Donnerstag, Juni 30, 2022
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Gedanken- & Spaziergänge im Park: Geschenke des Sultans

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Geschenke des Sultans | Paul F. Gaudi

Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt“, jubilierte Katrin Göring-Eckardt auf der Synode der evangelischen Kirche in Bremen 2015, nachdem die Kanzlerin die Grenzen unter Umgehung aller bislang bestehenden Regeln für den Flüchtlingsstrom weit geöffnet hatte. Frau Merkel unterstrich ihr Vorgehen mit den markigen Worten: „Wir schaffen das!“ Der kluge Kabarettist Dieter Nuhr (das ist übrigens der, von dem der Komiker Böhmermann hofft, dass „ihm jemand die Fresse polieren möge“), merkte dazu an, dass sie aber vergessen habe zu erklären, wen sie eigentlich mit „wir“ und was sie mit „das“ meint. Das nur nebenbei. Ähnliche Jubelausbrüche vermisse ich jetzt von Frau Göring-Eckardt, wo uns der neue Sultan Erdogan massenhaft Menschen schenken will. Er setzt derzeit heimatlose Menschen als Druckmittel und als Waffe ein, um die europäischen Regierungen zu erpressen. Ihnen wird weisgemacht, dass die Grenzen nach Europa offen wären und es werden massenhaft Busse, ja sogar Taxen bereitgestellt, um diese menschliche Munition zum Teil über Hunderte von Kilometern westwärts an die griechische und bulgarische Grenze zu schaffen. Aber die Grenzen sind nicht offen, sie sind geschlossener denn je. Und auch die türkische Grenze ist nur in eine Richtung – nämlich westwärts – offen, ein Zurück gibt es nicht mehr. Die europäischen Regierungen stehen wie gelähmt vor dieser Situation; nur wenige, wie z. B. die österreichische haben einen eindeutigen Standpunkt. Kanzler Kurz verweigert jedes Eingehen auf das erpresserische Vorgehen.

Kanzlerin Merkel schweigt. Öffentliche Medien präsentieren verschiedene Bilder: häufig welche mit kleinen Kindern und Frauen, die natürlich berührend sind. So auch in der „Volksstimme“ am 3. März: Auf Seite 1 eine bedauernswerte Familie mit zwei kleinen Kindern – dann auf Seite 5 ein wohl realistischeres Bild mit einer großen Zahl überwiegend junger Männer, vereinzelt anscheinend aus Schwarzafrika. Ob es richtig ist, dass alle mit dem Begriff „Flüchtlinge“ bezeichnet werden? Laut der „Welt“ vom 5. März kamen von den 252 durch die griechische Polizei Festgenommenen 64 Prozent aus Afghanistan und lediglich 4 Prozent aus Syrien! Viele von diesen leben seit Jahren in der Türkei, wo sie nicht verfolgt werden, nicht vom Krieg bedroht sind und die Kinder oft zur Schule gehen. Eigentlich sind es keine Flüchtlinge, die vor Krieg und Unterdrü-ckung fliehen, sondern es sind Auswanderer, die auf diese Weise die Einwanderungsbestimmungen ihrer Zielländer umgehen wollen. Wobei wir bei den sogenannten „unbegleiteten Minderjährigen“ sind. Es fällt schwer sich vorzustellen, dass diese Halbwüchsigen sich so ganz ohne elterliches Einverständnis oder sogar Druck auf den Weg machen würden. Schon gar nicht aus dem islamischen Kulturkreis, wo Familie und die Autorität des Vaters einen erheblich größeren Stellenwert als bei uns haben. Sie wollen unter Umgehung aller Einreisebestimmungen nach Europa, ein großer Teil sicher nach Deutschland, wo doch nach Aussagen vieler unserer Politiker eine ausgesprochen ausländer- und islamfeindliche, ja nahezu faschistische Atmosphäre herrschen soll. Irgendetwas stimmt da nicht.

Gerade die jungen syrischen Männer würden beim Wiederaufbau ihres Heimatlandes dringend gebraucht, denn im größten Teil Syriens ist kein Krieg mehr. Den gibt es nur in der Provinz Idlib an der türkischen Grenze, wo sich noch islamistische Rebellen halten. Diese islamistischen Rebellen werden von Erdogan unterstützt. Das wundert nicht, da der türkische Präsident selbst einer islamistischen Bewegung entstammt und schrittweise die Errungenschaften des Reformers Kemal Atatürk (1881-1938) zurückdreht. Atatürk wollte die Türkei nach dem 1. Weltkrieg modernisieren und gewissermaßen europäisieren.

Wir hören und lesen häufig, dass die syrische Armee und die mit ihr verbündeten Russen Schulen und Krankenhäuser bombardiert hätten. Ich kann das nicht beurteilen, aber mir fehlt der Glaube, dass gezielt diese Objekte zerstört werden. Eher sind das entsetzliche Schäden, die bei allgemeinem Beschuss oder Bombardements entstehen, ebenso wie bei der Bombardierung unserer Städte im Zweiten Weltkrieg auch Krankenhäuser und Schulen getroffen wurden, ohne dass sie direkt Ziele waren. Die Zivilbevölkerung hat in jedem Krieg meist mehr zu erleiden als das Militär selbst. Doch fragen wir uns, warum um Idlib noch gekämpft wird? Eigentlich sitzen die Islamisten dort auf verlorenem Posten und hätten schon verloren, wenn sie nicht durch Erdogan unterstützt würden. Aber sie kämpfen bis zum „letzten Blutstropfen“ und benutzen die Bevölkerung propagandistisch als Opfer böser Angreifer. Ein Rückgriff auf unsere Geschichte vor 75 Jahren sei gestattet: Waren die Verluste der Zivilbevölkerung und die massive Zerstörung der Städte Königsberg, Breslau oder Berlin der „bösen“ Roten Armee geschuldet oder lag es nicht vielmehr daran, dass die gewissenlosen Machthaber offene Städte zu „Festungen“ erklärten und dadurch diese menschlichen Katastrophen erst verursachten? Ähnlich die Lage in Idlib. Würden die Islamisten ihren hoffnungslosen Kampf einstellen, könnten die Menschen dort bald wieder in Frieden und in nicht weiter zerstörten Städten leben.

