Dienstag, September 21, 2021
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Extremer Wind im Rücken

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Marc Schmedt, Geschäftsführer der SCM-Handballer, spricht im KOMPAKT-Interview über die Teilnahme an der inoffiziellen Klub-Weltmeisterschaft in Saudi-Arabien, über den Umgang mit den Corona-Folgen und die Vorbereitungen auf die im September beginnende neue Meisterschaftssaison.

Sieht man einmal vom olympischen Turnier ab, atmet der Handball nach der Parforcejagd im Frühsommer derzeit einmal kurz durch. Wie stellt sich nach mehr oder weniger 16 Monaten Pandemie-Pause und all ihren negativen Auswirkungen auf die sportliche und wirtschaftliche Lage der Klubs die Situation konkret beim SCM dar?
Marc Schmedt: Schauen wir nur einmal ein Jahr zurück: Da hatten wir hier Kurzarbeit Null, Exis-tenzängste machten sich breit. Wir wussten nicht, wie und ob es überhaupt weitergeht. 12 Monate später haben wir zumindest Erfahrungen darin, wie mit einer derart schwierigen Situation umzugehen ist. Und aus Sicht des SCM kann ich sagen, dass wir in Anbetracht der Umstände sehr zufrieden damit sind, wie wir sportlich und organisatorisch das Ganze bisher bewältigt haben – auch wenn natürlich noch nicht alle Hürden genommen sind, es weiter vorerst ziemlich angespannt bleibt.

Aber gerade in die Corona-Zeit fällt, das wollen wir nicht vergessen, der wahrscheinlich größte sportliche Erfolg der zurückliegenden Jahre, der Gewinn der erstmals ausgetragenen European League.
Ja, er unterstreicht noch einmal deutlich die internationale Qualität dieses Vereins. In solch schwierigen Zeiten wie jetzt bringt ein derartiger Sieg einen extremen Rückenwind. Das gilt auch für die kommenden Jahre. Sowohl nach innen, was die Attraktivität für Sponsoren und Zuschauer angeht, als auch nach außen, was die Liga betrifft, das heißt mögliche Vertragsverlängerungen von Spielern oder eventuelle Neuverpflichtungen.

Ein erstes konkretes Resultat liegt inzwischen schon vor: Der SCM erhielt vom Handball-Weltverband IHF eine Einladung zum Super Globe, der inoffiziellen Klubweltmeisterschaft, im Oktober (4. bis 10.) in Saudi-Arabien.
Darüber freuen wir uns sehr. Es ist eine große Ehre für uns, dass wir zusammen mit dem FC Barcelona Europa bei dieser Klub-WM vertreten dürfen. Für uns ist es das erste Mal seit 19 Jahren, dass wir wieder bei diesem Turnier dabei sind.

Nun ist Saudi-Arabien nicht gerade als ein Hort der Demokratie und für die Wahrung der Menschenrechte bekannt. Wie gehen Sie und das Team damit um?
Uns ist die gesellschaftliche Diskussion darum bekannt. Aber: Zum einen ist es eine Veranstaltung der IHF, zu der wir eingeladen sind, wir also nicht über den Austragungsort zu befinden haben. Zum anderen wird dieses Turnier seit 20 Jahren auf der Arabischen Halbinsel ausgetragen, zunächst in Katar und jetzt in Saudi-Arabien. Ich sehe grundsätzlich in Auslandsreisen immer auch die Möglichkeit, Magdeburg und Sachsen-Anhalt und somit unsere Werte zu vertreten. Wir engagieren uns seit Jahren gemeinsam mit unserem Partner Der Paritätische gerade auch für Menschenrechte. Sport bleibt insofern auch immer ein Instrument der Diplomatie und des Dialogs.

Nichtsdestotrotz winken attraktive Preisgelder, zuletzt 2019 kassierte der Sieger immerhin 400.000 Euro, die Platzierten 250.000 und 150.000 Euro. Diesmal soll die Prämie noch höher liegen.
Über Ablauf, Preisgelder etc. ist mir aktuell noch gar nichts bekannt. Bislang habe ich nur die Einladung über den DHB vorliegen. Aber ja, der Super Globe war bislang auch finanziell attraktiv. Aber die Mannschaft sieht die Teilnahme als Auszeichnung, als Belohnung für den Gewinn der European League und möchte das Turnier gerne spielen. Insofern werden wir auch nicht über Reisestrapazen klagen, trotz einer Mehrbelastung im Terminplan.

Stichwort Belastung. Neben dem Super Globe tanzt der SCM in der neuen Saison wieder auf drei Hochzeiten, der Meisterschaft, dem nationalen Pokal und als Titelverteidiger in der European League. Gehen Sie auch deshalb erstmals mit einem 17er Kader in die neue Spielzeit?
Natürlich tun wir das auch, um die hohen Belastungen wenigstens ein wenig abzufedern. Zu beachten ist jedoch, dass wir mit Matthias Musche und Gisli Kristjansson zwei Spieler im Kader haben, die noch längere Zeit ausfallen werden. Ansonsten ist es für uns ja nichts Neues, in drei Wettbewerben anzutreten.

In der Liga geht es am 9. September mit einem Heimspiel gegen Stuttgart wieder los. Wie ist der grobe Plan bis dahin?
Wir verzichten auf ein Trainingslager und bestreiten am 21./22. August in der Getec-Arena unseren Saisonauftakt in Turnierform. Dabei geht es erstmals um den Hummel-Cup unseres Ausrüsters. Teilnehmer werden Vardar Skoplje aus Nordmazedonien, Tvis Holstebro aus Dänemark, Gorenje Velenje aus Slowenien und der SCM sein. Unser Team nimmt in der Vorbereitungszeit außerdem an einem gutbesetzten Turnier beim norwegischen Erstligisten OIF Arendal teil und absolviert noch zwei Testspiele in Magdeburg und Halle.

Derzeit kursieren für Sportwettbewerbe und deren Zuschauerzahlen die unterschiedlichsten Modelle. Worauf hat sich der Handballfreund in Magdeburg einzustellen?
Angesichts der bestehenden Auflagen halten wir für den Hummel-Cup eine Obergrenze von 3.000 Zuschauern für genehmigungsfähig. Und haben natürlich die Hoffnung, dass sich diese Zahl, sollte es die Pandemielage zulassen, zum Saisonstart auf 5.000 Zuschauer gegen Stuttgart ausbauen lässt.

Um die Gretchenfrage kommen Sie nicht herum: Wo landet der SCM am Ende in der Meisterschaft?
Dreimal waren wir zuletzt in Folge Dritter. Das wollen wir auf jeden Fall bestätigen. Und haben natürlich die Hoffnung, den Abstand zu den beiden Spitzenteams Kiel und Flensburg weiter verkürzen zu können. Denn so groß, wie er sich zuletzt in Punkten auf dem Papier ausdrückte, ist er meines Erachtens nicht mehr. Aber das wollen auch die Teams aus Berlin, Mannheim und Melsungen.

Fragen: Rudi Bartlitz

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