Dienstag, September 21, 2021
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Energieautarke Häuser zeigen die richtige Richtung

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Wie lässt sich Nachhaltigkeit mit sozialer Ausgewogenheit verknüpfen? Das ist eine der Kernfragen, mit denen sich Prof. Dr. André Presse in seinen Forschungen auseinandersetzt. Eine Antwort darauf gibt in Magdeburg das WOBAU-Modellprojekt „energieautarke Reihenhäuser“, das er mit auf den Weg gebracht hat.

Vor elf Jahren veröffentlichte Prof. Dr. André Presse einen Vorschlag, der heute aktueller ist denn je: Emissionsrechte könnten versteigert und die Einnahmen pro Kopf an die Weltbevölkerung rückvergütet werden. „Das würde den ärmsten Menschen das Überleben sichern“, sagt er. Nachhaltigkeit ist für ihn verbunden mit neuen wirtschaftlichen Ansätzen und modernen Technologien. Damit die Entwicklungen weiter vorangetrieben werden, sollten, so Presses Idee, „CO2-Zertikate“ zum Kauf von Öl und Kohle dazugehören. Er sagt: „Da-mit würde sehr viel Geld frei werden, und jede Technologie, die zu einer Einsparung von Kohlendioxid führt, erhielte einen riesigen Schub, weil sie sich schnell amortisiert.“ Der Forscher ist sich sicher, dass „wir eine Wirtschaftspolitik brauchen, die dafür sorgt, dass umweltschädliche Produkte teurer sind als die umweltschonenden“. Bisher sei das zumeist umgekehrt. Die modernen Technologien wiederum könnten dafür sorgen, dass eine so hohe Effizienz erreicht werde, dass mit weniger Ressourcenverbrauch mehr Wertschöpfung generiert werden könnte. „Damit schaffen wir den globalen Wandel“, sagt der Fachmann. An Ideen und Technologie müsste allerdings vor allem eins geknüpft werden: das Bewusstsein für den Klima- und Umweltschutz.

Wie das alles funktionieren kann, ist praktisch in der Ottostadt zu erleben. Prof. Dr. André Presse ist viel unterwegs, lehrte und forschte an zahlreichen Einrichtungen. Kreative Ideen zu befördern, Startups unter die Arme zu greifen, moderne Wege zu gehen, gehört zu seinem beruflichen Alltag. Aktuell hat er die Professur für Entrepreneurship-Technologiemanagement und Innovation an der „SRH Berlin University of Applied Sciences“ inne. Sein Blick geht allerdings häufig nach Magdeburg. Nicht nur, weil er eng mit der Otto-von-Guericke-Universität verbunden ist und 2014 maßgeblich am Aufbau des Transfer- und Gründerzentrums beteiligt war. Hier entsteht auch etwas, das er mit angeschoben hat.

Die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg (WOBAU) baut bald im Süden der Stadt eine der ersten energieautarken Wohnanlagen in Sachsen-Anhalt. „In diesem Modellprojekt zeigt das kommunale Unternehmen, wie man künftig bauen kann“, so Presse, „und dass die Wohnungen für Menschen unabhängig vom Geldbeutel bezahlbar sind“.

Die Reihenhausanlage soll nach ihrer Fertigstellung im Jahr 2022 in puncto Klimaschutz und Wohnen der Zukunft neue Maßstäbe setzen und sich über Photovoltaikanlagen auf den Dächern weitgehend selbst mit Energie versorgen. Prof. André Presse erklärt: „Da keine steigenden Energiepreise berücksichtigt werden müssen, kann die WOBAU eine Pauschalmiete anbieten, in der Wärme und Strom bereits enthalten sind. Damit hat das Projekt auch eine soziale Komponente.“ Die energieautarken Reihenhäuser in der Lindenhofsiedlung sind für Presse, „ein Schritt in die richtige Richtung“. Er sagt: „Es werden attraktive und zeitgemäße Wohnsituationen geschaffen – mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein für Umwelt und Menschen.“ Dazu käme, „dass die Konstellation sehr günstig ist“. „Mit der WOBAU kommen Verwaltung und private Haushalte an einen Tisch. Sie bringen Wohnraum auf den Markt, der für alle interessant ist, die sich mit nachhaltigem Bauen beschäftigen“, sagt Presse. So wachse, was sich unter dem Begriff „smart city“ zusammenfassen lässt: Städte, die effizienter, technologisch fortschrittlicher, mehr grün und sozial inklusiver werden.

Die Voraussetzungen dafür seien aktuell gut, schätzt der Fachmann ein. Zum einen werde durch die Pandemie das Zuhause verstärkt als Rückzugsort betrachtet, zum anderen verändere sich die Gesellschaft. Presse sagt: „Es wachsen Generationen nach, die nachhaltiger und nicht mehr auf Kosten anderer Menschen leben möchten.“ Insgesamt sei das Bewusstsein für Klima- und Umweltschutz stärker geworden. Magdeburgs Ziel, bis 2035 eine fast klimaneutrale Stadt zu werden, hält er darum auch für realistisch. „Allerdings“, so Presse, „muss dies von allen als Gesamtaufgabe begriffen werden. Die Wirtschaft ist genauso gefragt wie die Gesellschaft, Unternehmer genauso wie jede Privatperson.“

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