Dominique Schaak: Träumen vom Ferrari

Dominique Schaak, einziger professioneller Rennfahrer aus Sachsen-Anhalt, über seine Lieblingsautos, Geschwindigkeiten, Flensburg-Punkte, Fußball und persönliche Leitbilder. | Von Rudi Bartlitz

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Während anderswo die Wettkampf-Saison wegen Corona unter- oder gar abgebrochen wurde, hat sie für Dominique Schaak noch nicht einmal begonnen. Bis Mitte August muss sich Sachsen-Anhalts einziger professioneller Automobil-Rennfahrer noch gedulden, bis die Ampel beim Rennen der ADAC GT4 Germany auf dem Nürburg-Ring für ihn zum ersten Mal in diesem Jahr auf Grün springen soll. Zeit also, mit dem 29-Jährigen einmal über Dinge zu reden, die sonst meist zu kurz kommen.

Das ganz persönliche Traumauto

„Der Jaguar F-Type. Ein mega Wagen, auch äußerlich, der einen V-8-Motor mit einem satten Klang besitzt. Er wäre mein kleiner Traum, wenn ich mir ein Auto aussuchen dürfte. Den würde ich mir gern in die Garage stellen – und einmal in der Woche polieren. Dann fahren und wieder polieren. Bei einem Preis von über 100.000 Euro wird es aber wahrscheinlich ein Traum bleiben. Persönlich fahre ich derzeit einen Seat Leon Cupra Sport.“

Der Traum-Dienstwagen

„Jeder Rennfahrer träumt davon, einmal in einem Ferrari hinter dem Steuer zu sitzen. Mein Favorit ist der Ferrari Scuderia 458, ein Sportwagen. Natürlich träume ich auch davon, einmal zwei, drei Runden einen Formel-1-Wagen von Ferrari zu steuern. Selbst wenn es nur im Training wäre. Da wir gerade bei Träumen sind und bevor die entsprechende Frage kommt: Formel 1 ist für einen Fahrer wie mich einfach utopisch, schon von den Kosten her ist der Weg dorthin nicht möglich. Da benötigt man so acht bis neun Millionen Euro, die man mitbringen sollte, um überhaupt in die Nähe eines Platzes in der Formel 1 zu gelangen.“

Die höchste Geschwindigkeit

„310 km/h. Mit einem Lamborghini Huracan. Aber ich weiß beim besten Willen nicht mehr, auf welcher Strecke das war. Aus meiner Sicht besteht der Unterschied zu beispielsweise 210 km/h darin, dass, wie wir Rennfahrer sagen, der Blick kleiner wird. Die Kurve kommt einfach schneller.”
Die Punkte in Flensburg
„Keiner mehr. Ich hatte einmal einen, 2016. Da war ich einfach zu schnell unterwegs. Ich fahre zwar generell gern schnell, das gebe ich zu, versuche aber dennoch, diszipliniert zu sein. Auf jeden Fall fahre ich vorausschauend.“

Die schwerste Verletzung

„Auch damit kann ich nicht dienen. Von Prellungen und Stauchungen einmal abgesehen, in richtig spektakuläre Unfälle war ich nie verwickelt, obwohl ich schon seit meinem achten Lebensjahr Rennen bestreite. Dabei soll es auch bleiben, toi, toi, toi.“

Das Vorbild als Rennfahrer

„Eindeutig Ayrton Senna. Obwohl ich bei seinem tragischen Tod 1994 erst vier Jahre alt war und ihn nie persönlich erlebt habe, habe ich viel über ihn gelesen. Der Brasilianer war für mich der vollkommene Fahrer. Das war Leidenschaft pur. Ihm ging es nicht um Geld. Er hat seinen Sport gelebt. Er war auch abseits des Sports eine Ikone, hat sich engagiert. Einfach eine Legende. Auf der Rennstrecke, auf der er verunglückt ist, in Imola, habe ich 2018 mein bisher wertvollstes Rennen gewonnen. Für mich war es ein denkwürdiger Moment, die Stelle zu besuchen, an der er verunglückte. Der Pokal, den ich in Imola bekommen habe, steht zu Hause bei mir in einer Vitrine zusammen mit Dingen, die an Ayrton Senna erinnern.“

