Der Turbo-Feuerlöscher

Havarien und Brände zählen zu den Katastrophen, die von den Brandbekämpfern höchsten Einsatz abfordern. Geht es jedoch um Katastrophen in chemischen Großanlagen, waren selbst die bestausgestatteten Werksfeuerwehren am Ende ihres Lateins. Mit dem Wachsen der chemischen Großbetriebe in der DDR wuchs auch die Gefährdung durch solche Großbrände, durch explosive und toxische Schadwolken. Die bisher eingesetzte Löschtechnik stieß bei Einsätzen an ihre Leistungsgrenzen. Auch bei dem wachsenden Flugverkehr und den immer größer werdenden Flugzeugen und Treibstoffmengen war im Ernstfall kein ausreichendes Löschpotential zur Hand, um in kürzester Zeit solche Flammeninfernos wirksam zu löschen.

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Mit Erfindergeist beim Brandschutz und der Brandbekämpfung setzten Ingenieure im Institut der Feuerwehr in Heyrothsberge Innovationen und Techniken in die Realität um. Hier entstand die Idee, mit Hilfe des Abgasstrahls einer Flugzeugturbine Löschmittel in Brandherde zu sprühen. Damit konnten auch größere Entfernungen und Höhen überbrückt werden, die mit der Hitzeentwicklung bei Großbränden den bisherigen Löschtechniken Grenzen setzten. Für die ersten Versuche an der Ehle bei Magdeburg wurde ein altes W50-Feuerwehrfahrzeug umgebaut. Statt der Drehleiter montierten 1978 Techniker und Ingenieure auf den Drehkranz des Fahrzeuges das kleinste in der DDR erhältliche Strahltriebwerk mit der Bezeichnung M701c-250, das man aus einem ehemaligen Übungsjet L29-Delphin ausbaute. Der Umbau erfolgte im brandenburgischen Borkheide, wo die Zentralwerkstatt der Feuerwehr ihren Sitz hatte. Es war das Geburtsjahr des ersten deutschen Abgaslöschfahrzeuges.

Im damaligen Kombinat „Schwarze Pumpe” traf diese Innovation bei der Brandbekämpfung auf offene Ohren. 1984 baute die Betriebsfeuerwehr mit Hilfe der Ingenieure des Feuerwehrinstitutes ein weiteres Fahrzeug, bei dem ein Strahltriebwerk aus einem ausgemusterten Kampfjäger MIG-17 zum Einsatz kam. Pro Minute konnte der Abgasstrahl 10.000 Liter Wasser zerstäuben. Reichweite waren 150 Meter, der Wassernebel konnte in Höhen bis 40 Meter versprüht werden. Dieses Fahrzeug bewährte sich bei Einsätzen und so wurden nach der Wende weitere Fahrzeuge mit zeitgemäßer Technik gefertigt. Bei den Löscharbeiten in den kuwaitischen Erdölfeldern nach dem Golfkrieg kamen denn auch Fahrgestelle des Panzers vom Typ T55 mit aufmontiertem Strahltriebwerk einer MIG-21 zum Einsatz. Heute haben zahlreiche Feuerwehren die Turbolöscher im Einsatz, dessen Erfolgsgeschichte in Magdeburg ihren Anfang nahm. RF

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