Dienstag, September 21, 2021
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dass, das oder was?

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Das, was du da gesagt hast, dass ich nämlich heimlich Geld aus der Kassette genommen habe, dass ich also ein Dieb bin, das ist eine unverschämte Lüge.“ – So, da sind alle die Wörter drin, die in unserer Überschrift stehen. Bevor wir den Satz analysieren, möchte ich versichern, dass alle Kommas richtig, also gemäß den geltenden Duden-Regeln, gesetzt sind. Ich bin auch überzeugt, dass jede und jeder von unserer Leserschaft versteht, was gemeint ist. Vielleicht hat noch jemand von Ihnen die Bemerkung, dass es besser und eleganter klingen würde, den Konjunktiv zu verwenden, also zu sagen „dass ich also ein Dieb sei“, das ist berechtigt, aber unser zu Beginn stehender Satz sollte ganz dem entsprechen, wie in unserer Alltagssprache geredet wird.

Für eine Analyse des Satzes wollen wir erstmal die Aussagen feststellen, die mit dem Satz dargestellt werden sollen. Aussage 1: Du hast etwas gesagt. Aussage 2: Vorwurf – ich habe heimlich Geld aus der Kassette genommen. Aussage 3: Ich bin ein Dieb. Aussage 4: Das ist eine unverschämte Lüge. Zwischen diesen vier Äußerungen sind durch den Sprecher – in unserem Falle die ich-Person – Beziehungen hergestellt worden. Ermitteln wir zu Beginn, was hier überhaupt der Hauptsatz ist: „Das ist eine unverschämte Lüge.“ Die anderen drei Sätze, gewissermaßen Halbsätze oder Nebensätze, dienen zur Verdeutlichung und Untermauerung des Hauptsatzes.
dass und das werden in derselben Weise ausgesprochen. Dies führt offensichtlich zu einer Vielzahl von Fehlern bei der Schreibung. dass ist eine sogenannte Konjunktion, also ein Bindewort, das einen Nebensatz mit einem Hauptsatz verbindet.

Zur Veranschaulichung, dass tatsächlich sehr häufig Schwierigkeiten und Fehler mit das und dass in der Praxis auftreten, führen wir nachstehend Sätze an, die aus allgemein zugänglichen Quellen im Internet stammen: – Ich möchte nicht das sie diese Online-Konferenz sowie die 20 exklusiven Schulungsvideos versäumen! – Ich bin echt überrascht das die so gut sind. – Die Erste hielt knapp drei Jahre und die 2te funktioniert zwar immer noch aber ich merke allmählich das der Widerstand der Rechten Maus Taste zurück geht was auf natürlichen Verschleiß hindeutet. – (Zeigen sich im Motorraum Spuren eines Marderbesuchs ist es angeraten, die Geruchsspuren des Marders zu entfernen.) Das verhindert zwar nicht, dass ein Marder es sich unter der Motorhaube gemütlich macht, doch sinkt das Risiko, das der nächste tierische Besucher wegen der Ausdünstungen des Vorgängers ausrastet.

Es geht dem Nebensatz immer ein Komma voraus, wenn der Nebensatz dem Hauptsatz folgt: – Ich vermute, dass der Zug Verspätung hat. – Und da muss man genau hingucken, bei welchem Kandidaten die Wahrscheinlichkeit am größten ist, dass die Union die Wahl gewinnt. – Er sagte, dass er gegen 19 Uhr kommt. – Die Kehrseite der Regierungs-Lobeshymnen ist nämlich, dass sie Erfolg vorwiegend den eigenen Leistungen zuschreibt. – Die Bildungsministerin gab zu bedenken, dass zu viel Unterricht ausgefallen sei. – Mit 35 Prozent sind gerade mal ein Drittel der Deutschen der Meinung, dass komplett autonome Autos den Verkehr sicherer machen und Unfälle reduzieren. – Es tut mir leid, dass es regnet.dass kann auch an erster Stelle im Satz stehen, wenn es die Funktion als Bindewort in einem Nebensatz ausübt: – Dass das Flugzeug über Weißrussland abgefangen wurde, gab Anlass zu neuen Überlegungen für Sanktionen. – Dass nicht alle Nato-Mitglieder dieser Meinung sind, zeugt aber nicht vom Zerfall der Allianz. – Dass der Journalist das nicht weiß, ist schade. – Dass er gestorben war, haben wir aus der Zeitung erfahren. Wenn wir hier eine weitergehende Analyse vornehmen, nämlich in der Richtung Bestandteile eines Satzes – was sind hier Subjekt und Prädikat –, dann könnten wir zumindest in einigen Fällen den mit dass beginnenden Nebensatz als sehr detailliertes Subjekt des darauffolgenden Hauptsatzes betrachten: – Dass das Flugzeug über Weißrussland abgefangen wurde, gab Anlass zu neuen Überlegungen für Sanktionen. (Version des Satzes mit Subjekt und Prädikat: Das Abfangen des Flugzeuges über Weißrussland gab Anlass zu neuen Überlegungen für Sanktionen.) – Dass er gestorben war, haben wir aus der Zeitung erfahren. (Version des Satzes mit Subjekt und Prädikat: Seinen Tod haben wir aus der Zeitung erfahren.) Und wir könnten auch die Aussage des Nebensatzes mit einem das wieder auffangen und an den Anfang des Hauptsatzes stellen: – Dass das Flugzeug über Weißrussland abgefangen wurde, das gab Anlass zu neuen Überlegungen für Sanktionen. – Dass er gestorben war, das haben wir aus der Zeitung erfahren. Dieses das ist dann ganz eindeutig Subjekt des Hauptsatzes.
Noch einmal ganz allgemein zu das: das ist erstmal sächlicher Artikel: das Haus, das Gericht, das Mädchen, das Gezanke. Hier dürfte es im Gebrauch und in der Schreibung keine Probleme geben. Das kann aber auch eigenständig, also ohne nachfolgendes Substantiv, stehen und kann einen Vorgang, einen Sachverhalt oder ein Ereignis zusammenfassend ausdrücken, wie wir im vorausgehenden Abschnitt schon gesehen haben. Sehen Sie auch oben in unserer Einleitung: „Das (was du gesagt hast) ist eine unverschämte Lüge.” Wir bilden ein Satzgefüge aus Haupt- und Nebensatz unter Verwendung des Bindeworts dass: „Dass das eine unverschämte Lüge ist, das sage ich dir.” Nebensatz: „Dass das eine unverschämte Lüge ist,”, Hauptsatz: „das sage ich dir.” Im Hauptsatz das zusammenfassende das, welches hier die Rolle eines sogenannten Relativpronomens (bezüglichen oder rückbezüglichen Fürworts) spielt, denn es bezieht sich auf den im Nebensatz geäußerten Sachverhalt.
Auch keine Probleme wird es geben, wenn das Relativpronomen das ein Substantiv mit sächlichem Artikel in einem Nebensatz von der Bedeutung her wiederholt: – Ich sehe das Haus, das dort am Waldrand steht. – Hast du das Auto nicht bemerkt, das ganz voll von Dreck war? – Im Ministerium, das über viele Fachleute verfügt, dürfte es eigentlich keine Vergabe von Honorarverträgen geben. Aber es gibt hier in der sprachlichen Entwicklung eine Erscheinung, die von Puristen kritisiert werden könnte: Das Relativpronomen das, das sich also auf sächliche Substantive im vorausgehenden Satz bezieht, wird offensichtlich mehr und mehr von was als Relativpronomen verdrängt, auf jeden Fall in der mündlichen Rede. Vielleicht empfinden Sie, liebe Leserinnen und Leser, dies gar nicht so, dann sind Sie vielleicht auch schon daran gewöhnt. Wir bringen die Beispielsätze von oben jetzt mit was als Relativpronomen: – Ich sehe das Haus, was dort am Waldrand steht. – Hast du das Auto nicht bemerkt, was ganz voll von Dreck war? – Im Ministerium, was über viele Fachleute verfügt, dürfte es eigentlich keine Vergabe von Honorarverträgen geben.

