Film verrückt: Tipps von Lars Johansen

In dieser Rubrik möchte ich Filme oder Serien empfehlen, die Sie im Kino oder auf dem Bildschirm zu Hause einmal anschauen sollten. Dabei möchte ich Ihren Blick auf eher Ungewöhnliches lenken. Bei Pidax sind zwei neue, also in dem Fall alte Filme auf DVD erschienen. Zum einen „Im Dreck verreckt“ von José Giovanni, der ein hochinteressanter Autor und Regisseur ist. Als Mitglied einer Gangsterbande war er in die Ermordung einiger Menschen verwickelt. Seine Verurteilung zum Tode wurde aufgehoben, im Gefängnis begann er zu schreiben und ab 1967, Regie zu führen. Dies ist sein zweiter Spielfilm, der wie ein Italo-Western, genau genommen ein Revolutionswestern wirkt. Giovannis Blick auf die Revolution ist extrem pessimistisch, aber sehr genau und durchaus nicht dumm. Lino Ventura ist ein großartiger Hauptdarsteller, der einen wortkargen gedungenen Killer spielt, welcher den Präsidenten eines ungenannten mittelamerikanischen Landes töten soll, damit die Revolution stattfinden kann. Die eingängige Musik von Francois de Roubaix, der öfter mit Giovanni zusammengearbeitet hat, macht aus dem klugen Drama ein Kleinod, welches als Symbiose von Western und Gangsterfilm hervorragend funktioniert.

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„Das Netz der tausend Augen“ (1974) nennt man wohl einen Paranoia-Thriller. Bis kurz vor Schluss bleibt offen, ob Davide (Jean-Louis Trintignant) das Ehepaar Julia (Marlène Jobert) und Thomas (Philippe Noiret) belügt oder wirklich von der Polizei verfolgt wird, weil er etwas weiß, von dem wir nie erfahren, was es eigentlich ist. Robert Enrico ist ein guter Regisseur, der Unterhaltungskino zu drehen vermag, das immer auch ein wenig mehr als das ist. Hier gelingt es ihm, in einer interessant erzählten Dreiecksgeschichte sehr gut in der Schwebe zu halten, was Wahrheit und was Lüge ist. Die drei Hauptdarsteller spielen alle sehr gut und effizient. So wechselt die Stimmung zwischen ihren Figuren immer wieder. Die Musik von Meister Morricone setzt eigene Akzente. Das Ende ist böse und ganz am Schluss knüpfen die Bilder wieder an den Anfang an. Es gibt kein Entkommen und man kann niemandem vertrauen.

Am Ende ein Streamingtipp, solange Kinos noch nicht wieder aufmachen dürfen. „Normal“ kann man sich seit dem 15. März im Moritzhof virtuell ansehen. Die Doku ist ein kluger Beitrag zu Geschlechterbildern und ihrem Entstehen. Sehr sehenswert.