Mittwoch, Dezember 8, 2021
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Gedanken- und Spaziergänge im Park: Morgenthaus Wiederkehr?

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Anfangs der Fünfzigerjahre hörten wir im Geschichtsunterricht in der Grundschule von einem amerikanischem Morgenthauplan, der für Deutschlands Zukunft nach dem Krieg ganz Schreckliches vorgesehen hätte. Aber dank des Widerspruchs des Genossen Stalin, dem Väterchen aller Werktätigen, auf der Potsdamer Konferenz wäre aus diesem unmenschlichen Plan nichts geworden. Wer war Morgenthau und was sollte angeblich sein Plan gewesen sein?

Henry Morgenthau war ein enger Vertrauter Präsident Roosevelts und zur Zeit des Zweiten Weltkrieges Finanzminister der USA. Aus der Erfahrung heraus, dass Deutschland aus dem ersten Weltkrieg nichts gelernt habe, sondern noch mächtiger als zuvor geworden sei, schlussfolgerte er, dass so etwas von vornherein verhindert werden müsse. Deshalb sollten nicht nur große deutsche Gebiete an Polen und Frankreich abgegeben werden und Deutschland in einen Nord- und einen Südstaat geteilt werden, sondern seine Überlegungen gingen noch viel weiter. Darüber gibt es genügend Literatur, unter anderem berichtete zuletzt 2019 die Süddeutsche Zeitung darüber: „Fabriken, Bergwerke, Kohlegruben – alles, was die Nazis zur Herstellung von Waffen genutzt hatten, sollte dem Erdboden gleichgemacht werden. Nie wieder würde der Staat in der Mitte Europas, der so viel Grauen über die Welt gebracht hatte, zu einem Krieg fähig sein. Deutschlands Zukunft sahen Roosevelt und Churchill in einem ‘landwirtschaftlichen und pastoralen‘ Charakter.“ Auch Churchill schien von der Vision, Deutschland in einen reinen Agrarstaat umzuwandeln, anfangs sehr angetan. Allerdings meldeten sich selbst in den USA bald Gegner dieses im August 1944 veröffentlichten radikalen Planes, wie z. B. der Außenminister Hull oder auch der Kriegsminister Stimson. Die Nazipropaganda dagegen griff diese Vorstellungen Morgenthaus erfreut auf. Sie konnte sie sehr gut für ihre Propaganda benutzen, um für die weitere Verlängerung eines schon verlorenen Krieges zu trommeln mit dem Argument: Seht, was die „Jüdische Weltverschwörung“ mit uns vorhat, wenn wir uns nicht bis zum letzten Blutstropfen wehren.

Spätestens aber nach dem Tod des Präsidenten Roosevelt im April 1945 und der Amtsübernahme durch Harry S. Truman, der Morgenthau zum Rücktritt veranlasste, wurde dieser Plan zu den Akten gelegt. Uns wurde in der Schule fälschlich gelehrt, dass es nur dem gütigen Genossen Stalin zu verdanken gewesen wäre, dass seine menschenfreundliche Haltung und Standhaftigkeit uns vor der Umsetzung dieses Planes bewahrt habe. Im Schloss Cecilienhof, in dem 1945 die Potsdamer Konferenz stattfand, befand sich eine Schautafel über den Morgenthauplan, die auch nach dem Zusammenbruch der DDR noch zu sehen war. Erst seit der Renovierung des Schlosses vor einigen Jahren sei sie verschwunden, wie ein Freund mir mitteilte.

