Dienstag, November 29, 2022

Drei Dinge braucht die Liga

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Die Deutsche Fußball-Liga (DFL), der jetzt auch wieder der FCM angehört, sucht einen Milliarden-Investor. Das Ziel ist eine eigene Medien-Plattform. 

Wenn es in der Vergangenheit eine Devise für die Fußball-Bundesliga gab, so konnte die nur lauten: Wachsen, wachsen, immer weiter wachsen. Geld schien für der Deutschen liebstes Kind genug da zu sein. Es ging nur noch darum, es einigermaßen geschickt einzusammeln. Bis Corona, Lockdown und Geis-terspiele kamen. Und dem Ganzen ein rigoroses Stop setzten. Im günstigsten Fall stagnierten die Erträge. Meist wiesen die Klubs in ihren Bilanzen in den zurückliegenden zwei Jahren jedoch ein Negativ-Saldo auf – oft im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Eine Negativspirale, die selbst um Krösusse wie Bayern München und Borussia Dortmund keinen Bogen machte. Seit nun die Pandemie-Fesseln wieder einigermaßen abgelegt sind, ist das gesamte Sinnen und Trachten der Branche darauf gerichtet, diese finanziellen Verluste wieder einigermaßen wettzumachen. Doch das erscheint – insbesondere im Lichte der gegenwärtigen äußerst prekären wirtschaftlichen Gesamtsituation – als das Leichte, das so schwer zu machen ist.

Befeuert (und aus deutscher Sicht verschärft!) wird die Situation noch dadurch, dass die Entwicklung im internationalen Fußballbusiness erstaunlicherweise weiter nach oben zeigt. Als ob es die Turbulenzen auf den internationalen Märkten gar nicht gebe. Keine Krise hat daran bisher etwas geändert, weder ein weltweiter Finanzcrash noch eine Pandemie. Das europäische Fußballgeschäft wurde größer und größer. Allein das Volumen der Champions League wächst von derzeit rund 3,2 Milliarden Euro je Saison auf bald rund 5 Milliarden Euro. Davon profitiert vor allem die Spitze – also vor allem die Top-Teams im europäischen Ausland.

Händeringend sucht die DFL, die Vereinigung der Erst- und Zweitligisten, der seit dem Aufstieg im Sommer auch der 1. FC Magdeburg angehört, deshalb seit geraumer Zeit nach einem potenten Investor. Einer, der nicht mit schnöden Millionen jongliert, sondern im fetten Milliarden-Business zu Hause ist. Der den Deutschen in einem Projekt zur Seite steht, das zum Fundament für eine erfolgreiche Zukunft der Bundesliga werden soll. Gesucht wird ein Investor, der nicht nur Kapital, sondern auch Know-how einbringt, um neue Vertriebswege für die medialen Produkte der ers-ten und zweiten Liga zu erschließen.

Denkbar ist beispielsweise die Entstehung einer eigenen Plattform wie DAZN oder Netflix, wo dann Live-Spiele, Highlight-Clips, aber auch Analyse und Hintergrundformate abrufbar sind, je nach Format und Markt umsonst oder gegen Bezahlung. Denkbar ist ebenso (und hier kämen dann die Interessenten der zweiten Liga direkt ins Spiel), dass der Fan für eine derartige Plattform ein Abonnement bei der DFL abschließt und nicht mehr bei Sky oder DAZN. Das wäre für den Nutzer auf jeden Fall leichter zu händeln. Ob es am Ende allerdings preisgünstiger würde, steht wiederum auf einem anderen Blatt.

Die Bosse der Großklubs sind in diesen Wochen als Mahner unterwegs. Hauptbotschaft: Die DFL brauche dringend Milliarden, um weiter wachsen zu können, um im internationalen Wettbewerb nicht noch weiter hinten runterzufallen. Dazu gelte es, von den anderen europäischen Top-Klassen zu lernen. Nicht nur von den Engländern, die mit ihrer Premier League ohnehin allen voraus ist. Auch La-Liga in Spanien und die französische Ligue 1 haben sich bereits einen Milliarden-Investor an Bord geholt. In Italiens Serie A sind zahlreiche Klubs in Investoren-Besitz gegangen. Gerade erst im Sommer ist der Traditionsklub AC Mailand von der US-Investmentfirma RedBird übernommen worden.

All das, was die DFL jetzt anstrebt, wird nicht ohne Zugeständnisse zu haben sein. RB Leipzigs Chef Oliver Mintzlaff, der zu einem der einflussreichsten Sprecher der Liga geworden ist, betonte erst dieser Tage, dass es für ein finanzielles Wachstum der Bundesliga nötig sei, dass alle Vereine bereit seien, mehr zu geben als bisher. Also von bestimmten Erbhöfen abzulassen. Es sei klar, merkte „Sport Bild“ dazu an, „ein Investor wird nicht drei oder vier Milliarden Euro für 20 oder 25 Prozent an einer neuen DFL-Tochtergesellschaft zur Vermarktung der TV-Rechte auf den Tisch legen. Ein neuer Investor will mitbestimmen, um die Attraktivität der Bundesliga – gerade beim Thema Auslandsvermarktung – zu erhöhen und damit den eigenen Gewinn maximal zu steigern.“

Es wird spannend zu beobachten sein, zu welch Veränderungen dies in Zukunft führt. Denkbar sind beispielsweise neue Anstoßzeiten für die Kernmärkte in Asien und Amerika. Ob dies auch Liga zwei beträfe, ist offen. Aber die Gedankenflüge gehen längst weiter: Es könnte auch möglich werden, dass TV-Reporter die Spieler, wie in US-Profiligen heute schon gang und gäbe, gleich nach dem Duschen in der Kabine interviewen. Als die neue DFL-Chefin Donata Hopfen Anfang des Jahres sogar die Idee ins Spiel brachte, den deutschen Supercup eventuell in Saudi-Arabien auszutragen, wurde sie hart kritisiert. Und als sie sich auf einer Innovationsmesse für die Möglichkeit interessierte, während der Spiele Drohnen aufs Feld zu schicken, um zum Beispiel vor einem Elfmeter Profis zu interviewen, folgte der nächste Sturm der Entrüstung. Die Traditionalisten jedenfalls sind nicht bereit, alle angedachten Spielchen mitzumachen.

Nachdem ein erster Versuch, mit einem Großinvestor ins Geschäft zu kommen, vor zwei Jahren noch auf Eis gelegt worden war, will die DFL nun im November über den Einstieg eines sogenannten Private-Equity-Partners entscheiden. Mit ihm will man dem Ziel, eine eigene Medien-Plattform zu schaffen (die dann so etwas wie ein eigenständiger Bundesliga-Sender werden könnte), entscheidend näher kommen – und dies nicht mehr Diensten wie DAZN, Amazon oder Netflix zu überlassen. Doch dazu braucht es, so schließt sich der Kreis, drei Dinge: Geld, Geld, Geld.

Text: Rudi Bartlitz, Seite 28, Kompakt Zeitung Nr. 218

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