Samstag, Mai 21, 2022
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Film verrückt – Tipps von Lars Johansen

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In dieser Rubrik möchte ich Filme oder Serien empfehlen, die Sie im Kino oder auf dem Bildschirm zu Hause einmal anschauen sollten. Dabei möchte ich Ihren Blick auf eher Ungewöhnliches lenken.

1965 kam er ins Kino, „Der Mann, der Peter Kürten hieß“, im Original „Le Vampir de Dusseldorf“, ein schwarzweißes Drama, welches von Hauptdarsteller Robert Hossein geschrieben und inszeniert wurde. Er spielt Anfang der 30er Jahre und thematisiert den echten Massenmörder, welcher u.a. das Vorbild für Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ war. Hossein zitiert Lang geschickt, bettet die Handlung in den historischen Kontext des aufziehenden 3. Reiches ein und spielt nahezu stumm den Mörder mit einer verstörenden Eindrücklichkeit, die lange nachwirkt. Düsseldorf wird übrigens von Barcelona gedoubelt, was doch ein wenig auffällt, aber auch die Universalität der Ereignisse untermauert. Unglaublich, dass dieses vergessene kleine Meisterwerk erst jetzt, erstmals für das Heimkino aufbereitet, erscheint. Die ursprüngliche deutsche Kinofassung war gekürzt, diese Passagen sind untertitelt jetzt mit an Bord.

Nicht ganz so meisterhaft, aber sehr gut ist der ebenfalls aus Frankreich kommende Krimi „Tödliche Angst“ von 1984, der die letzte Arbeit von Hauptdarsteller Lino Ventura darstellt. Das Finale spielt in Berlin, wohin Ventura den geheimnisvollen Täter verfolgt hat, der ihm das Leben schwer macht. Die Berliner Philharmoniker spielen genauso eine Rolle wie die Mauer in der damals noch geteilten Stadt. Sehr solides französisches Thrillerkino mit einem wie immer großartigen Ventura, der sich am Ende melancholisch damit abfinden muss, dass es manchmal die Menschen, die uns am meisten bedeuten, sind, die ungewollt Ereignisse in Gang setzen, welche dann in Katastrophen münden. Mit Léa Massari und Jean Poiret sind weitere schauspielerische Schwergewichte an Bord.

Weil die Kinos gerade geschlossen haben, möchte ich ein wenig kostenloses Streaming ans Herz legen. So kann man bei Arte noch bis zum 5.12. „Der Buchladen der Florence Green“ (2017) sehen, einen wundervollen kleinen spanischen Film, der zurecht einige Preise abgeräumt hat. Er spielt im England der ausgehenden 50er Jahre und thematisiert Hochkultur, die längst Popkultur geworden ist, was den Konservativen nicht gefällt. Man kann auch sagen, dass es ein wunderschöner kluger Film über Bücher ist, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

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