Frauen auf dem Vormarsch?

Zahlen geben Ansatzpunkte, wie das Leben in der Gesellschaft gestrickt ist. Dennoch lässt sich unter Statistik die Wirklichkeit mit ihren vielen individuellen Ausprägungen nicht begreifen. Am 8. März konnten rund 985.000 Sachsen-Anhalterinnen über 15 Jahre den Weltfrauentag begehen. Das sind 88 Prozent der weiblichen Bevölkerung. Im Land lebten Ende November 2019 insgesamt rund 1.116.000 Mädchen und Frauen. Mit 51 Prozent war das weibliche Geschlecht gegenüber dem männlichen leicht in der Mehrheit.

Der Altersdurchschnitt der Sachsen-Anhalterinnen lag 2018 statistisch bei 49,6 Jahren und war damit drei Jahre und sieben Monate höher als bei den Männern. Gemessen am Familienstand war rund ein Drittel der weiblichen Bevölkerung Sachsen-Anhalts ledig, 43 Prozent waren verheiratet, 14 Prozent verwitwet und 9 Prozent geschieden. Das Durchschnittsalter von Frauen bei der Heirat beträgt 33 Jahre und 7 Monate (2018). Ledige Männer waren bei ihrem 1. Schritt in die Ehe durchschnittlich 2 Jahre und 11 Monate älter. Einen Kinderwunsch erfüllen sich Frauen immer später. Sachsen-Anhalterinnen waren 2018 bei der Geburt ihres 1. Kindes durchschnittlich 28,7 Jahre alt, im Jahr 2011 waren sie im Schnitt noch 1 Jahr und 6 Monate jünger. Solche Zahlen können nichts darüber verraten, wie sich die wirtschaftliche Stellung der Frau in der Gesellschaft darstellt.

Fakt ist, dass die Anzahl von Frauen in Führungspositionen zunimmt. In vielen Fällen haben Frauen Berufswege eingeschlagen, die einst ausschließlich Männerdomänen waren. Oft stecken dahinter Selbstorganisationsprozesse, ohne dass Quoten nötig waren. Bei 51 Prozent Frauen-Anteil im Land muss man feststellen, dass sie in leitender Stellung nicht im selben Maß vertreten sind. Männer haben da vielfach die Nase vorn. In der Richterschaft waren 2019 insgesamt 304 Richterinnen tätig. 619 Männer waren Richter. Das Verhältnis hat sich gegenüber 2015 leicht zugunsten der weiblichen Juristen verschoben. Bei der Staatsanwaltschaf ist es tendeziell eher ungüstiger. Gab es 2015 69 Staatsanwältinnen gegenüber 154 Staatsanwälten waren im vergangenen Jahr 77 Frauen als Staatsanwälte gegenüber 169 Männern tätig. Die Quote lag fast stabil bei rund 31 Prozent. In der Polizei hat sich der Frauenanteil übrigens von 16,7 Prozent im Jahr 2010 auf aktuell 24,85 Prozent gesteigert. Neben der Staatssekretärin im Ministerium für Inneres und Sport, Anne Poggemann, sind in der Ebene unter der Hausleitung von vier Abteilungsleiterpositionen drei mit Frauen besetzt. Bei den in Sachsen-Anhalt zugelassenen Rechtsanwälten beträgt der Frauenanteil derzeit rund 35,5 Prozent.

Die Differenzen, die im Einkommen zwischen Frauen und Männern gemessen werden, haben viele Ursachen. Eine schlechtere Bezahlung bei gleicher Arbeit in einem Unternehmen aufgrund der Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht ist kaum noch nachzuweisen. Die gesamtgesellschaftliche Bilanz rührt eher daher, dass Frauen mehrheitlich in Berufen arbeiten, die mit geringeren Löhnen einhergehen. Auch Männer verdienen in solchen Berufen nicht mehr als ihre Kolleginnen.

Das Handwerk bleibt derzeit noch eine Domäne für Männer. Die Handwerkskammer Magdeburg geht nach Befragungen davon aus, dass ein Drittel der Beschäftigten im Handwerk weiblich sind. Nur über die eingetragenen Personengesellschaften (9.802 von insgesamt 12.175) lassen sich Aussagen über die Meisterinnen im Land machen. So waren von den knapp 10.000 Handwerksunternehmen 2.308 von Inhaberinnen geführt. Dies wird sich wohl auch in Zukunft wenig ändern. Denn von 3.679 Azubis im Land waren nur 656 Frauen. Dies entspricht einer Quote von 17,83 Prozent.

Es gibt keinen Stillstand in der Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Und der beste Weg ist immer noch der, bei denen sich Menschen frei für ihren Beruf und ihre Entwicklung entscheiden können. Dafür muss der Staat ein Garant sein. Da der Frauenanteil in der Politik weit unter 50 Prozent liegt, ist es nicht verwunderlich, dass dort Männer an vielen Stellen in den Vordergrund rücken. Nun kann man weder Frauen zwingen, politisch aktiv zu werden, noch Männern verbieten, in die Politik zu gehen. Starke Frauen setzen sich genauso durch, wie sich Männer erfolgreich an die Spitze kämpfen. Genauso scheitern aber auch mehr Männer als Frauen daran, eine Spitzenposition besetzen zu können. Das wird oft vergessen.

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