Mittwoch, Dezember 8, 2021
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Der 16. Meter: Carl Hasenpflugs goldener Dom

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Genauso interessant wie den echten Dom zu betrachten, ist oftmals der Blick auf die alten Bilder des Gotteshauses. Als Beiwerk historischer Stadtansichten erscheint er ab der Mitte des 16. Jahrhunderts zuerst wenig wirklichkeitsgetreu in solchen Werken. In den folgenden Jahrhunderten näherten sich die Abbildungen zwar immer mehr der gebauten Wirklichkeit, aber es soll noch bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts dauern, bis jemand den Dom auch in Ölfarben wirklichkeitsgetreu wiedergibt. Es ist der Maler Georg Carl Adolph Hasenpflug. Am 23. September 1802 in Berlin geboren, schlug Hasenpflug bereits früh eine bedeutende Karriere ein, die angesichts seiner Herkunft aus den Reihen der Handwerkerschaft nicht vorhersehbar war.
Er erlernte den Beruf des Schuhmachers, den bereits sein Vater ausgeübt hatte, qualifizierte sich aber bald zum Dekorationsmaler und begegnete schließlich Karl Friedrich Schinkel, der das Talent des jungen Künstlers erkannte. Kein Geringerer als König Friedrich Wilhelm III. ermöglichte Hasenpflug schließlich den Besuch der Berliner Akademie und machte ihn zu einer Art Dokumentationsmaler für die architektonischen Schätze Preußens. Eines seiner bekanntesten Werke ist der im Gemälde bereits „fertiggestellte“ Kölner Dom, mehr als 40 Jahre vor seiner tatsächlichen Vollendung. Zu seinem herausgehobenen Motiv sollte jedoch eine andere Kirche werden, der auch König Friedrich Wilhelm nachweislich eine besondere Wertschätzung entgegenbrachte.

Magdeburgs Dom machte nach drei Jahrhunderten der Vernachlässigung und im Anschluss an die napoleonische Besetzung einen recht heruntergekommenen Eindruck – und galt kurzzeitig sogar als Abriss-, bzw. Austauschkandidat. Der König stellte jedoch einen Großteil der Gelder bereit, um den mittelalterlichen Giganten zu retten – und beauftragte seinen Maler Carl Hasenpflug, den Dom in mehreren Ansichten auf die Leinwand zu bannen. Seine Majestät wollte vermutlich sehen, wofür er sein Geld ausgab, ohne ständig an die Elbe reisen zu müssen. Im Ergebnis dieses Auftrags entstanden mehrere Gemälde, die heute zu den sehenswertesten Ansichten des Doms gehören.

Hasenpflug malte den Dom so, wie er in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aussah. Als helles Gebäude aus gelbem Sandstein und somit auch als Erinnerung, wie die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit die Kathedrale erlebt hatten. Bereits wenige Jahre nach Hasenpflugs Domgemälden nahm die Industrialisierung auch in Magdeburg Fahrt auf – und ihr Motor wurde von brennendem Koks angetrieben. Innerhalb eines Jahrhunderts verwandelte sich der Dom durch die Umweltverschmutzung in eine pechschwarze Steinmasse, die wie eine Mahnung in den Magdeburger Himmel ragte. Heute, nach Jahrzehnten intensiver Restaurierung und lange nach dem Ende der massiven Luftverschmutzungen des 19. und 20. Jahrhunderts nähert sich die Gesamterscheinung des Doms in sehr kleinen Schritten wieder dem ursprünglichen Aussehen.

Carl Hasenpflug, der seinen Wohnsitz inzwischen nach Halberstadt verlegt hatte (wo es auch einen Dom zu malen gab), blieb seiner künstlerischen Liebe zur mittelalterlichen Architektur treu und schuf ein umfangreiches Werk aus Bildern historischer Bauten und zeitgenössischer Stadtansichten. Darunter befinden sich auch Gemälde mit dem Blick auf die gesamte Stadt Magdeburg. Seine bedeutendste Werkgruppe bleiben aber die Gemälde des Doms, dessen damalige Wirkung er mit seinen Arbeiten für immer bewahrt hat. Carl Hasenpflug starb, gerade einmal 55-jährig, am 13. April 1858 in Halberstadt und wurde dort auch bestattet. Die Stadt, in der er die zweite Hälfte seines Lebens verbracht hatte, benannte später eine Straße nach ihm. Magdeburg erinnert auf demselben Weg an den Künstler. Zu Beginn des Jahres 2021 ließ die Bundesbank de­­­­n Dom 30 Millionen Mal auf eine Zwei-Euromünze prägen. Die Darstellung der Nordostansicht der Kathedrale orientiert sich an einem der Domgemälde Carl Hasenpflugs. | Von Michael Ronshausen und Anita Schmidt

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