Ferdinand von Schill bekommt Orden zurück

Die Befreiungskriege fanden von 1813 bis 1815 statt. Es war die erfolgreiche Erhebung der Völker großer Teile Europas gegen Napoleon und seine „Große Armee“, die zuvor bereits in Russland 1812 untergegangen war. 1806 kam es zum Konflikt zwischen Frankreich und Preußen. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. erklärte Napoleon am 07.10.1806 den Krieg. Bereits eine Woche später wurde in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt Preußen von Napoleon und seinen Truppen besiegt. In dieser Schlacht wurde der Sekundoleutnant Ferdinand Baptista von Schill verwundet. Er rettete sich in die Festungsstadt Magdeburg, wo er gepflegt wurde. Vor der Übergabe der Festung an die Franzosen verließ er Magdeburg, um bei der Verteidigung von Kolberg mitzuwirken. Für seine Verdienste bei der erfolgreichen Verteidigung Kolbergs wurde von Schill vom preußischen König zum Major befördert und mit dem höchsten preußischen Orden Pour le Merite ausgezeichnet.

Im Frieden von Tilsit am 7. März 1807 verlor Preußen fast die Hälfte seines Territoriums und seiner Einwohner, es musste eine hohe Reparationssumme (202.661.958 Franc) bis zum 12.07.1807 gezahlt werden. Es folgte ein Kunstraub großen Stils, sogar die Viktoria vom Brandenburger Tor in Berlin musste nach Paris gebracht werden. Napoleon brüstete sich 1808: „Ich habe mehr als eine Milliarde aus Preußen gezogen“

Nach 1806 mussten in Preußen dringend Reformen her. Heinrich Friedrich von und zum Stein und Karl August von Hardenberg ließen die Leibeigenschaft abschaffen und garantierten die persönliche Freiheit der Bauern. Die Reformer Gerhard von Scharnhorst, August Neidhardt von Gneisenau und andere begannen mit dem Umbau der Preußischen Armee. Erst 1814 wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, und für Bürgerliche nach dem Leistungsprinzip die Offizierslaufbahn ermöglicht. Entehrende Strafen wurden verboten.

Heinrich Friedrich von und zum Stein führte die städtische Selbstverwaltung ein und die Aufhebung des Zunftzwanges. Wilhelm von Humboldt begann das im Prinzip noch heute gültige 3-gliedrige Schulsystem durchzusetzen (Grundschule, Realschule und Gymnasium). Preußen – das war nicht nur aggressives Militär, sondern auch der Versuch fortschrittliche Reformen zu verwirklichen.

Nach Erhebungen und Aufständen in anderen durch Napoleon besetzten Gebieten reiften auch in Preußen Gedanken und Pläne zur Befreiung vom französischen Joch. Bei Ausbruch eines Krieges zwischen Frankreich und Österreich sollte ein Aufstand im Königreich Westphalen entfesselt werden. Im Elbdepartment machten 1809 zwei Männer von sich reden. Friedrich von Katte und Ferdinand von Schill. Hauptmann von Katte sollte durch kühnen Angriff vom Norden her mit Unterstützung der Bevölkerung die besetzte preußische Festung Magdeburg angreifen. Major Ferdinand von Schill sollte dies vom Süden her tun. So sollte die Festung Magdeburg zurückgewonnen werden. Vom Westen sollte Oberst von Dörnberg in das Königreich Westphalen eindringen und die Vertreibung des Jerome Bonaparte, König von Westphalen, aus seiner Residenz Kassel vollziehen. Diese drei standen untereinander und mit Scharnhorst und Gneisenau in Verbindung.

Friedrich von Katte und Ferdinand von Schill waren vom Wunsch beseelt, Preußen wiederherzustellen. Mangels Unterstützung durch die Bevölkerung und die Krone waren allerdings diese Bemühungen zum Scheitern verurteilt.

Schill war als tollkühner Reiter ein Kind seiner Zeit. Er musste das Gefecht bei Dodendorf nicht annehmen, die Eroberung einer Festung konnte nicht die Aufgabe einer Reiterei sein. Der französische Festungskommandant schrieb nach Kassel: …Schlagen sich nicht wie gewöhnliche Soldaten, sondern wie Rasende, sie haben meine Karees gesprengt und niedergesäbelt, den Rest zu Gefangenen gemacht“.

Nach diesem Gefecht kam Unruhe unter den französischen Besatzern auf. Jerome Bonaparte, König von Westfalen, setzte ein Kopfgeld von zehntausend Franc auf den Kopf Schills aus. Unmittelbar nach dem Gefecht bei Dodendorf sammelte Schill sein Gefolge in Langenweddingen. Hier wurden die Verwundeten genau an der Stelle, wo heute sein Denkmal steht, verbunden und gepflegt. Die Pferde bekamen an der noch heute existierenden Tränke Wasser. Der Zug ging bald weiter nach Wanzleben, die Schwerverwundeten blieben liegen und starben hier. Sie wurden an der Friedhofsmauer der Langenweddinger Kirche St. Georg begraben. Da die Namen der Soldaten nicht bekannt waren, wurden später zwei Kanonensteine in die Friedhofsmauer eingelassen.
Am 06.06.1909 wurde im Andenken an diese Geschehnisse der Schillgedenkstein eingeweiht. Mit der Zeit verfiel das Denkmal. Die Schillplatte war durch grobe Gewalt beschädigt worden. Teile waren verloren gegangen. Einschüsse lagen vor. Die Metalloberfläche war stark verwittert. In den letzten 100 Jahren gab es natürlich auch Vandalismus, wobei der Pour le Merit irgendwann verloren ging.

In Absprache mit den Denkmalbehörden wurde die Schillplatte 2008 historisch getreu in der Ernst Strassacker GmbH & Co. KG Kunstgießerei Süßen aufwendig restauriert. Am 19.09.2008 konnte das Denkmal wieder eingeweiht werden. Allerdings hat für die Anfertigung eines neuen Ordens damals das Geld gefehlt. Durch die Spende einer Einzelperson konnte jetzt durch die gleiche Firma der historisch getreu nachgebildete Orden wieder an seinen Platz zurückkommen.

Ferdinand von Schill hat in seiner Zeit ein erstes Zeichen der Zivilcourage der Menschen im Kampf um die Freiheit der Volker weiter Teile Europas gegen die französische Fremdherrschaft gegeben. Seine Bemühungen mündeten in den Befreiungskriegen mit der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und schließlich der vernichtenden Niederlage Napoleons 1815 bei Waterloo. Eine funktionierende Demokratie ist auch heute ohne den Schutz seines Militärs nicht denkbar.
Prof. Dr. Josef Kluba

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