Familienfreundliches Wohnen im Fokus

Der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg, Peter Lackner, zieht Bilanz über das Jah 2019 und blickt voraus auf das Jahr 2020. | Tina Heinz

Wenn dieser Tage der Name der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg fällt, steht meist nur ein Thema im Fokus: die Bebauung des Stadtmarsches mit einem Wohnquartier in direkter Nachbarschaft zum Stadtpark Rotehorn. Das Projekt, das mit der Magdeburger Wohnungsbaugenossenschaft realisiert werden soll, erhitzt seit Wochen, ja Monaten die Gemüter und sorgt für mehr oder minder sachliche Diskussionen. „Es ist wirklich schade, dass es diesbezüglich so wenig konstruktive Kritik gibt, die allen weiterhelfen würde. Stattdessen werden aus der Luft gegriffene Tatsachen verbreitet, die sich bei genauerem Hinsehen als falsch erweisen“, meint Peter Lackner. Schade findet es der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg zudem, dass das Unternehmen momentan auf dieses eine Projekt reduziert wird.

„Wir haben in diesem Jahr so viel erreicht“, zieht Peter Lackner für ein erfolgreiches 2019 Resümee. „Die Vermietungsquote der Wobau ist sehr hoch, was natürlich auch an dem Projekt ‚Neubau Domviertel‘ liegt.“ Die Gebäude in der Danzstraße 11, 12 und 13 sind fertiggestellt und alle Gewerbeflächen sowie Wohnungen vermietet. Zudem konnte im Gebäude Breiter Weg, Ecke Keplerstraße die Barmer neue Räumlichkeiten beziehen. „Etwa 200 Arbeitsplätze wurden auf einmal hier angesiedelt – weitere werden noch folgen“, erklärt der Geschäftsführer der Wobau. „Und damit sind wir auf dem Weg, ein wichtiges Ziel zu erfüllen: die Belebung der Innenstadt. Menschen, die im Zentrum wohnen oder arbeiten, tragen dazu bei, dass Gastronomie und Gewerbe florieren und das ist für Magdeburg von enormer Bedeutung. Und daher ist es für uns ein wichtiges Anliegen, bei einem Neubau auf eine gute Mischung aus Wohnraum und Gewerberaum zu achten.“

Doch eigentlich wolle er gar nicht so viel über das Domviertel reden. „Das ist zwar ein signifikantes Projekt, aber bei weitem nicht das einzige, das die Wobau ausmacht“, so Peter Lackner. „Ein Schwerpunkt unserer Arbeit in diesem Jahr war – und wird es auch im nächsten Jahr bleiben – das Thema familienfreundliches Wohnen. In unterschiedlichen Stadtteilen haben wir kleine Wohnungen zusammengelegt, um größere Wohnungen mit mehreren Kinderzimmern für Familien anbieten zu können. Dabei war uns auch die preisliche Gestaltung wichtig, damit sich einkommensschwache Haushalte diese größeren Wohnungen ebenfalls leisten können.“ So wurden beispielsweise in der Curie-Siedlung Wohnungen saniert und dabei vergrößert, sodass Räumlichkeiten mit einer Fläche von 76 bis 120 Quadratmetern zur Verfügung stehen. Auf familiengerechte Wohnungszuschnitte wurde ebenso Wert gelegt wie auf strapazierfähige Boden- und Wandbeläge sowie moderne Duschen oder Badewannen. Zudem wurden alle Wohnungen bei der Sanierung mit Balkonen ausgestattet.

