Donnerstag, Juni 30, 2022
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Die Einsicht wächst nicht

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Das Übel unserer Zeit ist hinlänglich bekannt: die Konsumgesellschaft. Es wird gekauft, was der Markt hergibt. Seit der „Club of Rome“ 1972 auf „Die Grenzen des Wachstums“ hinwies, stottern sich weite Teile der Menschheit an dem Thema ab. Vorschläge für eine Postwachstumsgesellschaft und die Kritik am Wirtschaftswachstum ist fast so alt wie das Phänomen selbst. Zuletzt hat die Angst vorm Klimawandel, verbunden mit klimaschädlichen Emissionen und dem Protest der Klimaaktivis-ten um Greta Thunberg und ihrem deutschen Pendent Luisa Neubauer, für einen neuen Kritikschub gesorgt.

Aber was passiert wirklich? Während der Corona-Pandemie laufen die Geschäfte der Luxus-Labels so gut wie nie zuvor. Der französische Luxusriese LVMH mit seinen Marken Louis Vuitton, Moët & Chandon, Dom Pérignon, Veuve Clicquot, Hermès oder Bulgari konnte 2021 seinen Jahreserlös um 44 Prozent auf 64,2 Milliarden Euro erhöhen. Auch die Marken Gucci, Yves Saint Laurent und Bottega Veneta des Luxusproduzenten Kering ließ dessen Umsatz um 11 Prozent auf 17,6 Milliarden Euro steigen.

Eine Studie des Deutschen Modeverbandes zeigt, dass insbesondere junge Menschen einen luxuriösen Kleidungsstil haben. Die 18- bis 29-Jährigen seien mit einem Anteil von 13 Prozent Kleidung im hohen Preissegment allen anderen Generationen voraus. Kürzlich berichtete mir ein guter Freund, dass dessen Sohn sich zum zweiten Mal Schuhe für rund 1.000 Euro gekauft hatte. In derselben Studie wird ebenfalls erwähnt, dass 71 Prozent der jungen Käuferschaft in Filialen günstiger Anbieter kaufen würden. Das Fazit daraus lautet: Die 18- bis 29-Jährigen tun das Eine und lassen das Andere ebenso nicht. Außerdem kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass Jugendliche generell markenaffiner sind als Ältere.

Letztere würden heute eher zum Schnäppchen greifen. Und die Werbung für Luxus-Klamotten laufe heute über zahlreiche Influencerstars. Die berühmten Schauspielergesichter verlieren an Bedeutung.

Nun liegt es noch nicht so lange zurück, dass vor allem die Kritik an den älteren Generationen vor allem durch die jüngere artikuliert wurde und in manchem Medium Verbreitung fand und findet.

Mir wird durch solche Studien – egal, wie relevant deren Ergebnisse fürs Leben sind – eher klar, dass Generationenschelte die Wirklichkeit nicht abbilden kann. Und wenn wir uns heute darüber freuen, wie politisch bewusst sich junge Menschen engagieren würden, dürfe man nicht ausblenden, dass damit ein grundsätzliches Mehrheitsverhalten nicht erklärt ist. 50 Jahre ist die Mahnung des „Club of Rome“ nun schon alt und das Wachstum findet entgegen allen Verkündigungen keine Grenzen und die Einsicht bewegt sich überhaupt nicht dahin, wohin manche glaubten, dass sie wachsen würde.

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