Mittwoch, Dezember 8, 2021
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Ein neues Haus für M.

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Gänzlich unerfahren sind Kerstin und Karsten in ihrem Beruf als Architekten nicht, doch der große Coup ist in ihrer noch jungen Karriere bislang ausgeblieben. Das könnte sich jetzt ändern. Denn in „M“, wo es seit der Pogromnacht im November 1938 keine Synagoge mehr gibt, soll eine neue Institution für die jüdische Gemeinde entstehen. Diese hat das dafür vorgesehene Grundstück bereits von der Stadt geschenkt bekommen und erwartet nun Bewerbungen zahlreicher Architekturbüros. Auch Kerstin und Karsten wollen einen Entwurf beisteuern, sehen sich jedoch mit einer großen Herausforderung konfrontiert: Sie wissen kaum etwas über das Judentum, die örtliche jüdische Gemeinde und die Menschen, die ihr angehören.
Um das zu ändern, stellen die beiden mithilfe der künstlichen Intelligenz Amanda Nachforschungen an und lernen Menschen kennen, die ihnen einen Einblick in ihr Leben gewähren und so ein Bild von der Diversität jüdischen Lebens in der Stadt zeichnen. Das Puppentheater Magdeburg nimmt mit seiner Inszenierung „Ein neues Haus für M.“ das Publikum mit auf eine Entdeckungsreise und beteiligt sich damit am Festjahr „1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“. „Initiiert wurde dieses Festjahr von der Synagogen-Gemeinde in Köln“, erklärt Miriam Locker, die seit 2018 als Dramaturgin am Puppentheater Magdeburg tätig ist. „Und wir haben uns mit diesem Projekt beworben, um so dazu beizutragen, das jüdische Leben auch bei uns bekannter zu machen.“

Während der vorbereitenden Arbeiten für das Projekt hat Miriam Locker nicht nur dem Prozess gegen den Attentäter des Terroranschlags von Halle beigewohnt. Sie hat auch Kontakte zu Mitgliedern der jüdischen Gemeinden in Magdeburg und Leipzig geknüpft, deren Geschichten in die Inszenierung eingeflossen sind und so den Facettenreichtum des jüdischen Lebens zeigen. „Neben einer Rabbinerin mit DDR-Vergangenheit und einer israelischen Opernsängerin trifft man im Stück auch auf Vertreter einer konservativen und einer liberalen Gemeinde“, schildert die Dramaturgin, die bei „Ein neues Haus für M.“ auch Regie führt.
„Die Regie ist Team-Arbeit“, betont Miriam Locker. „Es findet ein ständiger Austausch mit den Spielenden statt und es gibt wichtige Impulse von allen Seiten.“ Die Umsetzung des Stücks erfolgt als klassisches Materialtheater. „Für mich stand von Anfang an fest, dass wir mit Knete arbeiten. Dokumentarisches Theater mit Puppen kann ich mir nicht vorstellen.“ Bunt sollte es sein – wie das jüdische Leben auch. „Zudem passt Knete wunderbar zum architektonischen Thema“, ergänzt Miriam Locker, „und sie schafft eine Verbindung zur jüdischen Geschichte – zur Zerstörung und zum Wiederaufbau.“

„Ein neues Haus für M.“ wird am 16. Oktober uraufgeführt – die Premiere ist ausverkauft, für weitere Termine sind noch Karten zu haben. | Tina Heinz

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