Fabularium: Wo Fantasie Formen annimmt

Wenn sich Ingrid Hocke mit Farben beschäftigt, vergisst sie die Welt ringsum. Pinsel oder Spachtel führen ihre Hand und es entstehen Bilder, die sie nicht selten selbst überraschen. Wenn sie zwischen den Farben und Formen plötzlich ein Gesicht entdeckt beispielsweise. „Es fließt einfach aus mir heraus“, sagt sie mit einem bezaubernden Lächeln. Ingrid Hocke liebt es zu malen. Es gehört zu ihrem Leben. Dabei hat sie recht spät zu dieser Kunst gefunden. Zunächst unterrichtete sie Grundschulkinder. Das hatte mit Malen und Zeichnen nichts zu tun, aber mit Kunst. Ihr Schwerpunkt lag bei der Musik.

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Geboren im Brandenburger Land zog es die junge Lehrerin nach ihrem Studium nach Magdeburg. Sie blieb. 42 Jahre lang an derselben Schule in Cracau. „Ich war mit Leidenschaft Lehrerin“, sagt sie und ihre Augen funkeln bestätigend. Mit Freude denkt sie an diese Zeit zurück. An die singenden Kinder, den Chor der Schule, der sogar mit Rolf Zuckowski gemeinsam auftrat. Unter Leitung von Ingrid Hocke, der Musiklehrerin.
Nachdem sie sich in den Ruhestand verabschiedet hatte, suchte sie nach einer Beschäftigung, wie sie sagt. Mehr zufällig besuchte die Magdeburgerin an der Volkshochschule einen Malkurs. Malte Aquarelle. Kleine Bilder mit zerfließenden Farben. Schön für den Anfang, aber auf längere Sicht nicht das ihre. Das fand sie bei Paul Ghandi, Maler, Grafiker und Bildhauer, der u. a. Kreativkurse in Cracau gibt. Bei den Maltreffen gibt es Tipps und Hinweise, wird auf Techniken eingegangen, Farbspiele. Einmal pro Woche treffen sich Malinteressierte bei ihm. Ingrid Hocke hört sich alles an, saugt die Informationen regelrecht in sich auf – und macht dann ihr Eigenes daraus.

Fast täglich greift sie zu Hause zu Leinwand, Pinsel, Spachtel und Farbe, lässt ihre Gefühle zu Bildern werden. Nimmt die Fantasie Formen an. Meist passiert das in ihrer Küche. Der geflieste Bereich lässt sich am besten säubern, sagt sie mit einem Schmunzeln. Denn wenn die Magdeburgerin kreativ wird, verteilen sich die Farben schon mal um einiges über den Bildrand hinaus. Ohne Atelier gilt es schließlich auch in dieser Hinsicht, kreativ zu sein. So entsteht dann alles andere als „Küchenkunst“. Es sind Bilder, die mit unterschiedlichen Formen und Farbspielen überraschen, die den Betrachter zum Verweilen einladen, sich in ihnen jenseits des Alltags gedanklich zu verlaufen. Manchmal sehen sie aus wie Landschaften, mal wie Gesichter, dann überraschen sie mit Formen, Schatten, Lichtern, fließenden Farben … Als Ingrid Hocke bei einem ihrer Besuche im „Fabularium“ dessen Inhaberin Fotos davon zeigte, war diese sofort begeistert. Schnell entstand bei Dorle Lange die Idee, die Werke in einer Ausstellung zu präsentieren. Kunst liegt der Buchhändlerin am Herzen. Und Besucher wissen: die Buchhandlung ist seit Beginn mehr als ein „Fachgeschäft für wohl sortierte Buchstaben“. Hier wird der Kunst Raum geboten. Wie jetzt für Ingrid Hocke und ihre Bilder. Zu sehen ist die Auswahl bis zum 27. Juli zu den Öffnungszeiten des Geschäfts: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 16 Uhr. Im Breiten Weg 10a, im Herzen von Magdeburg. (ab)

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