Mittwoch, Dezember 8, 2021
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Sachsen-Anhalts Automobil-Rennprofi Dominique Schaak hatte sich von der Saison 2021 mehr erhofft. Künftig will er mehr Testfahrten bestreiten. Von Rudi Bartlitz

Während anderswo, in anderen Sportarten die Saison gerade so richtig Fahrt aufnimmt, ist sie für Dominique Schaak gelaufen. Beim Renn-Wochenende Ende September auf dem Hockenheimring senkte sich für Magdeburgs einzigen Profi-Automobilrennfahrer letztmals in diesem Jahr die schwarz-weiß karierte Flagge. In der GTC-Race-Serie, in der der 30-Jährige in den zurückliegenden Monaten über die Pisten jagte, sprang am Ende ein achter Rang he-raus. Achter unter 17 Konkurrenten – ein Grund zur Zufriedenheit? Als die KOMPAKT-Zeitung, die den Weg des Piloten seit drei Jahren begleitet, sich dieser Tage mit Schaak zum Saisonfazit trifft, sitzt da ein etwas nachdenklicher junger Mann gegenüber. „Es war alles in allem ein zu durchwachsenes Jahr“, resümiert er. „Das eine oder andere hätte ich mir schon besser gewünscht.“ Ja, schiebt er nach, „ich habe mir mehr erhofft.“ Sein selbst gestecktes Ziel, am Ende unter den Top Fünf zu landen, hat er – da beißt die Maus keinen Faden ab – verfehlt.

Gerade von der neuen Serie GTC-Race, die in diesem Jahr ihre Premiere feierte, hatte sich Schaak vor Saisonbeginn einiges versprochen. Mit Mercedes, BMW, Audi, Porsche, Ferrari und McLaren tummelt sich beim GTC-Race durchaus prominente Konkurrenz. Und mit dem einstigen Formel-1-Fahrer Markus Winkelhock, dem mehrmaligen DTM-Gewinner Bernd Schneider und dem einstigen Piloten des Formel-1-Safety-Cars Bernd Mailänder sitzt einige Prominenz hinter dem Steuer. Durchaus vielversprechend also.

Doch es kam alles anders. Wegen der Pandemie musste der eigentlich für Ende April geplante Saisonstart in den Juni verschoben werden. Für Schaak hieß das: Weiter warten, weiter keine Praxis im Auto, weiter in einer Art Trockentraining nur Kraft und Kondition bolzen. Erschwerend kam hinzu, dass sich sein Arbeitgeber – das in der Eifel beheimatete „Racing One“-Team – entschlossen hatte, 2021 von einem Start in der ursprünglich anvisierten DTM-Trophy abzusehen. „Da sich in der Trophy die Kosten spürbar erhöhen und wegen der Pandemie ohnehin überall die finanziellen Auswirkungen zu spüren sind, wechselten wir ins GTC-Race.“

Als dann in Oschersleben für den 30-Jährigen in seinem 500 PS starken Audi R8 LMS (Preis: etwa 160.000 Euro) erstmals die grünen Startlichter aufleuchteten, gab der Bolide ausgerechnet auf der Heimstrecke im Qualifying mit kaputtem Getriebe gleich den Geist auf. Damit nicht genug: Im ersten der beiden Wochenend-Wettbewerbe setzte Schaak in aussichtsreicher Position seinen Wagen mit den vier Ringen bei Tempo 170 ins Kiesbett. Schaak: „Da habe ich ein gutes Resultat weggeschmissen, Platz zwei oder drei wären drin gewesen.“ Wenn er heute, mit ein wenig Abstand schon, auf das Jahr zurückblickt, kristallisiert sich ein Faktor heraus, der ein besseres Resultat verhinderte: „Ich hatte einfach zu wenig Testfahrten“, sagt er. „Nur zwei volle Trainingstage, andere hatten acht bis zehn. Und ohne Tests lernst du das Auto nicht genügend kennen. Es fehlt nicht nur die nötige Abstimmung, es fehlt später im Rennen dann auch die Sicherheit. Es ist eigentlich ganz einfach: Je mehr ich teste, umso mehr kann ich im Wettkampf ans Limit gehen.“

Wichtig ist Schaak auf jeden Fall, dass der Motorsport – der ja auch für ihn als quasi Ein-Mann-Unternehmen den Arbeitsplatz garantiert – in seiner Gesamtheit bisher „mit einem blauem Auge“, wie er sagt, durch die Corona-Krise gekommen ist. Selbst wenn diverse Rennen gestrichen werden mussten, viele Veranstaltungen vor leeren Rängen stattfanden („Es ist jetzt wieder etwas ganz anderes, wenn Zehntausende auf den Tribünen mitfiebern, uns anfeuern.“). „Aber der Motorsport profitiert viel von der Großindustrie, da sind Rückschläge eher zu verkraften.“ Prekär geworden sei es hingegen für die Veranstalter der Rennserien, die beispielweise keine Einnahme durch Ticketverkäufe erzielten und die vielen kleinen Unternehmen, die sich rings um die Wettbewerbe etabliert haben. „Langfristig werden die in einer Pandemie kaum bestehen können.“

Wenn es nun für ihn in der Winterpause darum geht, die Lehren aus dem Vergangenen zu ziehen, steht die Erhöhung der Zahl der Testtage für den Magdeburger an erster Stelle. „Körperlich und mental fühle ich mich absolut fit. Da gibt es keine Defizite. Aber die Zahl der Testtage will ich auf jeden Fall gegenüber 2021 vervierfachen“, nimmt er sich fest vor. Sozusagen „aus dem Kalten“ will er nicht noch einmal in ein Rennjahr starten. „Ich will am Ende wieder einmal auf dem Podium stehen“, sagt er. Letztmals war das 2019 der Fall. Ob das dann noch mit dem derzeitigen Team möglich ist, bleibt noch offen. „Sie sind auf jeden Fall mein erster Ansprechpartner für einen neuen Vertrag.“ Sollte kein gemeinsamer Nenner mehr für eine Zusammenarbeit gefunden werden, ist Schaak um seine Zukunft in den schnellen Boliden dennoch nicht Bange: „Es gab schon lockere Kontakte zu anderen Teams, die im Laufe der Saison an mich herangetreten sind.“

Körperlich in jeder Phase topfit zu bleiben, keinen Schlendrian zuzulassen, das ist in der jetzt autolosen Zeit erstes Anliegen. „Dreimal pro Woche ziehe ich mit Hilfe meines Fitness-Coaches mein Programm durch, bevor dann zu Jahresbeginn weiter gesteigert wird.“ Im März geht es dann in die unmittelbare Rennvorbereitung. Ansonsten kümmert sich der Selfmade-Man um die Kontakte zu seinen über 40 Sponsoren, hat endlich mehr Zeit für Freundin Mandy, kann am Wochenende („Da bin ich ja ansonsten meist unterwegs.“) im Stadion seinen Lieblingsverein FCM unterstützen, nimmt an Charity-Veranstaltungen teil. „Und ganz besonders freue ich mich auf die Versteigerung meines in blau-weiß gehaltenen Rennhelmes (Materialwert 4.000 Euro, d. Red.), deren Erlös dem FCM zukommen soll.“

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