Samstag, Oktober 16, 2021
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Gedanken- und Spaziergänge im Park: Klima und Sprüche

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Am Anfang muss eine Korrektur erfolgen. Anfang Juli wurde die Höhe der Inflation an dieser Stelle mit 3,9 Prozent angegeben. Das ist falsch. Inzwischen beträgt sie schon 4,3 Prozent und steigt weiter! Bei bestimmten Preisen, die vor allem die gesamte Bevölkerung treffen, ist die Preissteigerungsrate noch viel höher. Auch Nahrungsmittel wurden um ca. 4,3 Prozent teurer, Kaffee, Tee und Schokolade um 7,2 Prozent. Für Eier, Brot und Gemüse zahlen die Verbraucher jetzt rund 4,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor! Auch die Preise für Wasser, Strom und Gas stiegen um 3 Prozent. Ganz besonders hoch ist die Steigerungsrate bei Benzin um ca. 25 Prozent und bei Heizöl um 27 Prozent. Das dürften alle Bürger und ganz besonders die Rentner schmerzlich zu spüren bekommen. Eine der Hauptursachen dafür ist die rein ideologisch begründete CO2-Steuer, die auf allen Treibstoff- und Energiepreisen liegt und sekundär dann zwangsläufig die Herstellungs- und Transportpreise verteuert. Diese CO2-Bepreisung ist, wie schon gesagt, rein ideologisch begründet und politisch gewollt. Es dürfte aber eine Illusion sein zu hoffen, dass sich dadurch an dem Klimawandel auch nur das geringste ändern würde! Ebenso illusionär ist es zu glauben, dass sich durch irgendwelche menschlichen Maßnahmen der Prozess einer Klimaveränderung nachhaltig beeinflussen lasse. Wenn man etwas tun kann, dann wäre es das Vernünftigste, sich auf die möglichen Folgen eines Klimawandels vorzubereiten und entsprechende Schutzmaßnahmen zu organisieren. Ist eine Lawine erst einmal ins Rutschen gekommen, dann gibt es keine Möglichkeit sie noch aufzuhalten. Man muss vorher Lawinenschutzmauern bauen oder Schutzwälder anpflanzen. Ebenso kann man auch Flutwellen oder die Erhöhungen des Meeresspiegels nicht abbremsen, sondern man muss Dämme bauen bzw. vorhandene erhöhen. Von der steten Zunahme der Anzahl der Menschen auf diesem Planeten mit allen ihren negativen Folgen für Besiedelung und Produktion soll hier nicht noch einmal die Rede sein. Vor drei Jahren, im August 2018, wurde an dieser Stelle darüber ausführlich geschrieben.

Schon das Vokabular, das den Klimawandel betrifft, ist ideologisch aufgeladen. So hört man manchmal in den Nachrichten, dass nicht mehr von der Erderwärmung, sondern von der Erderhitzung gesprochen wird. Aus einfacher Wärme ist also schon Hitze geworden! Auch das Wort Klimaschutz, das fast jeder in den Mund nimmt, ist falsch. Das Klima muss nicht geschützt werden, das Klima ist einfach vorhanden und damit basta. Dem Klima ist es egal wie es ist. Wenn es überhaupt um irgendeinen Schutz geht, dann geht es um den Schutz der Natur und den der Menschen vor sich verändernden klimatischen Einflüssen. Aber auch das ist fragwürdig. Denn wenn man sich ein wenig in der Erd- und Klimageschichte auskennt, dann weiß man, dass sehr viele Warm- und Eiszeiten, manche extrem warm oder extrem kalt, über die Erde hingegangen sind. Die Natur hat sich immer angepasst und entsprechend verändert. Auch seit Anbeginn der Menschheit erfolgten viele Warm- und Kaltzeiten – die Menschheit hat es überlebt und sich erfolgreich angepasst. Wenn jetzt diesbezüglich von einem Schutz die Rede ist, dann geht es nicht um den Schutz des Klimas, sondern um nichts anderes, als um den Erhalt der gegenwärtigen Lebens- und Umweltverhältnisse für die Menschen und um die Vermeidung irgendwelcher Veränderungen. Das ist sehr verständlich, dürfte aber eine Illusion sein, denn so war die Welt nie und wird es nie werden. Es sei denn, man würde die gesamte Natur einschließlich der Menschen in ein riesiges, die gesamte Erde umspannendes Gewächshaus unterbringen!

