Film verrückt – Tipps von Lars Johansen

In dieser Rubrik möchte ich Filme oder Serien empfehlen, die Sie im Kino oder auf dem Bildschirm zu Hause einmal anschauen sollten. Dabei möchte ich Ihren Blick auf eher Ungewöhnliches lenken.

Frisch erschienen ist der großartige Film „Berliner Ballade“ von 1947 als Blu-Ray. Und der ist nicht nur exzellent restauriert worden, so dass es ein reines Vergnügen darstellt, die Bilder zu sehen, die einen ungeschminkten und dadurch sehr authentischen Blick auf das zerstörte Berlin der unmittelbaren Nachkriegszeit ermöglichen. Es gibt dazu auch eine neue und sehr gute Dokumentation, in der die Filmwissenschaftler mal wirklich etwas Substantielles von sich geben. Außerdem ist ein Interview mit Hauptdarsteller Gert Fröbe enthalten, dessen Figur „Otto Normalverbraucher“ losgelöst vom Film in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist. Regisseur Stemmle ist übrigens ein gebürtiger Magdeburger. Und es gibt nicht nur Untertitel, sondern auch eine Audiofassung für Blinde. So gesehen eine perfekte Veröffentlichung.

Nicht ganz so perfekt, aber sehr schön ist auch der kleine italienische Horrorfilm „Das Schreckensschloß des scharlachroten Henkers“ (1965) vom kleinen Magdeburger Label „Ostalgica“ auf DVD veröffentlicht worden. Bodybuilder Mickey Hargitay tobt hier als vom Geist eines toten Folterschergen besessener Schlossbesitzer durch einen Film, der endlich ungekürzt zu sehen ist. Das ist knallbunter Unsinn, der ungeheuren Charme zu entfalten vermag, wenn man sich darauf einlassen will. Mit der zauberhaften Femi Benussi ist auch ein zeigefreudiges Sternchen des italienischen Exploitation-Kinos dabei, so dass man Vergnügen in vielerlei Hinsicht haben kann. Wer große Film- und Schauspielkunst erwartet, ist hier falsch, alle anderen werden einen unvergesslichen Heimkinoabend erleben können.

Und fürs Kino empfehle ich diesmal nichts, denn die Kinos haben ja bekanntermaßen immer noch alle geschlossen. Aber am 15. Mai soll endlich ein Autokino in Magdeburg eröffnen. Möglicherweise ist der Moritzhof ein wenig bei der Filmgestaltung involviert. Das würde bedeuten, dass neben den Blockbustern hin und wieder auch mal ein wenig Kunst zu sehen sein könnte. Und das wäre doch ein guter Grund, sich in sein Fahrzeug zu schmeißen und mitten ins Kino zu fahren.

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