Und auch in der denkmalgeschützten Hermann-Beims-Siedlung in Stadtfeld West werden die Arbeiten 2020 weitergeführt. Die Wohnungen, die im Rahmen des Sanierungsprogrammes fertig gestellt wurden, sind bereits alle vermietet. Zudem wird eine an die Beims-Siedlung angepasste Garagenanlage errichtet, die nicht nur Unterbringungsmöglichkeiten für Autos gewährleistet, sondern auch Ladestationen für E-Fahrzeuge bietet.
Neben den Gebäuden in der Beims- und der Curie-Siedlung werden auch die würfelähnlichen Häuser im Bruno-Beye-Ring saniert. In der Mehrgenerationen-Wohnanlage wird vor allem auf Familienfreundlichkeit und Barrierefreiheit wert gelegt. Durch Grundrissveränderungen sind 29 Wohnungen mit unterschiedlichen Größen entstanden, die durch den ebenerdigen Zugang zum Gebäude und ebenerdige Aufzüge zu den Etagen, durch Energieeffizienz, Balkone für alle Wohnungen, moderne Bäder, Abstellräume für Fahrräder und Kinderwagen und durch den großzügigen Schnitt für mehr Wohnkomfort sorgen sollen. „Altersgerechtes und barrierefreies Wohnen ist für uns ein wichtiges Thema, auf das wir uns in zahlreichen Stadtteilen konzentrieren wollen“, erklärt der Wobau-Geschäftsführer. „In Sudenburg in der Bundschuhstraße werden wir ab 2020 ein neues Gebäude errichten. Der Neubau ist notwendig, weil das Haus, das dort derzeit steht, nicht altersgerecht saniert werden kann. Beispielsweise ist es nicht möglich, nachträglich einen Aufzug anzubauen. Daher haben wir uns zu diesem Schritt entschieden. An diesem Standort ist eine Kooperation mit dem Arbeiter-Samariter-Bund geplant – der ASB wird die Betreuung der älteren Mieter übernehmen.“ Ähnliches ist laut Peter Lackner auch für den Neubau des Domviertels geplant. Dort soll die Wohnen und Pflegen Magdeburg gGmbH mit einer Tagespflege untergebracht werden.

Ein weiteres Augenmerk soll den Themen Umwelt und Energie gelten. „Damit beschäftigen wir uns nicht erst seit gestern“, erwähnt der Geschäftsführer mit Anspielung auf die Fridays-For-Future- Bewegung. „Im Domviertel beispielsweise haben wir von Beginn an begrünte Dächer in Erwägung gezogen. Es gibt zudem ein Regenrückhaltebecken, einen unterirdischen Wasserspeicher, um die Vegetation, unter anderem im Innenhof, bewässern zu können.“ Auch mobile Ladestationen und ausreichend Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder wurden im Konzept eingeplant. „Und da die Zahl der Lastenräder zunimmt, muss man auch für diese genügend Platz und Parkmöglichkeiten schaffen“, meint Peter Lackner. „Denn wer möchte schon täglich ein so schweres Gefährt aus dem Keller holen und wieder hinunterbringen?“ Dies seien Details, die man nicht außer Acht lassen dürfe.

Ebenso die Entwicklungen im Energie-Bereich. „Was die Energieeffizienz der Gebäude betrifft, hat sich in den vergangenen Jahren viel geändert. Es gibt bessere Möglichkeiten der Dämmung als früher und das war bereits der erste Schritt in die richtige Richtung: den Energieverlust zu reduzieren. Ein zweiter Schritt ist es, dem Wärmeverlust, der durch das Lüften in Wohnungen entsteht, durch entsprechende Anlagen entgegenzuwirken. Und im dritten Schritt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Energiegewinnung“, zählt Peter Lackner auf. „Ich bin der Meinung, dass bei diesem Thema auch Kleinigkeiten eine große Rolle spielen. Deswegen stellen wir hier im Haus den Mitarbeitern Wasser zur Verfügung. In der Küche stehen etliche Karaffen und es wurde eine Trinkwasseranlage installiert, sodass niemand von zu Hause kistenweise Getränke hierher schleppen muss. Und natürlich spart das auch einiges an Müll.“ Der Geschäftsführer des Wohnungsbauunternehmens könnte sich vorstellen, solche Anlagen künftig ebenfalls bei anderen Projekten einzusetzen. „Es gibt noch etliche Schrauben, an denen man drehen kann, um vieles zu verbessern. Um vernünftige Lösungen zu finden, muss man mit Ingenieuren und Energiewirtschaftlern sprechen und es sollte auch möglich sein, in der Öffentlichkeit Dialoge zu führen.“

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