbeitern umgehen sollen und was mit laufenden Gerichtsverfahren passiert. Weitere „neue rechtliche Bedürfnisse“ könnten sich entwickeln. Dann würde die Kanzlei weiter genug Geld einnehmen. Wir haben beide Tendenzen schon jetzt beobachten können und wissen nicht, was sich letztendlich durchsetzen wird.

Da jetzt alle Betreuungseinrichtungen für Kinder geschlossen sind, beschäftigen wir ganztags ein Kindermädchen für unseren kleinen Sohn. Das belastet uns finanziell stark. Bisher gehe ich weiter ins Büro. Weil unsere Wohnung ziemlich klein ist, ist es schwierig dort mit Kind zu arbeiten. Ich muss das jetzt aber trotzdem in Betracht ziehen – täglich in die Stadt zu fahren, ist nicht mehr sicher.

In Uruguay wird eine Frau namens Carmela öffentlich für die Verbreitung von Corona geächtet. Sie hat in Europa an einer Hochzeit mit über 500 Gästen teilgenommen und wurde nach ihrer Rückreise positiv auf das Virus getestet. Alle Corona-Witze hier beziehen sich auf Carmela. Sie musste sogar vor Gericht.

Seit den ersten Fällen vor gut einer Woche bleibt mehr als die Hälfte der Bevölkerung Uruguays zu Hause. Die Grenzen sind geschlossen, ebenso wie die Schulen und die meisten Behörden. Es wurde angekündigt, dass die öffentlichen Transportmittel demnächst eingestellt werden sollen.

Wir fühlen uns hier sicher, weil die südamerikanischen Regierungen an Spanien und Italien sehen konnten, dass es schreckliche Folgen hat, wenn man nicht schnell genug handelt. Die Berichterstattung in den Medien halte ich für angemessen. Es ist jetzt richtig, die Bevölkerung zu „überalarmieren“. Ansonsten würde niemand reagieren. Ich habe große Angst vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems und vor den wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Krise. Dass sich die Natur derzeit vom Menschen erholen kann, sehe ich als einzigen positiven Aspekt.

Ich selbst halte mich natürlich an die Hygiene-Empfehlungen und ziehe mich so gut es geht aus der Öffentlichkeit zurück. Da der Großteil unserer Freunde und Familie in Argentinien lebt, war unser Sozialleben sowieso schon sehr begrenzt, jetzt ist es allerdings bei null. In den Supermärkten bekommen wir bisher noch alles. Nur Atemmasken und Desinfektionsmittel sind manchmal ausverkauft.