Eine Schwierigkeit, diesbezüglich eine vorurteilsfreie Diskussion darüber zu führen, besteht auch darin, dass die Klimaschutz-Ideologie inzwischen fast religiöse Züge angenommen hat. Aus der Menschheitsgeschichte kennen wir einiges darüber. Schon im Alten Testament sprachen Propheten von drohenden Weltuntergängen und im Neuen Testament beschreibt die Apokalypse des Johannes ein solches grausames Szenario. Im Altertum und im Mittelalter gab es Sekten und religiöse Bewegungen, die den nahen Weltuntergang kommen sahen und die Menschen verunsicherten. Auch die Neuzeit ist nicht frei davon. Es gab Sekten, wie zum Beispiel People Tempel, die ihre Anhänger in den kollektiven Selbstmord trieben. Leider ist auch die vor allem von Jugendlichen geprägte Bewegung „Fridays for Future“ von solchen pseudoreligiösen Einflüssen nicht frei. Manche von ihnen propagieren auf ihren Transparenten und in ihren Reden, dass sie die „lost generation“, die letzte Generation seien. Das ist eine typische Endzeitstimmung, wie man sie vom Mittelalter her kennt und auch bei heutigen Sekten beobachten kann. Schon jetzt hat die Bewegung ihre „Heiligen“, wie Luisa Neuhauser oder Greta Thunberg, die jetzt in Berlin allen Ernstes Deutschland als einen der größten Klimasünder bezeichnete. Wie in der Frühzeit des Christentums und auch im Mittelalter könnten einige Fanatiker traurigerweise auch zu Märtyrern dieser Bewegung werden, wie zum Beispiel einige Hungerstreikende vor dem Reichstag. Irgendwie erinnert das an den Kinderkreuzzug des frühen 13. Jahrhunderts, der so viele tiefgläubige, aber irregeleitete deutsche und französische Kinder in Tod und Sklaverei führte. Der maßgebliche Initiator dieser Bewegung, ein Hirtenjunge namens Étienne de Cloyes (Stefan aus Cloyes), aber kratzte nach einigen Wochen der Wanderschaft die Kurve und ließ die Masse der anderen weiter in ihr Unglück ziehen!

Eine ähnlich einseitige Diskussion finden wir auch in der Pandemie-Debatte. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, schlug vor, Ende Oktober alle Restriktionen, die mit der Pandemie zusammenhängen, nach englischem Vorbild aufzuheben. Die Regierung ist natürlich dagegen. Dieser Mann ist nicht irgendjemand, sondern der Vorsitzende des Verbandes aller Kassenärzte Deutschlands. Er wird sich wohl dabei etwas gedacht haben. In Belgien, Dänemark oder Schweden sind so gut wie alle Restriktionen aufgehoben und es geht auch. In Deutschland dagegen wird jetzt sogar erwogen, dass Masken auch im Ers-tehilfekasten der Kfz sein müssen, sonst drohe ein Bußgeld! Ein ständiges Hin-und-her zwischen 3G und 2G nervt. Es ist längst nicht alles so eindeutig, wie es uns dargestellt wird. Ein Bekannter von mir, ein älterer Landarzt, wurde vollständig geimpft. Sein Enkel wurde nach Schulbeginn in der Schule positiv getestet. Also testete man auch dessen Verwandtschaft mit dem Ergebnis, dass der geimpfte Landarzt auch positiv war und nun 14 Tage symptomfrei in Quarantäne musste! Was wissen wir eigentlich da-rüber, wie viele Einwohner, ohne je erkrankt gewesen zu sein, inzwischen durch ihr Immunsystem Antikörper gegen Corona entwickelt haben und immun sind? Das scheint nie untersucht worden zu sein, jedenfalls wird nicht darüber geredet.

Auf unserem Weg erzählte ich Gerd von einem Interview, das Frau Baerbock am 19. September einer überregionalen Tageszeitung gegeben hatte. In diesem sagte sie zu dem Reporter wortwörtlich: „Ich will die Krisen dieser Welt lösen.“ Gerd lachte und sagte: „Ja, unter dem tut sie es nicht. Eigentlich müsste sie sich für dieses Vorhaben als UNO-Generalsekretärin bewerben. Ob das vom Trampolinspringen kommt? Sie ist eine harte Konkurrenz für Frau von der Leyen, die sich ebenfalls als Weltretterin gebärdet.“ Dann aber wurde er ernst und sagte: „Mit diesem Satz ist sie eine ernsthafte Kandidatin für meinen Preis.“ Als er meine fragende Miene sah, sagte er, dass er schon seit Jahren die Idee habe einen Preis zu stiften. Er brauche nur noch den Lottogewinn, um das nötige Geld für eine solche Stiftung zu haben. Der Preis soll an Politiker verliehen werden, die besonders verrückte, um nicht zu sagen dumme, Aussprüche von sich geben. Wie der Preis aussehen soll, wisse er noch nicht, aber der Name stehe schon fest: „Die blecherne Plapper“. Einer seiner Lieblingskandidaten sei leider schon gestorben, Peter Struck, der den denkwürdigen Satz prägte „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“. Zu bedenken wäre auch Frau Göring-Eckhardt, mit dem Satz vom November 2015 „Wir kriegen plötzlich Menschen geschenkt!“ oder 2017: „Wir wollen, dass in den nächs-ten vier Jahren jede Biene und jeder Schmetterling und jeder Vogel in diesem Land weiß: Wir werden uns weiter für sie einsetzen!” Ich lachte und sagte ihm, dass es wohl gut sei, dass sein Plan von einem kaum zu erwartenden Lottogewinn abhänge. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen würde ihn wohl kaum sponsern. Aber bei Shakespeare fände er ein schönes Motto für seine Stiftung und unsere Zeit. In König Lear, 4. Aufzug, 1. Szene heißt es: „Es ist der Fluch der Zeit, dass Tolle Blinde führen!“ „Ja“, sagte Gerd nachdenklich, „Shakespeare ist wirklich zeitlos!“

Paul F. Gaudi

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