Die Lieblingsstrecke

„Das sind eigentlich drei. Imola, weil es so schnelle Kurven hat und noch eine sogenannte Old-School-Rennstrecke mit Kiesbett und Rasen und ohne riesige asphaltierte Auslaufzonen ist. Dann noch der Red-Bull-Ring in Österreich und Spa-Francorchamps in Belgien. Generell finde ich die alten Strecken-Layouts spannender als die modernen. Sie sind eine Herausforderung für den Fahrer.“

Die schwierigste Strecke

„Für mich persönlich ist es Dijon in Frankreich, auch eine ehemalige Formel-1-Piste. Eine mega schöne Strecke, auf der ich aber kämpfen musste wie nirgends sonst bisher. Einige Kurven, die waren schon heftig.“

Die Zukunft des Motorsports

„Das ist eine zwiespältige Sache. Generell glaube ich, dass es den Motorsport immer geben wird. Nicht nur, weil an der Automobilbranche in Deutschland so viele Arbeitsplätze hängen. Fakt ist auch, dass sich der Motorsport ständig verändert hat, sich also auf die Bedingungen einzustellen versucht. Er wandelt sich. Er ist nicht nur stark technisch geprägt, es ist auch ein sehr schnelllebiger Sport. Sicher, es wird Höhen und Tiefen geben, er wird aber nicht verschwinden. Zudem ist der Motorsport aus meiner Sicht unabdingbar für die Weiterentwicklung der Autoindustrie. Für den Rennsport wird es immer Lösungen und Optionen geben.“

Das Elektroauto im Rennsport

„Der E-Bereich besitzt eine Zukunft, ganz klar, selbst wenn der Benziner derzeit noch dominiert. Die vor einigen Jahren geschaffene Formel E hat schon ihre Daseinsberechtigung. Dort sind tolle Fahrer versammelt, darunter viele ehemalige Formel-1-Piloten. Marken wie Audi und Porsche haben sich dort engagiert.“

Die größte Sportlerpersönlichkeit

„Verdammt schwer. Aus meinem Motorsportblick zählt Michael Schumacher dazu. Er hat sehr viel bewegt. Und dann Muhammad Ali. Eine Legende schlechthin. Ich bewundere generell Sportler, die einen harten Weg gehen und viel durchstehen mussten, um an die Spitze zu gelangen. Leute, deren erstes Ziel es nicht war, durch Sport reich zu werden – ein Schumacher wäre, davon bin ich überzeugt, auch für 500.000 im Jahr gefahren. Ich bewundere Leute, die aus Leidenschaft handeln.“

Der Fußball

Ich habe 20 Jahre selbst gespielt (zuletzt in der Landesklasse beim SV Hötensleben, d. Red.). Da sehe ich, obwohl bei vielen umstritten, Cristiano Ronaldo mit besonderen Augen. Weil er eine Persönlichkeit darstellt, auf dem Spielfeld und außerhalb viel Emotionen zeigt. Den würde ich gern einmal treffen. Mein Lieblingsverein in Deutschland ist Borussia Dortmund. Und dann als Magdeburger natürlich der FCM. Das ist ein Traditionsverein mit tollen Fans, der unbedingt in die 2. Liga gehört.

Das Karriereende

Ich werde demnächst 30. Etwa acht Jahre möchte ich noch aktiv fahren. Die spätere Zukunft im Motorrennsport kann ich mir auch vorstellen. Möglicherweise mit einem eigenen Team oder als Berater. Es reizt mich, Erfahrungen an den Nachwuchs weiterzugeben, z. B. junge Kart-Fahrer auszubilden.

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