Der Gebrauch von was als Relativpronomen zur Wiedergabe von Substantiven mit sächlichem Artikel scheint aber doch schon seit längerer Zeit vorzukommen, denn bereits in einer Duden-Ausgabe von 1954 wird angeführt: „das Buch, das – nicht: was! – ich gelesen habe …“ was als Relativwort wird verwendet, wenn es sich auf einen ganzen Satz bezieht oder kein bestimmtes Substantiv im vorhergehenden Hauptsatz erscheint: – Ich mache, was mir Spaß macht. – Er behauptete, nichts gestohlen zu haben, was ihm aber durch die Polizei widerlegt werden konnte. – Vieles, was ich schon vorbereitet hatte, konnte durch den Veranstalter genutzt werden. – Wegen des Gewitters musste das Spiel abgebrochen werden, was wir alle sehr bedauerten. – Was uns die Pandemie noch alles für Schwierigkeiten bereitet, das kann niemand voraussehen. Eine wirksame Eselsbrücke kennen sicherlich viele von unseren Leserinnen und Lesern. Wie überprüfe ich, ob es sich um das oder dass handelt: Kann statt das ein anderes Wort wie welches, jenes, dieses oder das Nomen selbst eingesetzt werden, wird das mit einem s geschrieben.

Betrachten wir nun das Wörtchen ohne. ohne bedeutet, dass etwas fehlt, etwas nicht vorhanden ist. Es ist normalerweise eine Präposition, die den Akkusativ (4. Fall) verlangt: – ohne dich, – ohne das Geld, – ohne die Mitwirkung des Lehrers, usw. Es kann zusammen mit dem Bindewort dass eine neue Konjunktion bilden und damit einen Nebensatz einleiten. Kennzeichen von Nebensätzen ist, dass das Verb am Ende des Satzes steht. Beispielssätze: – Ohne dass er es sofort bemerkte, war ihm in der Straßenbahn die Brieftasche gestohlen worden. – Die Schüler saßen stundenlang vor dem PC, ohne dass sie müde wurden. – Der Kraftfahrer hatte, ohne dass er das Eintreffen der Polizei abwartete, den Unfallort verlassen. Nun konstruieren wir eine Folge von Sätzen mit ohne dass, ohne das und ohne dass das. Satz 1: Ohne dass Geld vom Opa kommt, kann der Junge sich nicht mal ein Eis leisten. Aber aufgepasst: Satz 2: Ohne das Geld vom Opa kann sich der Junge nicht mal ein Eis leisten. Und nochmal aufgepasst: Satz 3: Ohne dass das Geld vom Opa kommt, kann der Junge sich nicht einmal ein Eis leisten. In allen drei Sätzen geht es um die Zuordnung des bestimmten oder unbestimmten Artikels zum Wort Geld! Satz 1: Geld – unbestimmter Artikel, Menge des Geldes unbekannt. Satz 2: Opa gibt eine bestimmte Summe Geld, daher das als bestimmter Artikel. Satz 3: Opa gibt eine bestimmte Summe Geld, also bestimmter Artikel, und nur dann kann sich der Junge ein Eis leisten.
Dass Sie sich immer ein Eis leisten können, auch ohne dass Sie von irgendjemand Zuschüsse bekommen, das wünscht Ihnen
Ihr Dieter Mengwasser
Dipl.-Dolmetscher u. -Übersetzer

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