Ein Ost-Quadratmeter ist 1.000 Euro billiger

Von 1949 bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 unterschieden sich die westliche Bundesrepublik Deutschland und die östliche Deutsche Demokratische Republik komplett in ihren Politik- und Wirtschaftssystemen. Eine unterschiedliche Entwicklung, die sich maßgeblich auf den Immobilienmarkt ausgewirkt hat. Doch wie sieht es 31 Jahre nach dem Mauerfall aus?

Bei der Eigentümerquote unterscheiden sich Ost- und West-Deutschland noch immer um 13,5 Prozentpunkte. Während im Osten 31,4 Prozent der Deutschen in einer eigenen Immobilie wohnen, lebt im Westen mit 44,9 Prozent fast jeder zweite im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung. „In keinem östlichen Bundesland liegt die Eigentümerquote über 50 Prozent. Dieser Marke am nächsten kommen die Brandenburger. Hier wohnen immerhin 47,8 Prozent in den eigenen vier Wänden. In den westlichen Bundesländern besitzen dagegen mehr Menschen eine Immobilie. Mit einer Eigentümerquote von 64,7 Prozent führt das Saarland das Ranking an. Nur in Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen wohnt die Mehrheit zur Miete. Nicht verwunderlich: Hamburg als Stadtstaat verzeichnet mit 23,9 Prozent die geringste Eigentümerquote der westlichen Bundesländer. Nur das Ost-Schlusslicht Berlin weist mit 17,4 Prozent eine noch geringere Eigentümerquote vor. Damit ist und bleibt die Hauptstadt eine Mieterstadt.

Nach mehr als 30 Jahren sind auch bei den Immobilienpreisen noch deutliche Unterschiede zwischen den ehemals zweigeteilten Ländern Deutschlands sichtbar. Mit immerhin durchschnittlich 1.000 €/m2 weniger müssen Kaufinteressenten beim Kauf einer Immobilie in ostdeutschen Bundesländern rechnen als im Westen. Im Osten zahlen Käufer durchschnittlich 1.878 €/m2, im Westen 2.832 €/m2. Allerdings steigen die Immobilienpreise in Ostdeutschland mit durchschnittlich 8,9 Prozent etwas stärker an als im Westen mit 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Bei den Spitzenreitern im Kaufpreis-Ranking nähert sich der Osten immer mehr dem westlichen Preisniveau. Während in Hamburg, in der westlichen Hälfte Deutschlands, Käufer 5.266 €/m2 zahlen, müssen sie in Berlin mit durchschnittlich 4.954 €/m2 rechnen. Bei den westlichen Bundesländern folgt Bayern mit 4.180 €/m2 auf dem zweiten Platz im Ranking, im Osten ist es Brandenburg – allerdings mit erheblichem Abstand – mit 2.589 €/m2. Damit müssen Käufer in Berlin fast doppelt so viel für den Quadratmeter Eigentum zahlen als im Nachbarbundesland Brandenburg.

Brandenburg verzeichnet die zweitteuersten Immobilienpreise im Osten, liegt allerdings im Gesamt-Vergleich aller deutschen Bundesländer nur im Mittelfeld. Das Land profitiert klar von der Hauptstadtlage im Herzen Brandenburgs sowie von der starken Entwicklung der Landeshauptstadt Potsdam in den letzten Jahren. Am günstigsten ist es in Westdeutschland in Niedersachsen mit 1.969 €/m2, in Rheinland-Pfalz mit 1.863 €/m2 und im Saarland mit 1.361 €/m2. Noch günstiger ist es dagegen im Osten Deutschlands. Während Käufer in Thüringen durchschnittlich 1.202 €/m2 zahlen, sind es in Sachsen-Anhalt nur 1.066 €/m2. Im preislichen Mittelfeld der westlichen Bundesländer liegen Baden-Württemberg mit 3.194 €/m2, gefolgt von Hessen mit 2.997 €/m2, Schleswig-Holstein mit 2.937 €/m2, Bremen mit 2.312 €/m2 und Nordrhein-Westfalen mit 2.134 €/m2.

Im Osten fällt das preisliche Mittelfeld merklich kleiner aus: In Mecklenburg-Vorpommern zahlen Immobilienkäufer 2.094 €/m2, während in Sachsen 1.936 €/m2 anfallen. Damit bewegen sich die durchschnittlichen Preise des Mittelfeldes in Ost- Deutschland unter denen des Westens.
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigen die Immobilienpreise am stärksten in Sachsen mit satten 10,6 Prozent. Im Westen klettern die Quadratmeterpreise am höchsten in Bayern mit zehn Prozent. Vor allem die beiden großen sächsischen Städte Dresden und Leipzig haben sich in den vergangenen Jahren als wahre Magneten für Investoren und private Kleinanleger gezeigt.

Auffällig ist, dass in nur drei westlichen Bundesländern ein Preisanstieg unter vier Prozent zu beobachten ist. Dazu gehören Hamburg mit 3,9 Prozent, Rheinland-Pfalz mit 3,6 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit 3,2 Prozent. Das Saarland ist aktuell das einzige Bundesland in ganz Deutschland, wo die Preise gegenüber dem Vorjahreszeitraum fallen, wenn auch nur um geringe 0,8 Prozent. Interessant ist auch ein Blick auf die durchschnittliche Vermarktungsdauer von Immobilien in Ost- und West-Deutschland. In den östlichen Bundesländern wird die Käufersuche nach 4,9 Monaten abgeschlossen, im Westen nach vier Monaten.

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