Freitag, Juli 1, 2022
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Der Magdeburger Dom: erster gotischer Kathedralbau auf deutschem Boden

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Vor 500 Jahren endete nach mehr als 300 Jahren die Großbaustelle Magdeburger Dom. Die Stadt hatte ihr neues Wahrzeichen.

Es war am Karfreitag des Jahres 1207. Am 20. April standen weite Teile Magdeburgs in Flammen. Auch der alte ottonische Mauritius-Dom, das Sebastianstift und Teile des Liebfrauen-Klosters fielen den Flammen zum Opfer. Die Reliquien, die liturgischen Gerätschaften und der Kirchenschatz konnten gerettet werden. Der amtierende Erzbischof AIbrecht II. von Käfernburg entschloss sich gegen den Widerstand seiner Domherren, die noch stehenden Mauern der Domruine niederzureißen und ein völlig neues Gotteshaus errichten zu lassen. Als Vorbild sollten die gotischen Kathedralen des französischen Burgund dienen. Doch kaum war der Grundstein fünf Monate nach dem Brand gelegt, stockte der Neubau. Einerseits waren die Bischöfe und weltlichen Fürsten im Erzbistum trotz zugesagter Spenden nicht besonders zahlungsfreundlich. Andererseits ließ sich Albrecht in den dauernd schwelenden Konflikt zwischen den Staufern und den Welfen um die Königs- und Kaiserwürde hineinziehen.

Der Erzbischof stellte sich zunächst auf die Seite des Staufers und damit gegen den welfenfreundlichen Papst Innozenz III. Nach einigen kurzen militärischen Intermezzi wechselte Albrecht dann auf die Seite des Königs und späteren Kaisers Otto IV. von Braunschweig. Der Welfe übertrug dem Erzbistum Besitzungen bei Sommerschenburg, Haldensleben und die Lauenburg im Harz und sagte eine Summe von 3.000 Mark Silber zum Neubau des Doms zu. Der Magdeburger Metropolit begleitete Otto sogar zu seiner Kaiserkrönung im Sommer 1209 nach Rom.

Als die Reichsfürsten den inzwischen volljährigen Staufer Friedrich II. zum Kaiser wählten, wechselte Albrecht zusammen mit dem Papst 1212 erneut die Seiten. Innozenz III. rief in Rom zu Spenden für den Domneubau auf. Der Kaiser zeigte sich dankbar und verlieh Magdeburg das Bergrecht im Erzbistum. Als Albrecht den Kirchenbann über den Welfen Otto verhängte, reagierte dieser mit der Reichsacht. Mehrfach fiel er ins Magdeburger Land ein, plünderte die Dörfer, scheiterte aber an der Stadtmauer. Zur Kriegsbeute zählten jedoch 300 Gefangene, darunter 36 Ritter. Zweimal geriet auch der Erzbischof selbst in Gefangenschaft. Mit dem Lösegeld konnte der Welfe seine Kriegskasse wieder füllen. Als nach dem Tod Ottos 1218 die Feindseligkeiten endeten, lagen die Magdeburger Vorstadt, das Judendorf, viele städtische Siedlungen und alle Mühlen in Schutt und Asche. Die Folgen: Die Preise für Lebensmittel zogen drastisch an. Die Bürger fällten ein vernichtendes Urteil über die Regentschaft ihres Erzbischofs: „Ein Kaiser Otto und ein Erzbischof Albrecht haben das Erzbistum gegründet, andere Fürsten gleichen Namens haben es wieder zerstört.”

Albrecht widmete sich nun wieder dem Neubau des Mauritius-Doms: Er hatte von seiner Reise nach Rom Splitter der Schädeldecke des Heiligen und einen Fingerknochen der Märtyrerin Katharina von Alexandrien nach Magdeburg mitgebracht. Diese Heilige ernannte er zur Neben-Patronin der im Bau stehenden Kathedrale. Bald zeichneten sich die Dimensionen eines der größten Sakralbauten Deutschlands ab: 120 Meter in der Länge, 37 Meter in der Breite mit einer Gewölbehöhe im Mittelschiff von 34 Metern. Das Querschiff – 44 Meter lang und 12 Meter breit – mit den Radialkapellen und den Ecktürmen nahm ihre Form noch unter der Regentschaft Albrechts an, die mit seinem Tod 1232 endete. Zwei Jahre später (1234) datiert die erste Messe im Dom. Doch noch 130 Jahre sollten vergehen, bis Erzbischof Dietrich Kagelwit den Innenraum des Gotteshauses feierlich einweihte. Mit der Fertigstellung der 104 Meter hohen Türme im Jahr 1520 näherte sich der Dombau seinem Ende zu. Mit der Abberufung des Dombaumeisters Bastian Binder am 30. März 1520 durch Kardinal Albrecht nach Halle gilt der 29. März als Tag der Fertigstellung des „Dom zu Magdeburg St. Mauritius und Katharina“. RF

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