Eigentlich hatte ich diese Episode schon lange vergessen, bis mich Gerd daran erinnerte. Ich wunderte mich, warum er ausgerechnet auf den Morgenthauplan kam, der doch nie realisiert wurde. Er befürchte manchmal, erklärte er mir, dass Deutschland einer neuen „Morgenthauisierung“ entgegen gehe. Mit dem Unterschied, dass diese diesmal von uns selbst geplant und nicht vom Ausland gewaltsam über uns gebracht werde. Auf meine erstaunte Frage, wie er auf so etwas komme, erläuterte er mir seine Sorgen. Das zeige sich doch jetzt schon bei der Energieversorgung. Erst legt Deutschland im Gegensatz zu seinen Nachbarn die Kernkraftwerke still. Unmittelbar nach dem durch das schwerste Erdbeben seit Beginn der Aufzeichnungen in Japan 2011 ausgelösten Tsunami mit 14 Meter hohen Wellen und der durch die Überschwemmungen verursachten Reaktorhavarie beschloss unsere Kanzlerin in ihrer unermesslichen Weisheit, dass nun Deutschland zügig aus der Kernkraft aussteigen müsse. Als ob Deutschland ein von Erdbeben und Tsunamis geplagtes Land wäre! Drei Jahre zuvor hatte sie auf dem 97. Katholikentag in Osnabrück 2008 noch gesagt, dass sie es für „nicht sinnvoll“ halte, dass ausgerechnet das Land mit den sichersten Atomkraftwerken die friedliche Nutzung der Atomenergie einstelle. Auch den Protest gegen den Neubau von Kohlekraftwerken hielt die Bundeskanzlerin für kontraproduktiv. Deutschland mache sich „lächerlich“, wenn es sich dadurch ein „gutes Gewissen“ machen wolle, dass Atom- und Kohlekraftwerke stillgelegt würden und gleichzeitig Strom, der aus denselben Energieträgern erzeugt worden sei, aus den Nachbarländern importiert werde. 2011 nun ihre gegensätzliche Meinung. Aber hatte nicht schon Konrad Adenauer gesagt: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“? Es war eine rein politische Entscheidung, um Stimmen der Antiatomkraftbewegung für sich zu gewinnen. Aber um Deutschland herum entscheiden sich mehrere EU-Staaten wegen des Klimas zu neuen Reaktorbauten. Wir dagegen schaffen auch noch die Kohlekraftwerke ab. Wieder einmal soll an unserem Wesen anscheinend die Welt genesen! Nur Sonnen- und Windkraft kann unseren Strombedarf nicht sichern. Dazu kommt nun noch eine erhöhte CO2-Besteuerung mit einer CO2-Bepreisung, die sich stetig steigern soll. Ein Vorhaben, dass zwangsläufig alles inflationär verteuert. Der erste Energieversorger, die mittelständische Otima AG aus Neuenhagen bei Berlin, ist pleite und meldet Insolvenz an! Firmen anderer Gewerke werden folgen, da im Ausland mit weniger Steuern und Restriktionen alles billiger produziert werden kann. Verbrennerautos sollen abgeschafft und durch politisch überhöhte Treibstoffpreise sinnlos werden. Innenstädte werden autofrei. Wo aber will man den Strom für die vielen geplanten E-Autos hernehmen? So wehklagte Gerd, um dann auf seinen Alptraum, der „Morgenthauisierung“ zu kommen, die am Ende dieser Entwicklung stünde. Er sehe es kommen, dass Deutschland hauptsächlich ein Agrarland würde, natürlich ohne Großfelderwirtschaft. Denn für die brauchte man ja wieder Maschinen, die schädliche Kraftstoffe benötigten und deren Herstellung zu teuer und zu energieintensiv wäre. Außerdem wären ja auch Düngemittel und Pflanzenschutzmittel verboten, so dass nur eine Kleinbauernwirtschaft möglich erscheint, deren geringe Erträge ja dann mittels Lastenfahrrädern zu den benachbarten Verbrauchern geschafft werden könnten. Schwierigkeiten sehe er eigentlich nur bei der Schafzucht, deren Weiterexistenz durch die Wölfe bedroht wäre, die infolge ihrer absoluten Schutzwürdigkeit immer mehr würden.

Ich lachte über seine Übertreibungen, obwohl ein wahrer Kern nicht zu überhören ist. Seine Endzeitstimmung passt eigentlich recht gut zu den Klimabewegten, von denen sich einige für die „letzte Generation“ halten. Das hat manchmal schon religiöse Züge. Ähnlich wie die CO2-Bepreisung, von der man sich die Rettung erhofft. Das erinnert an den Ablasshändler Tetzel, der zu Luthers Zeit den Leuten das Geld abknöpfte mit dem Versprechen, dass sie durch den Kauf des Ablasszettels ihre Sünden los wären. „Wenn das Geld im Kasten klingt – die Seele in den Himmel springt!“ Ist CO2-Steuer der neue Ablass? Dazu passt, dass man bei einigen deutschen Politikern den Eindruck hat, sie hielten sich für den neuen Messias, der die Welt vom CO2-Satan erlöst. Doch vielleicht ist das mit der „letzten Generation“ und der Endzeitstimmung gar nicht so abwegig? Aber nicht wegen des Klimas, sondern wegen eines Konfliktes, der sich zwischen China und den USA zu entwickeln scheint. Die Ansprüche Chinas auf Ausdehnung seiner Macht werden immer offensichtlicher, wobei die Ansprüche auf Taiwan erst ein Anfang sind. Ich bin mir nicht sicher, ob die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung zwischen diesen Großmächten nicht um ein Vielfaches größer ist als 2° Erderwärmung.

Am Ende unseres Weges kamen wir wieder einmal auf Corona zu sprechen. Uns überraschte Spahns Ankündigung, die Restriktionen beenden zu wollen, die das seit 27. März 2020 bestehende „Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ über uns gebracht hat. Also wieder die volle Freizügigkeit, wie sie Großbritannien mit dem „Freedom-Day“ einführte und wie es auch Dänemark, die Niederlande und andere Staaten handhaben? Ausgerechnet Spahn, der es doch nie streng genug haben konnte und stets vor der vierten Welle warnte? Geht es vielleicht eher um anderweitige politische Gründe – z. B. um den neuen CDU-Vorstand? Das bleibt noch sein Geheimnis. Eine weitere Mitteilung gab uns zu denken: Fast 86 Prozent aller Corona-Infektionen in Afrika bleiben unbemerkt! Das berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) letzte Woche. Die hohe Dunkelziffer sei dadurch zu erklären, dass sich Gesundheitseinrichtungen bislang auf das Testen von Personen mit Krankheitssymptomen konzentriert hätten, was zu einem relativ niedrigen Prozentsatz Infizierter geführt hätte. Das bedeutet doch aber, dass die Nichtgetesteten keine oder nur sehr geringe Symptome hatten und sich nicht krank fühlten. Was, bitte, ist das für eine Infektionskrankheit, die nahezu symptomlos bleibt, fragten wir uns. Bei Ebola, Malaria, Diphtherie oder Cholera z. B. verspüren die Erkrankten sehr schnell, dass sie krank sind. Vielleicht haben die mutmaßlich „infizierten“ Gesunden ein gutes Immunsystem auch gegen Corona-Viren? Mit dieser offenen Frage trennten sich unsere Wege.

Paul F. Gaudi

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