Frauen und Power

Frauen und Power | Von Swantje Langwisch

Neunzig Prozent der alleinerziehenden Haushalte bilden Frauen. Dabei ist der Begriff „alleinerziehend“ oft ein von außen zugeschriebener. Viele der so benannten Elternteile fühlen sich trotz fehlenden Partners nicht allein. Das mag unter anderem daran liegen, dass die Unterstützung durch Familie und Freunde hier seltener ausbleibt als bei klassischen Familienmodellen. Dies ist in den Ost-Bundesländern üblicher als im Westen. Aber auch das klassische heterosexuelle Paar erlebt Tücken. Laut einer Studie sind Frauen in Beziehungen unzufriedener, wenn sie das höhere Einkommen beisteuern. Geht es uns allen nun besser, wenn sich einfach jede Frau einen besser verdienenden Mann sucht? Dr. Eckhart von Hirschhausen präsentierte in der Sendung „Kölner Treff“ des WDR ein Modell. Demnach finden sich auf jeder Seite fünf Punkte übereinander. Von den besser bezahlten Berufsständen oben, nach unten zu den geringer bezahlten. Auf der einen Seite die Männer, auf der anderen Frauen.

Hirschhausens These besagt, dass Männer sich eher Partnerinnen mit geringerem Berufsstand bzw. Einkommen suchen. So würde zum Beispiel der Oberarzt eher eine Schwester heiraten, als eine Oberärztin einen Pfleger. So ziehen sich im Modell die Linien von Männern oben, zu den Frauen, für die sie sich entscheiden würden, eine Stufe tiefer. So bleiben am Ende zwei Gruppen übrig: „dumme“ Männer und „intelligente“ Frauen.

Kombiniert man nun die Aussage der Statistik über finanziell stabile Frauen und ihre unglücklichen Beziehungen mit dem Modell Hirschhausens – dessen Begründung im Übrigen das Phänomen sei, dass Männer eine Partnerin auf Augenhöhe zu anstrengend finden würden – könne man meinen, Frauen wären in der Zwickmühle. Entweder sie fügen sich dem klassischen Rollenmodell, oder verdienen mehr, sind aber unzufriedener. Sind die Männer schuld? Oder die Frauen? Unterdrückt hier immer noch der alte weiße Mann oder lässt die Frau sich in Grenzen weisen durch das vom eigenen Kapital angekratzte Ego ihres Mannes?

Studien zeigen außerdem, dass Frauen – und das nicht nur, wenn sie alleinerziehende Mütter sind – armutsgefährdeter sind als Männer. Kann man diese statistischen Aussagen jetzt darauf schieben, dass Frauen gegenüber gleichermaßen qualifizierten männlichen Kollegen als schlechter bezahlt gelten.

Praktische Beispiele, Frauen in höheren Positionen eine stärkere Präsenz zuzuschreiben, zeigen, dass viel weniger Frauen als Männer sich überhaupt erst bewerben. Es ist also ein entscheidender Faktor, dass aktuell weniger Frauen als Männer überhaupt in besser bezahlten Jobs arbeiten. Die Frage der gleichen Bezahlung bei gleicher Arbeit ist dabei gar nicht mehr so ein Thema. Da stellt sich die Frage, ob diese Zurückhaltung in ihrem Ursprung dem chauvinistischen Regime der alten weißen Männer zuzuschreiben ist, oder man an dieser Stelle einfach nicht den Hintern hochkriegt.

Mit Sicherheit haben im Laufe der Geschichte Unterdrückung und Kleinhaltung eine Rolle gespielt. Aber inzwischen sind wir weit genug, um in jede Rolle zu schlüpfen, die uns liegt. Was hat es für einen Sinn, auf der fiesen unfairen Vergangenheit herumzureiten, wenn es doch die Zukunft ist, die uns allen am Herzen liegen sollte. Es ist keine Kollektivschuld der Männer, die in diesem Moment die Welt bevölkern, dass Frauen hierzulande sich noch unterdrückt, geringgeschätzt oder verachtet fühlen. Aber es würde schon etwas bringen, wenn sie sich nicht noch am empfundenen Problem beteiligen. Nicht jeder Mann ist ein Sexist. Die Entscheidung des biologischen Geschlechts liegt bei keinem von uns. Warum sich also überhaupt etwas darauf einbilden? Die ganze Diskussion um Mann und Frau ist nicht die grundlegende. Wenn wir nicht mehr da-rüber sprechen müssen, Menschen wegen irgendeines ihrer Attribute zu verurteilen – seien sie religiöser, sexueller, ethnischer oder geografischer Natur – müssen wir auch keine Diskussion über gegenderte Texte und Unterschiede in Gehältern führen. Wenn es allein das biologische Geschlecht wäre, das einen Menschen zu etwas Bedeutendem macht, gäbe es dann überhaupt welche, die aus der binären Vorstellung heraustreten wollten?

All das klingt, als wären Frauen nun generell das benachteiligte Geschlecht. Würde man das nun aber so hinnehmen, wäre das Urteil doch schon gefällt. Kein Gesetz und keine Quote allein können die sogenannte Gleichberechtigung herbeiführen. Kein Mann und keine Frau können einer anderen sagen, wie sie zu sein und ihr Leben zu gestalten hat. Jede Frau muss nämlich nur eins: Ihr Leben so selbstbestimmt führen, wie es ihr Wunsch ist. Wie jede Revolution oder Bewegung ist es ein Prozess, dass Frauen sich nehmen, was sie wollen und nicht mehr Klischees zu entsprechen versuchen.

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