Donnerstag, Januar 20, 2022
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Gedanken- und Spaziergänge im Park: Geld spielt keine Rolle

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Die Riesenschau zum Klimagipfel von Glasgow COP26 ging nach fast zwei Wochen zu Ende. Die Bundesministerin für Umwelt und Naturschutz, Frau Svenja Schulze, schätzte die Mammutkonferenz zwar als einen Erfolg ein – aber zumeist fiel das Urteil darüber negativ aus: „Viel Geschrei und wenig Wolle.“ Über eine Hauptursache des Problems – vielleicht sogar die Ursache überhaupt – wurde anscheinend überhaupt nicht gesprochen: Nämlich über das exzessive Wachstum der Menschheit auf der Welt. Dieses Problem ist der sprichwörtliche rosa Elefant im Raum, den zwar jeder sieht, aber über den man nicht spricht, sondern stattdessen so tut, als gäbe es ihn nicht. 1950 gab es etwa 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt, 2020 waren es fast 7,8 Milliarden – also mehr als dreimal so viel! Alle diese Menschen wollen wohnen. Folglich müssen mehr Häuser gebaut werden. Und wo? Nun, entweder in der unberührten Natur oder auf Ackerland. Alle diese Milliarden brauchen aber auch eine Existenz und müssen ihren Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen. Folglich müssen mehr Betriebe gebaut werden, mehr Straßen und andere Verkehrswege. Natürlich wieder auf Kosten der Natur oder der fruchtbaren Böden. Nicht zuletzt wollen diese siebeneinhalb Milliarden Menschen essen. Folglich muss noch mehr Natur in Ackerland, Weiden und Stallungen umgewandelt werden. Dazu kommt dann noch eine Unzahl weiterer Betriebe zur Nahrungsgüterproduktion und weitere zahllose Transporte. Das ist nur eine grobe Skizze. Das Szenario soll hier nicht weiter ausgemalt werden, aber jeder der nur ein wenig Fantasie hat, kann sich ausrechnen, wie viel mehr CO2 allein durch die Zunahme der Menschheit und der Viehbestände entsteht und wie viel weniger CO2 durch die abnehmenden Naturflächen resorbiert werden kann. Dass die Verdreifachung der Menschheit natürlich eine Vervielfachung des Mülls und der Abfallprodukte mit sich bringt, dürfte klar sein. Und das Wachstum der Weltbevölkerung ist noch nicht zu Ende, sondern geht weiter; eher schneller als bisher. Für das Jahr 2050 werden knapp 10 Milliarden Menschen prognostiziert – und das ist sicher vorsichtig gerechnet. Von all dem war in Glasgow offenbar keine Rede, soweit man es Medienberichten entnehmen konnte. Es wundert mich nicht, dass darüber so gut wie nicht geredet wurde. Warum nicht? Weil man für dieses Problem keine Lösung hat! Jeder, der dieses Thema angeschnitten hätte, hätte dumm ausgesehen, wenn er dann gefragt würde: und was sollen wir dagegen tun? Also redet man nicht darüber und faselt stattdessen lieber vom Ausstieg aus der Kohle, versucht an irgendwelchen kleinen Stellschrauben zu drehen und streut sich und uns damit doch nur Sand in die Augen.

Nach offiziellen Angaben waren fast 40.000 Teilnehmer in Glasgow. Diplomaten, Wissenschaftler, Politiker und natürlich auch eine große Zahl sogenannter „Aktivisten“. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass sie alle aus Rücksicht auf die CO2-Bilanz zu Fuß oder mit dem Fahrrad angereist wären. 400 Privatflieger und natürlich einige unterbesetzte große Regierungsmaschinen flogen ein. Interessant ist ebenso, dass unter den 25 größten Delegationen allein neun aus Afrika kamen. So kamen aus der Demokratischen Republik Kongo 373 (!) Klima-Diplomaten nach Glasgow und Ghana schickte 337 Abgesandte, fast sechsmal mehr als die Volksrepublik China. Ein Schelm, der Arges dabei denkt. Geld spielt offenbar keine Rolle. Auch sonst ist der Schein heilig: Von noblen Hotels wurden Politiker und Promis mit zwanzig von einem Autoproduzenten gesponserten E-Autos chauffiert. Nun sind E-Ladesäulen in Schottland vermutlich ähnlich rar gesät wie hierzulande. Um diesem Mangel abzuhelfen, wurden laut einer großen Tageszeitung die Ladestationen mit Dieselgeneratoren betrieben. So etwas nannte man früher „Potemkin’sche Dörfer“. Geld spielt keine Rolle.

