Dienstag, November 29, 2022

Die B-Boys: DDR-Meister 1984

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Man kennt sie aus Musikvideos der großen Stars, aus Filmen oder gar aus dem Theater. Die Tänzer mit ihren akrobatischen Bewegungen. Die Rede ist von Breakdancern. 
Damals noch unter offiziellen Bezeichnungen wie beispielsweise „getanzte Pantomime“ oder „akrobatischer Showtanz“, wurde auch in der DDR gebreakt. Der Breakdance, eine Tanzform als Teil der Hip-Hop-Bewegung, die ursprünglich auf der Straße getanzt wurde, entstand in den frühen 1970er Jahren in New York. Ein paar Jahre später Anfang der 1980er Jahre schwappte die Bewegung auch nach Magdeburg und es entstand auch hier vor Ort eine Breakdance-Szene.
Olaf Bidler war ebenso früh dabei. Er fand es toll, die Bewegungen und speziellen Moves, obwohl er keinen einzigen konnte. Um es zu lernen, trainierte Olaf Bidler ein Jahr lang Tag und Nacht in der Schulsporthalle. Den Schlüssel hatte er sich von seiner Klassenlehrerin geben lassen. Er tanzte seinem späteren Tanzpartner Ruslan Koinakow, auf den er irgendwann an der „Witwe Bolte“ traf und der bereits im Breakdance aktiv war, vor. Der war begeistert und ab 1983 waren die beiden als Duo „B-Boys“ unterwegs. Sie traten vor beliebten Diskotheken wie der Witwe Bolte, dem Kika oder der Klosterwuhne auf und begeisterten die Menschen mit ihren Drehungen und Bewegungen. Gemeinsam arbeiteten sie nahezu bis zur Perfektion an ihrer Synchronität und trainierten dafür auch mit einem russischen Tanzlehrer im Spiegelsaal dessen Tanzschule. 1984, nachdem die erste große Breakdance-Welle schon vorüber war, lebte mit dem Film „Beat Street“ alles nochmal richtig auf. Viele Begeisterte gingen nicht nur einmal ins Kino, mit Zettel und Stift gerüstet, um sich die Techniken, die im Film getanzt wurden, genau aufzuschreiben und schließlich selbst nachzutanzen. Die zweite Breakdance-Welle schwappte zu uns, erinnert sich Olaf Bidler. Im November 1984 fanden auch die ersten inoffiziellen Breakdance-Meisterschaften in Rostock-Warnemünde im Hotel Neptun statt, zu denen auch die B-Boys fuhren. Die Zuschauer waren vor allem Hotelgäste, aber in der Jury saß auch nationale Prominenz. Die erste Runde hat das Duo nicht gewonnen. Sie hatten mit den Meisterschaften schon so gut wie abgeschlossen. Doch dann teilte man ihnen mit, dass die Regeln vorsahen, dass Erst- und Zweitplatzierte in die nächste Runde kommen sollten. Also auch die Magdeburger B-Boys! Sie haben sich nochmal „zusammengerissen“, weiter getanzt und am Ende „das Ding gewonnen“, erzählt Bidler. Das harte Training hat sich gelohnt. Die Meisterschale hing noch jahrelang in der „Witwe Bolte“ in Magdeburg.
Nach den gewonnenen Meisterschaften konnten sich die B-Boys vor Auftritten kaum retten und waren auch mit Größen wie Karat oder den Puhdys unterwegs. Für das DDR-Jugendmagazin „Klik“ – sozusagen die ostdeutsche Variante von BravoTV – hatte das Duo das wohl erste Breakdance Video der DDR aufgenommen. In Magdeburg und vielen weiteren Teilen der Republik hatten die beiden bis in die späten 80er Jahre etliche weitere Auftritte und konnten sich mit dem Breaken sogar ihren Lebensunterhalt verdienen.

Text: Lea Wesemann, Seite 19, Kompakt Zeitung Nr. 220

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