Die Handballer des SC Magdeburg planen im nächsten Jahr ein großes internationales Turnier

Die Handballer des SC Magdeburg planen im nächsten Jahr ein großes internationales Turnier. Mit ihm soll die Erinnerung an die Trainer-Legende fortgeführt werden. | Von Rudi Bartlitz

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Als SCM-Kapitän Christian O’Sullivan im Sommer 2019 in der Harzlandhalle von Ilsenburg den Pokal des Klaus-Miesner-Gedenkturniers hochreckte, war es ein Moment, in dem Freude und Wehmut zusammentrafen. Freude darüber, diesen hochkarätig besetzten internationalen Wettbewerb erneut gewonnen zu haben, zum 14. Mal übrigens. Wehmut, weil die 30. Auflage zugleich die letzte gewesen ist, die an den einstigen SCM-Meistercoach erinnert. Trainer-Legende Klaus Miesner war im Januar 1989 nach einer Herzattacke im Trainingslager in Drei Annen verstorben; er wurde nur 53 Jahre alt.

Es waren nicht nur die mit der Verpflichtung internationaler Top-Teams verbundenen Finanzmittel und die erheblichen organisatorischen Belastungen, die den kleinen HV Ilsenburg als Veranstalter letztlich überforderten und dazu bewogen, nach drei Jahrzehnten einen Schlussstrich zu ziehen. Ebenso ausschlaggebend war, dass Lothar Schacke, graue Handball-Eminenz und einer der Väter des Turniers, inzwischen 77 geworden ist und sich aufs Altenteil zurückzog. Jener Mann, der sagt, dieses Turnier sei „eine Hommage an den SCM“ gewesen. Dem es als Team-Manager mit seinen persönlichen Kontakten gelang, viele ausländische Vertretungen überhaupt erst in den Harz zu lotsen. Oder Mannschaften wie den glorreichen deutschen Rekordmeister THW Kiel, der einst nur kam, weil Schacke noch einen Wunsch beim damaligen Trainer Alfred Gislason frei hatte. Lange Jahre war der Mann aus dem bayerischen Roding als Team-Manager für die isländische Nationalmannschaft unterwegs gewesen.
„Früher habe ich die Verträge quasi per Telefon und mit Handschlag gemacht. Man kannte sich“, erzählte Schacke dieser Zeitung einmal. „Inzwischen hat in vielen Klubs das Personal gewechselt, jetzt kommen Anforderungen auf uns zu, die immer schwerer zu handeln sind.“ Ilsenburgs Vereinschef Michael Löwe sagt: „Für uns als Organisatoren, die wir alle berufstätig sind, ist dies nicht mehr zu stemmen. Und selbst für Lothar war es immer schwieriger, den hohen Standard des Miesner-Turniers aufrechtzuerhalten.“ Immerhin lag der Turnier-Etat Schätzungen zufolge im mittleren fünfstelligen Bereich.

Doch einen Wettbewerb, der über drei Jahrzehnte stets eng mit dem SCM verbunden war, einfach in der Versenkung verschwinden lassen? Bereits vor einem Jahr hatte Marc Schmedt, der Geschäftsführer des Bundesligisten, überlegt, möglicherweise ein Pendant für dieses Turnier zu schaffen. Als man nun vor einigen Wochen den dänischen Sportartikel-Hersteller Hummel als neuen Ausrüster der Magdeburger präsentierte, wurde parallel dazu bekanntgegeben, dass der SCM gemeinsam mit ihm ab nächstes Jahr ein internationales Turnier in Magdeburg ausrichten werde. „Ob und wie man es eventuell mit dem Gedenken an das Wirken von Klaus Miesner verbinden kann, das ist noch offen. Aber durchaus eine schöne Möglichkeit, mit einer Fortführung neben Klaus Miesner auch die bisherigen Organisatoren zu würdigen“, so Schmedt zur KOMPAKT ZEITUNG.

Wer war dieser Klaus Miesner, den die Handball-Annalen als einen der erfolgreichsten Klubtrainer der Welt überhaupt bezeichnen? Der den SC Magdeburg neunmal zum DDR-Meistertitel führte, dreimal zum Pokalsieg, viermal stand seine Mannschaft im Europafinale, unvergessen bleiben die zwei Europapokalsiege 1978 und 1981 im Cup der Landesmeister und der Erfolg in der Europameisterschaft für Vereinsmannschaften. Der Absolvent der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig war einst selbst mit dem Team von Lok Südost Magdeburg DDR-Handballmeister (1963) geworden und übernahm dann 1968 das Amt des Cheftrainers beim SC Magdeburg. „Aus oft nur mittelklassigen Spielern“, umriss das einstige SCM-Faktotum Heinz Herke die Arbeit seines Freundes Miesner, „machte er mehr als andere Trainer, die wirklich große Talente unter ihren Fittichen hatten.“ Er formt Weltklassespieler wie Ernst Gerlach, Günter Dreibrodt, Wolfgang Lakenmacher, Ingolf Wiegert, Wieland Schmidt, Hartmut Krüger und Holger Winselmann.

Das Gedenken an den erfolgreichsten Magdeburger Coach zu bewahren, an ihn zu erinnern, das hatten sich die Handballer vom Ilsenburger HV fest auf ihre Fahnen geschrieben. Warum gerade sie? Die Gründe dafür nennt Vereinschef Löwe: „In den achtziger Jahren wollten wir unser eigenes kleines Turnier etwas aufwerten und haben beim SCM angefragt, ob sie nicht einmal bei uns mitmachen könnten. Klaus Miesner erklärte sofort sein Einverständnis, kam mit all seinen Stars – und stellte keinerlei Bedingungen. Nach seinem tragischen Tod haben wir dann, nach Abstimmung mit seiner Witwe und dem SCM, unsere Veranstaltung mit dem Namen Miesners verbunden.“

Auf die Frage, ob ein moderner deutscher Handball-Spitzenverein im Jahr 2020 überhaupt noch Traditionspflege benötige, entgegnet Schmedt: „Aber natürlich. Wir haben jetzt sogar eine Kollegin, die sich halbtags in der Geschäftsstelle um die Traditionsarbeit kümmert. Bei Klaus Miesner gilt es, den Namen eines der erfolgreichsten Trainer des SC Magdeburg hochzuhalten. Eine Lounge in der Getec-Arena trägt seinen Namen. Seinem Wirken war es schließlich vor allem zu verdanken, dass der Klub bereits vor der Wende auf europäischer Ebene erfolgreich unterwegs war.“

Nun also könnte ab Sommer 2021 ein Turnier in der Landeshauptstadt durchaus an die Ilsenburger Traditionen anknüpfen. „Uns schwebt eine gemeinsam mit Hummel organisierte zweitägige Veranstaltung mit vier europäischen Spitzenteams vor“, sagt Schmedt. „Wir würden zwei Halbfinals und am darauffolgenden Tag das Finale und die Partie um Platz drei spielen. Ich denke, Magdeburg steht ein solches Turnier gut zu Gesicht.“

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