Die Heimkehr des 1000-D-Mark-Mannes

Der Name Johannes Scheyring (auch: Ziering) dürfte nicht allen Magdeburgern geläufig sein. Auch wenn im Jahr 2017 eine Straße – die Scheyringstraße im Neustädter Feld – nach ihm benannt wurde, war er doch für fast 500 Jahre aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden. Erst ein Geldschein verhalf dem 1454 im bayrischen Wemding geborenen und 1516 in Halberstadt verstorbenen Theologen wieder zu mehr Bekanntheit. Von 1964 bis 1992 war der Domherr zu Magdeburg und Halberstadt auf dem 1000-D-Mark-Schein abgebildet und kehrte mit der Währungsunion am 1. Juli 1990 zumindest kurzzeitig an seine Wirkungsstätte zurück. Bis sein Porträt auf der Banknote, 1529 geschaffen von Lucas Cranach dem Älteren und heute in den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel zu sehen, den Köpfen der Gebrüder Grimm weichen musste. Von 1992 bis zur Einführung des Euro schmückten die Sprachwissenschaftler und Sammler deutschen Sprach- und Kulturguts den 1000-Mark-Schein.

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Während auf der Rückseite der Banknote unverkennbar der Limburger Dom abgebildet war, gab es anfangs kuriose Diskussionen über den Herren auf der Vorderseite. Die Bundesbank war 1964, als sie den Schein erstmals in Umlauf brachte, davon ausgegangen, dass das Cranachsche Portrait Scheyrings Zeitgenossen, den Nürnberger Astronomen und Geographen Dr. Johann Schöner, darstellt. Erst 1986 wurde in einer offiziellen Veröffentlichung erklärt, dass es „nach neuesten Forschungen den Magdeburger Theologen Dr. Johannes Scheyring“ zeigt.
Auch wenn Scheyring – oder Ziering, die Schreibweise des Namens wechselte in früheren Unterlagen – die damals wertvollste Banknote zierte, ist doch recht wenig über den Theologen bekannt. Er stammte aus einer angesehenen, einflussreichen Familie, die sich in Wemding, heutiger Landkreis Donau-Ries, niedergelassen hatte und Beziehungen nach Leipzig sowie Magdeburg pflegte. Bereits in seiner Kindheit zog seine Familie nach Magdeburg, wo sein Vater als Kaufmann und Handelsherr tätig war.

Johannes Scheyring studierte später Theologie an der Universität Leipzig und wurde 1483 zum Domprediger in Magdeburg berufen. Kurze Zeit später begann er, an der Universität Leipzig zu lehren und wurde im Alter von 36 Jahren zum Rektor ernannt. Ab 1494 wendete er sich ausschließlich seinem Amt als Domprediger in Magdeburg und Halberstadt zu.
Johannes Scheyring, dessen gleichnamiger Neffe Bürgermeister von Magdeburg war, wird als Vorläufer der Reformation angesehen. Er selbst war Katholik, äußerte jedoch Kritik an den damaligen Missständen der Kirche. Einige Quellen gehen davon aus, dass Martin Luther, der als Dreizehnjähriger 1497 in Magdeburg zur Schule ging, Scheyring im Dom predigen hörte und dessen Sorgen über die kirchlichen Mängel und Ungerechtigkeiten teilte. Während die ältere Generation der Scheyrings Katholiken waren, zählten sich die Nachfahren zu den Protestanten.
Der Theologe starb 1516 als Domherr in Halberstadt kinderlos. Er hinterließ jedoch ein Testament und begründete damit die Zieringsche Familienstiftung, welche bis nach dem Ersten Weltkrieg an Nachkommen des zehn Jahre jüngeren Bruders Emeran Stipendien für junge Männer sowie Aussteuerhilfen für junge Frauen vergab. Aus politischen Gründen wollte der Rat der Stadt Magdeburg die Stiftung 1955 auflösen, die Stiftungsaufsicht des Landes Sachsen-Anhalt stellte jedoch 2007 fest, dass dies nach damals geltendem Recht unwirksam war, weshalb die Zieringsche Familienstiftung bis heute besteht. Tina Heinz

Quellen: „Dr. Johann Ziering – Ein Schicksal im Zeitalter der Reformation“, von Rolf Grunow, aus: Genealogie – deutsche Zeitschrift für Familienkunde 1967, 16. Jahrg., Heft 10;www.z-m-a.de

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