Samstag, Oktober 16, 2021
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Der 13. Meter: Rein in den Dom, raus aus dem Dom

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Von Michael Ronshausen und Anita Schmidt

Viele Dinge, die irgendwann einmal im Dom ihren Platz gefunden haben, erleben dort den Zustand einer fast dauerhaften Existenz. Ob es sich dabei um religiöse Kunstwerke handelt oder einfach nur um Gegenstände, die eher dem täglichen Gebrauch zuzuordnen sind, spielt dabei meis-tens keine Rolle. Fast könnte das Motto „Einmal im Dom – immer im Dom“ lauten. Doch im Laufe der Jahrhunderte unterlag auch die Ausstattung des Domes manchmal sogar großen Veränderungen. Oft war es der Zahn der Zeit, der zu diesen Veränderungen den Anlass gab, manchmal waren sie aber auch aus der Not heraus geboren.

Die beiden bedeutendsten optischen Veränderungen erfuhr das Innenleben der Kathedrale in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Während der großen Domreparatur unter der Aufsicht von Karl Friedrich Schinkel verschwanden nach 1826 alle zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert eingebauten Emporen. Diese in den Seitenschiffen aufgeständerten kleinen Privaträume mit Sitzgelegenheiten, Türen und Fenstern dienten der „besseren Gesellschaft“ an hohen kirchlichen Feiertagen dazu, sich während der Gottesdienste vom gemeinen Volk abzugrenzen.

Bereits vor 200 Jahren hielt man diese Separation der Bessergestellten nicht mehr für angemessen. Außerdem müssen die stets auf private Initiative eingebauten sogenannten „Priechen“ optisch einen weniger schönen Eindruck auf die Dombesucher gemacht haben. Immerhin verdeutlichen sie nicht nur durch ihre Existenz einen Unterschied zwischen den Honoratioren und den einfachen Leuten, sie boten neben der Abgeschiedenheit auch den Luxus von Sitzplätzen, während die „normalen“ Leute im Langhaus stehen mussten. Doch auch diese Zeit endete 1829 mit dem Einbau einer ortsfesten Kirchenbankanlage, in der ebenfalls eine gewisse Ordnung herrschte. Die Plätze waren durchnummeriert und die „besseren Plätze“ waren nach wie vor der Aris-tokratie und dem „Stadtadel“ vorbehalten.

Der aus schwerem Eichenholz bestehenden „Möblierung“ waren immerhin 115 Jahre Verweildauer im Dom vergönnt. Sie wurde 1945 bei einem Tieffliegerbeschuss und durch herunterfallende Trümmer aus den Seitenschiffsgewölben schwer beschädigt und diente später als Feuerholz für Pfarrhaus und Remter. Lediglich einige neugotische Bänke exis-tieren aus dieser Zeit. Die bis heute bestehende Ausstattung des Doms mit rund 500 Einzelstühlen wurde 1955 anlässlich der Neuweihe des Doms angeschafft. Da man offenbar auf höchste Qualität Wert legte, verrichten diese Sitzmöbel wohl auch noch in den kommenden Jahrzehnten ihren Dienst.

Verschwunden sind heute neben einigen Kunstwerken auch zahlreiche Objekte der liturgischen Ausstattung. Der vermutlich noch bis ins frühe 19. Jahrhundert vorhandene Namensgeber jeder „echten“ Kathedrale, der Kathedra genannte Bischofssitz, ist heute ebenso wenig vorhanden wie die einstmals vorhandenen Beichtstühle. Zwar ist die Beichte in der evangelischen Kirche nicht unüblich, sie findet aber traditionell nicht mehr in den klassischen hölzernen Kabinen statt. Auch die teilweise recht prächtigen Grabdenkmale einiger Erzbischöfe befinden sich heute nicht mehr im Dom, sie gingen im Laufe der Jahrhunderte verloren. Selbst das Chorgestühl musste mehrfach Federn lassen. Bereits bei der Errichtung des Lettners gingen Teile verloren. Im 19. Jahrhundert waren erhebliche Bereiche durch Holzwurmbefall so verrottet, dass sie gegen neu angefertigte Arbeiten meist einfacherer Ausführung ausgetauscht werden mussten, oder sogar ganz verschwanden.

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