Auch die USA und die europäischen Staaten tragen Schuld daran. Jeder Ansatz einer Rebellion gegen die Diktaturen im Nahen Osten oder Nordafrikas wurde sofort unterstützt und verstärkt und sehr bald wurde auch mit militärischen Mittel eingegriffen, um die Diktatoren zu stürzen. Die Folgen dieser Politik waren aber keine Demokratien sondern Chaos und dem Aufblühen islamistischer Terrororganisationen wie der IS oder Al Kaida wurde der Boden bereitet. Beispiele: Irak, Syrien oder Lybien. Man hat lediglich Schlimmes durch noch viel Schlimmeres ersetzt! „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gelungen“, sagte einmal Karl Kraus. Staatsmodelle Europas, die ihre Wurzeln in Reformationen, dem Laizismus und vor allem in der Aufklärung haben, lassen sich nicht so einfach auf einen völlig anderen Kulturkreis übertragen. (Anmerkung für leidenschaftliche Missversteher: Anders heißt nur anders und nicht besser oder schlechter!)

Zurück ins Inland. Thüringen hat nun seinen kürzlich mit Mehrheit rechtmäßig gewählten und wieder zurückgetretenen Ministerpräsidenten durch einen ohne 50-prozentige Mehrheit rechtmäßig gewählten Ministerpräsidenten ersetzt. Bei der Gratulation nach seiner Vereidigung verweigerte Ramelow dem Höcke den Handschlag. In der Life-Übertragung war es interessant zu sehen, wie sich dabei die Finger der rechten Hand Ramelows nervös bewegten und fast verkrampften. Indiskreterweise zeigte die Kamera das recht deutlich. Ich glaube ihm nicht, dass er den Händedruck, wie er später erklärte, wegen Höckes Gesinnung unterließ. Nein, Ramelow schrieb auf Twitter nach der für ihn misslungenen Wahl am 6. Februar ein Zitat von Hitler vom 2. Februar 1930. Unter seinen Tweet stellte Ramelow zwei Fotos. Das obere zeigt einen Händedruck zwischen Hitler und dem ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Auf dem zweiten Bild ist der zum Ministerpräsidenten gewählte FDP-Politiker Kemmerich beim Händedruck mit dem Fraktionsvorsitzenden der AfD, Björn Höcke, zu sehen. Wie hätte es nach der letzten Wahl nun wohl ausgesehen, wenn es dann ein drittes Bild mit einem Händedruck Höckes und Ramelows gegeben hätte? Peinlich, peinlich. Das war es, was unbedingt vermieden werden musste.

Etwas anderes: Ein Spiegelautor mokierte sich darüber, dass es drei Männer sind, die sich um den CDU-Vorsitz bewerben und schrieb von einem „tes-tosterongeschwängerten“ Kandidatenteam. Abgesehen davon, dass alle drei über 55 sind und damit das beste Testosteronalter schon hinter sich gelassen haben, frage ich mich, ob der Autor im Falle von mehreren Kandidatinnen dann über eine „östrogengeschwängerte“ Bewerberinnengruppe schwadroniert hätte? Das wage ich zu bezweifeln. Und sind die letzten drei wichtigen Frauen der CDU, Merkel, von der Leyen, Kramp-Karrenbauer wirklich so vorbildlich anders und besser? Wohl kaum. Natürlich sind Frauen die besseren Menschen, welcher Mann wüsste das nicht. Aber auf dem Spielfeld der Politik geht es eben nicht um die Geschlechterfrage, sondern um die Macht. Und bei diesem Kampf haben die mächtigen Frauen ebenso harte Bandagen wie die Männer, auch wenn sie diese oft nicht so zur Schau stellen. Schauen wir uns die Kanzlerin an: in ihrem Umkreis gibt es seit Jahren keinen Mann mehr, der ihr Paroli bieten könnte. Alle sind weggebissen worden, z. B. auch Röttgen und Merz, um nur zwei zu nennen. Ähnliches international: Margaret Thatcher, nicht umsonst die „eiserne Lady“ genannt, oder Theresa May, die letztlich den Brexit inszenierte. Oder Christine Lagarde, die jetzige Präsidentin der Europäischen Zentralbank. Die Liste der Frauen, die auf dem Spielfeld der Macht die Männer aus dem Feld schlugen, ließe sich locker verlängern.

Frauen untereinander sind nicht immer fein. So bekommt unsere deutsche Greta, Luisa Neubauer, Gegenwind von mehreren Frauen aus der eigenen „Friday for Future“-Bewegung, die nicht mehr wollen, dass Luisa überall als bejubelte Rednerin auftritt. Es müsse eine „Promibremse“ her und die Rednerinnen sollten mehr „divers“ sein. Mein Freund Gert meinte dazu nur: „In der Schule nannten wir das Zickenkrieg.“

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