Im nächsten Jahr sieht man sich wieder, dann im ägyptischen Badeort Scharm El-Scheich auf der Halbinsel Sinai am Rotem Meer. Da ist es im November noch schön warm, die Wassertemperatur liegt bei 24° Celsius und von demonstrierenden „Aktivisten“ werden die Konferenzteilnehmer dort wohl kaum behelligt werden.
Auch hierzulande möchte man nicht kleckern, sondern klotzen. Allerdings nicht so sehr für die Wirtschaft und das Volk, sondern für die Bürokratie. Im Lauf von knapp zwei Jahrzehnten, seit das Bundeskanzleramt bezogen wurde, wuchs die Zahl der Angestellten von rund 400 auf derzeit 750. Da reicht unser großes Bundeskanzleramt natürlich nicht mehr aus. Dabei ist es schon so riesig, dass das Weiße Haus, der Regierungssitz des amerikanischen Präsidenten, dagegen nur wie eine luxuriöse übergroße Villa wirkt. Auch Macrons Élysée-Palast kann mit unserem Kanzleramt nicht mithalten. Von dem Reihenhauscharakter der Downing Street 10 des englischen Premierministers ganz zu schweigen. Im Gegensatz zum Bundeskanzleramt sind diese drei Regierungssitze Machtzentralen dreier Weltmächte. Wegen der wundersamen Mitarbeiter-Vermehrung im Bundeskanzleramt plant man einen Neubau auf der anderen Seite des Flusses, einen halbrunden sechsgeschossigen Bau mit 400 (vierhundert!) Büros und Wintergärten. Dazu soll ein Post- und ein Logistikzentrum sowie ein erhöhter Hubschrauberlandeplatz kommen. Die Fertigstellung ist für 2027 geplant. Das alte und das neue Gebäude werden durch zwei Brücken miteinander verbunden. Für diesen Anbau sind 600 Millionen Euro Baukosten veranschlagt. Eine Summe, die nach allen bisherigen Erfahrungen von der Realität sicher deutlich überboten werden wird. Aber wer will da von Geld reden? Schließlich haben wir schon das größte Parlament der Welt, wenn man von dem chinesischen Volkskongress absieht. Geld spielt keine Rolle.

Da darf die Kanzlerin nicht zurückstehen, wenn sie ihren Unruhestand nach der Kanzlerschaft plant. Dazu braucht sie natürlich ein paar Mitarbeiter. Deshalb beantragte das Bundeskanzleramt einen Büroleiter und einen stellvertretenden Leiter (diese beiden mit je einem Grundgehalt von über 10.000 Euro), dazu noch zwei Referentinnen, drei Sachbearbeiter sowie zwei Fahrer. Insgesamt also 9 Mitarbeiter, mehr als jeder Kanzler vor ihr im Ruhestand. Man kann sich leicht ausrechnen, dass diese komfortable Besetzung entsprechend große Räumlichkeiten braucht. Wie schon gesagt: Geld spielt für Politiker keine Rolle. Das Pikante an der Sache ist folgendes: Erst 2019 beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestags, dass künftige Bundespräsidenten und Bundeskanzler nach deren Ausscheiden nicht mehr als fünf Mitarbeiter bekommen sollen. In dem Beschluss werden konkret ein Büroleiter, zwei Referenten, eine Büro- oder Schreibkraft und ein Fahrer vorgesehen. Das sind vier Mitarbeiter weniger als von Frau Merkel beantragt. Nur: Der Beschluss von 2019 gilt für sie nicht, da in diesem Papier ausdrücklich von künftigen Bundespräsidenten oder Kanzlern geschrieben ist, nicht von gegenwärtigen. Angela im Glück! Die Frage, die Gerd und mich bewegte, war: Wozu braucht sie all die Leute? Gut, ehemalige Minister, Präsidenten oder Kanzler werden oft eingeladen, Vorträge vor ausgewählten und meist gut betuchten Kreisen zu halten. Meistens bekommen sie ein ansehnliches Honorar dafür. Man darf gespannt sein, was Frau Merkel alles vorhat. Vielleicht hat sie große Pläne, von denen wir alle nichts ahnen?

„Gibt es eigentlich nichts Anderes als Politik und Geld?“, fragte Gerd zum Schluss unseres Gespräches und steuerte gleich bei, was ihn bewegte: Annalena Baerbocks Buch „Jetzt – wie wir unser Land erneuern“ wurde von ihr nicht korrigiert oder umgeschrieben, sondern mit ihrem Einverständnis aus dem Handel genommen und wird nicht mehr gedruckt. Gerd tut das leid. „Nun wird es wohl nichts mehr mit irgendeinem Literaturpreis – vielleicht einem von der Heinrich-Böll-Stiftung. Aber ich sollte mir noch ein paar erhältliche Exemplare besorgen. Sie bekommen vielleicht Seltenheitswert und ich kann sie später gewinnbringend verkaufen.“ „Na, ob du damit reich werden kannst, wage ich zu bezweifeln.“

Mir gefiel eine Geschichte viel besser, die dieser Tage durch das Internet und die Presse ging. Da klagte ein Mann in Celle vor dem Landessozialgericht gegen seinen Versicherungsträger und will endlich seine Rente haben. Er sei 102 Jahre alt und seit fast 40 Jahren würde ihm die Rente vorenthalten. Allerdings ist er laut amtlichen Unterlagen erst 48 Jahre alt und arbeitet als Vollzeitangestellter bei einem niedersächsischen Landkreis. Der ist wohl etwas verrückt, bemerkte ich zu Gerd. „Wie kommst Du denn darauf“, erwiderte er. „Er ist auf der Höhe unserer Zeit.“ „Das meinst Du nicht im Ernst!“ „Doch.“, widersprach Gerd, „Wenn heute jeder sein Geschlecht festlegen kann und behauptet, dass es bei der Geburt nicht festgestellt, sondern von der Hebamme zugeordnet – was nach Willkür klingt – worden wäre, warum sollte man dann nicht auch sein gefühltes Alter festlegen dürfen? Wenn X- und Y-Gene keine Bedeutung mehr haben sollen, warum sollte man sich dann auf ein so willkürliches Papier wie einen Kalender festlegen?“ Ich schüttelte erstaunt den Kopf und jeder ging seines Weges.

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